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Social Trading

Rendite aus der Community

Wachstum mit weniger Risiko

Stand: 23.12.2016, 15:41 Uhr

Der Markt für Social Trading in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren etabliert. Die Anbieter wollen erfolgreiche Trader und Anleger zusammenbringen, und das mit möglichst wenig Risiko und Verlusten für alle Beteiligten. Doch das gelingt nicht immer.

Die Geschichte wiederholt sich regelmäßig: Der Erfolgschart des Traders OMPTrading auf der Plattform Ayondo reckt sich schnurgerade aufwärts. 50, 60 Prozent Gewinn binnen weniger Monate, die zwischenzeitlichen Verluste halten sich in Grenzen. In der Welt des Social Tradings bedeutet das: "Follower" strömen herbei, kopieren die "Strategie" des Börsengurus und hoffen auf weitere Profite auch im eigenen Depot.

Gesucht: Der nächste Trading-Star

Doch die bleiben aus: Die Performance-Kennziffern von OMPTrading verschlechtern sich, der Trader scheint permanent gegen einen steigenden Aktienmarkt zu wetten – und verliert. Nun steigen auch die Verluste in den Depots der Anleger, die dem vermeintlichen Profi folgen. Fast 25 Prozent sind es schließlich im Monat Dezember. Die Kopierer springen in Scharen ab – und suchen vielfach den nächsten Stern am Trading-Himmel.

Beim Social Trading haben Anleger – ähnlich wie beim direkten Handel – am Aktien- oder Devisenmarkt die altbekannten Probleme: Zu schnell wird auf kurzfristige Erfolge aufgesprungen, zu wenig die Handelsstrategie des Top-Traders überprüft. Dabei geben transparent offengelegte Trades oft schnell einen Aufschluss darüber, wie nachhaltig der Erfolg einer Strategie ist, wie der Trader in bestimmten Marktsituationen reagiert, wie er sich in Zeiten eines "Drawdowns", also einer Verlustphase verhält.

Drei Anbieter dominieren den Markt

Einen längeren Track Record haben inzwischen viele Anbieter von Handelsstrategien der wichtigsten Social-Trading-Plattformen in Deutschland. Dazu gehören neben der Frankfurter Ayondo vor allem Wikifolio mit Sitz in Wien und eToro, Anbieter mit Sitz in Zypern, der aber weltweit Millionen von Nutzern erreicht und auch in Deutschland sehr aktiv ist (s. unsere Übersicht der Social Trading-Anbieter).

Der Markt für Social Trading wächst hierzulande bei den drei wichtigsten Vertretern stetig weiter. eToro verzeichnet rund 200.000 aktive Nutzer in Deutschland, bei Ayondo sind es insgesamt rund 220.000 Nutzer weltweit, allerdings haben die Frankfurter noch die mit Abstand stärkste Kundenbasis in Deutschland. Auch für Wikifolio ist Deutschland der wichtigste Markt. Anders als bei eToro und Ayondo, bei denen Trading-Strategien per CFD kopiert werden, emittieren die Österreicher eigens Indexzertifikate für jede der "investierbaren" Wikifolio-Strategien. Mehr als 5.000 solcher Zertifikate gibt es inzwischen.

Nischenplayer mit unterschiedlichen Ansätzen

Neben den drei großen Anbietern offerieren mit United Signals und Bux zwei kleinere Social-Trading-Plattformen mit ganz unterschiedlicher Ausrichtung ihre Dienste dem deutschen Privatanleger, der aussichtsreichen Strategien folgen will: Während bei United Signals eine überschaubare Anzahl handverlesener Trading-Profis ihre Handelsansätze öffentlich anbietet, richtet sich Bux aus Amsterdam vor allem an Trading-Neulinge, die per Smartphone den Börsenhandel kennenlernen und sich dabei gegenseitig unterstützen wollen.

Einige Jahre nach dem Start der Plattformen in Deutschland zeichnen sich mehrere Tendenzen in der Entwicklung des Social Tradings ab. Da ist zum einen das striktere Risiko-Management der Trader durch die Plattformen selbst. Bei Wikifolio werden beispielsweise Strategien, die Hebelprodukte nutzen, durch einen roten Button gekennzeichnet und nur sichtbar, wenn die entsprechende Suchoption angeklickt wurde. Bei eToro und Ayondo sorgen "Risk Scores" dafür, dass Trader, die zu hohe Risiken eingehen, kenntlich gemacht werden. eToro lässt "Social Investors" mit höheren Risiko-Einstellungen gar nicht mehr zum Kopieren zu und hat den maximalen Hebel bei den Handelsgeschäften generell beschränkt.

Höhere Einstiegshürden – auf beiden Seiten

Wer ins Social Trading einsteigen will, muss dafür aber inzwischen zum Teil auch höhere Beträge einsetzen. Die "Schnupper-Phase" scheint in der Branche vorbei zu sein. Bei eToro wird eine Mindest-Ersteinzahlung von 1.000 Dollar erwartet; bei Ayondo liegt die Hürde für ein Echtgeldkonto für Follower inzwischen bei 1.000 Euro. Um ein Wikifolio-Zertifikat zu kaufen, reichen weiterhin 100 Euro als Mindestkaufpreis.

Auch die Trader müssen in der Regel mehr eigenes Geld in die Hand nehmen, um ihre Strategien zu „verkaufen“. Bei eToro sind dies je nach Vergütungsstufe zwischen 1.000 und 20.000 US-Dollar, Ayondo-"Top-Trader" sind ab 1.000 Euro Einlage als Real-Money-Trader eingestuft. Wer als Wikifolio-Strategieanbieter einen Euro-Stempel auf seiner Strategie sehen möchte, muss mindestens 5.000 Euro in sein eigenes Zertifikat investieren.

Die Anbieter wollen Social Trading als Investment-Alternative weniger als Zocker-Arena etablieren, das ist spürbar. Und nicht zuletzt wollen Wikifolio, Ayondo & Co. auch nachhaltige Erträge aus dem Geschäft mit Tradern und Followern ziehen.

AB

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Die Social-Trading-Plattformen

Überblick

Collage aus Wikifolio-Logos

Wikifolio

Seit 2012 bietet das Wiener Unternehmen Social-Trading-Dienste an. Neben privaten Tradern finden sich inzwischen mehr als 100 Vermögensverwalter unter den Anbietern der Wikifolio-Strategien. Überwiegend enthalten die Wikifolios Aktien, aber auch ETFs und Zertifikate mehrerer Anbieter können genutzt werden. Anleger können das für sie passende Wikifolio-Zertifikat über acht Suchkriterien auswählen. Nur Strategien, die von der "Gemeinde" als interessant erachtet und eine Testphase hinter sich gebracht haben, können verbrieft werden. Kaufbar sind die Zertifikate dann über jede Bank und jeden Broker. Das Unternehmen teilt sich mit dem Trader eine Performance Fee, die der Zertifikate-Käufer entrichten muss.

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