Seitenueberschrift

Social Trading

Kollektiv

Der Markt für Social Trading wächst weiter

Wenn die Community lockt

Stand: 27.11.2015, 14:53 Uhr

Im Zeitalter von Internet und Social Media geraten die Akteure wie Banken und Fondsgesellschaften unter Veränderungsdruck. Angelegt und "getradet" wird heute zunehmend öffentlich - oder auch "social".

Die Erfolgswährung in der neuen Welt der Anleger und Trader ist der "Follower". Wer in der Gemeinde auf den verschiedenen Social-Trading-Plattformen etwas gilt, der hat Gefolgschaft. Auf Portalen wie der Frankfurter ayondo wird für alle "Top Trader" prominent und für alle Interessenten sichtbar die Zahl der Anhänger aufgeführt, die ein "Vorturner" in Sachen Trading vorweisen kann.

Bei Wikifolio einem Anbieter mit Sitz in Wien, der aber in Deutschland seit 2012 vertreten ist, wird die Menge an Geld - also das Follower-Kapital ausgewiesen, die den einzelnen Investment-Strategien folgt. Sie werden überwiegend von Privatanlegern zur Verfügung gestellt und sind als Zertifikat verbrieft und zum Handel an der Börse zugelassen. Mehr als 3.600 solcher Zertifikate gibt es inzwischen, fast eine halbe Milliarde Euro wurde seit dem Start der Plattform bereits in diese Wikifolios investiert.   

Screenshot der Wikifolio-Website

Wikifolio. | Bildquelle: Unternehmen

Millionen von Nutzern, weltweit

Auch zwei Social-Trading-Anbieter, die bereits weltweit aktiv sind, messen den Erfolg ihrer Vorzeige-Anleger in Followern, respektive in Geld, das die Vielzahl dieser Anhänger auf sie setzt: eToro wurde bereits vor rund zehn Jahren in Israel gegründet und hat nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 4,5 Millionen registrierte Nutzer in 170 Ländern. Deutschland hat das Unternehmen als wichtigstes Expansionsziel in Europa ausgegeben. Millionen Dollar an Anhänger-Geldern hängen auch an den besten Tradern von Zulutrade, einer ebenfalls in Deutschland seit Jahren präsenten Plattform, die zumindest Telefon-Support in London, New York, Tokio und auch in Frankfurt anbietet.

Vollautomatisches Kopieren

Das Prinzip in der Branche ist ebenso simpel wie zeitgemäß: Wer eine gute Handelsstratege zu haben glaubt, veröffentlicht sie auf einer der Plattformen. Die Follower, die diese Strategie für erfolgversprechend halten, klinken sich bei ihr ein, kopieren vollautomatisch jeden einzelnen Trade -  und die Gewinne des vermeintlichen Börsen-Experten werden eins zu eins ins Follower-Konto gebucht oder eben im Fall von Wikifolio im entsprechenden Zertifikat abgebildet.

Die Trader, die in der Community ihre "Handelssignale" anbieten, tun dies, um sich einen Namen in der Gemeinde zu machen - vor allem aber um Geld zu verdienen. Die Plattformen entlohnen den Erfolg bei der Anhängerschaft, der zumeist mit guten Trading-Ergebnissen erworben wird. Das geschieht auf unterschiedliche Weise: Bei Wikifolio erhält der Trader eine Performance-Fee, bei ayondo wird er am erzeugten Handelsvolumen beteiligt. Bei eToro spielt die Zahl der Follower für die so genannten "Popular Investors" eine wesentliche Rolle.

Screenshot der Etoro-Website

Etoro. | Bildquelle: Unternehmen

Finanzieren über Performance und Volumen

Die Social-Trading-Anbieter finanzieren sich aus derselben Quelle: Performance-Fees oder ein Teil des Spreads (Differenz zwischen An- und Verkaufspreis) bei den Handelsinstrumenten wandern in die Kassen der Firmen.

Entsprechend sind noch immer viele Trader vor allem darauf aus, eine möglichst hohe Performance zu erzielen, um viele Follower und noch mehr Kapital anzulocken. Die Erfahrung, dass hohe Gewinnchancen aber auch immer mit einem erhöhten Risiko verbunden ist, mussten vor allem in den vergangenen Jahren viele Einsteiger ins Social Trading machen: Sie fuhren herbe Verluste ein.

Risiken werden stärker begrenzt

In den vergangenen Jahren hat die Branche allerdings aus den Erfahrungen der Anfangsphase gelernt. Sicherheitsnetze in Form von Stop-Loss-Funktionen für die Konten wurden eingeführt, die Mittel auf den Follower-Konten müssen zum Teil auf mehrere Trader verteilt werden, um das Risiko zu senken. Und auf Trader-Seite haben die Plattformen ebenfalls versucht, die Spreu vom Weizen zu trennen: Qualifizierungs-Phasen und "Karriere-Levels" sollten für eine Selektion bei den "Leadern" sorgen.

So hat sich Social Trading in den vergangenen Jahren aus der Nische der Zocker-Szene langsam heraus bewegt. Das zeigt auch das zunehmende Interesse von Investoren und neuen Partnern.

Lesen sie weiter in Teil 2: Expansion mit frischen Mitteln und neuen Partnern

Darstellung: