Seitenueberschrift

Social Trading

Börsencrash sorgt für heftige Ausschläge

Wenn Trader die Krise kriegen

Stand: 19.02.2016, 17:27 Uhr

Die ersten Wochen das Börsenjahres 2016 haben es in sich. Die Turbulenzen bei Dax & Co. haben auch die "Social Trader" auf den wichtigsten Plattformen stark belastet. Einige Trading-Karrieren haben einen empfindlichen Dämpfer erhalten.

Wikifolio-Top-Trader "Ritschy" hatte in den vergangenen Jahren ein gutes Händchen, wenn es um die Auswahl von Aktien aus den Bereichen Technologie und Biotech ging. Sein Wikifolio mit dem Titel "Umbrella" hatte sich seit dem Start im September 2012 glatt verdreifacht, also 200 Prozent Performance geschafft. Ritschy, alias Richard Dobetsberger, investiert in seinem Portfolio derzeit in die Aktien von Tech-Riesen wie Apple oder Tesla, hat aber auch Titel von First Solar und des Goldminen-Betreibers Barrick Gold im Depot.

In das Umbrella-Zertifikat, das die Social-Trading-Plattform Wikifolio aufgelegt hat, dürften Hunderte oder gar Tausende Privatanleger mit investiert sein: Dobetsberger ist eine Art Fondsmanager neuen Typs und verwaltet inzwischen fünf Millionen Euro, was ihn zu einem der wichtigsten Wikifolio-Manager macht.

Zurückkaufen und Kasse halten

Die Verluste, die das Trader-Zertifikat seit Anfang Januar verkraften musste, waren aber nicht von Pappe: Von 350 Euro rutschte das Ritschy-Wikifolio auf 275 Euro ab. Eine Reihe von Stop-loss-Orders traten in Aktion und sorgten für Verkäufe bei Aktien von Morphosys, Jinko Solar und auch bei Volkswagen. Dobetsberger blieb allerdings relativ entspannt: Der Social Trader der ersten Stunde sammelte Titel wie die des Biotech-Unternehmens Epigenomics oder SMA Solar zu günstigeren Preisen nach. So ganz traut Dobetsberger den wieder steigenden Kursen aber noch nicht: Der Cash-Bestand im Umbrella-Wikifolio liegt derzeit noch über 40 Prozent.

"Euro am Sonntag" analog zum Dax…

Viele der Wikifolios bewegten sich seit Jahresbeginn fast analog zum Dax. Kein Wunder, werden doch zumeist Aktien aus den wichtigsten deutschen und internationalen Indizes aufgenommen. So auch das Wikifolio des Anleger-Magazins "Euro am Sonntag", das seit Jahresbeginn knapp 15 Prozent im Minus liegt.

… Albrech & Cie trumpft defensiv auf

Deutlich besser als der Dax aus der Affäre ziehen konnte sich das Wikifolio des Vermögensverwalters Albrech & Cie, dessen "defensive Strategie" zuletzt erfolgreich auf Titel wie die des dänischen Pharmakonzerns Novo Nordisk oder des Schweizer Konsumriesen Nestlé setzte.

"Perspektivisch" bergab

Kitzliger wird es naturgemäß, wenn Trader mit Hebelprodukten auf den Social-Trading-Plattformen agieren. Bei Wikifolio etwa hatte die Traderin Karin Jacobs mit ihrem Wikifolio "Perspective" eine Performance von sage und schreibe 40.000 Prozent binnen zweieinhalb Jahren erzielt. Dabei setzt die Traderin vielfach auf Nebenwerte, aber auch auf hoch gehebelte Dax-Zertifikate. Das Wikifolio rutschte seit Jahresbeginn entsprechend überproportional um mehr als ein Drittel ab.

Auch die Top-Trader auf der Social-Trading-Handelsplattform Ayondo aus Frankfurt hatten in den vergangenen Wochen teilweise eine schwere Zeit – und mit ihnen die "Follower", die die Trades der Vorturner eins zu eins im eigenen Konto kopieren können. Bei Ayondo wird ausschließlich mit "contracts for difference" (CFDs) gehandelt, also Derivaten auf Aktien oder Indizes, mit denen man gehebelt auf steigende aber auch fallende Kurse setzen kann.

Wetten mit – und gegen den Markt

Crashartige Börsenzeiten entlarven auch hier oft schonungslos, wenn Trader nur auf den "fahrenden Zug" setzen, also in einer Hausse-Phase etwa den Dax gehebelt nach oben verfolgen. Bricht dann aber der Aufwärtstrend, wird es kritisch. Oft versuchen dann Trader durch eine drastische Erhöhung ihrer Positionen ihre Verluste wieder wettzumachen. Nicht immer mit Erfolg: Einer der zwischenzeitlich populärsten Trader unter dem Pseudonym "Fxtore" erlitt gründlich Schiffbruch mit seiner Strategie: Gegen den Markt wettete er Anfang Februar auf steigende Dax-Notierungen und einen fallenden Goldpreis. Es kam anders und der Top-Trader produzierte in wenigen Börsentagen einen Verlust von rund 80 Prozent.

Im Ranking von Ayondo, bei dem das Einhalten bestimmter Risikovorgaben durch höhere Karriere-Level belohnt wird, fiel Fxtore zurück auf das Niveau eines "Street Traders", die Verluste müssen seine Follower aber erst einmal verdauen.

Börsen-Experten als Trader

Die lang arrivierten Trader haben den Börsen-Sturm allerdings zumeist ohne größere Blessuren überstanden. Sie haben über mehrere Jahre bereits einen track record aufgebaut und das Vertrauen vieler Follower erworben. Laut Ayondo haben die Top 5 der Trader-Gemeinde seit Jahresbeginn sogar ein leichtes Plus erreicht, während der Dax rund 17 Prozent tiefer notiert.

Zu diesen Top-Tradern gehört auch Stefan Riße, langjähriger Börsen-Moderator und Vermögensverwalter. Sein Ayondo-Profil hat im Crash-Januar sogar fast 17 Prozent zugelegt. Weniger glücklich hat Riße allerdings auf einer weiteren Social-Trading-Plattformen agiert: Sein Wikifolio-Zertifikat ("Asset Management by Sentiment"), mit dem Riße Anleger-Stimmungen in Anlageentscheidungen umsetzt, hat seit Jahresbeginn knapp 25 Prozent verloren und notiert mit 79 Euro rund 20 Prozent unter dem Ausgabepreis von 100 Euro (s.a. unser Interview mit Stefan Riße).

Noch heftiger hat es die Börsenexperten von Feingold Research auf Ayondo erwischt. Das Ayondo-Profil "Feingold-Trading" hat sich zwar im Februar wieder leicht erholt. Hier war aber schon der Monat Dezember eine Art Scharfrichter: Binnen eines Monats verloren die Experten rund 80 Prozent. Mit allzu großen Positionen hatten sie auf steigende Aktienindizes gewettet und ihr "virtuelles Konto" von zwischenzeitlich 132.000 auf 15.000 Euro eingedampft. Glücklicherweise hatten nur wenige Anhänger die Strategie kopiert. Die Zahl der Follower liegt inzwischen nur noch bei sechs.   

AB

Darstellung: