Social Trading

Radrennen

Plattformen wachsen und konkurrieren Rennen um den Trading-Markt 2.0

Stand: 05.12.2014, 16:14 Uhr

Erst vor wenigen Jahren sind die Social-Trading-Anbieter auf den Plan getreten. Doch Ende 2014 interessieren sich immer mehr Anleger und auch Investoren für die Start-ups, die den Handel von Aktien, Devisen und Rohstoffen mit dem sozialen Netzwerkgedanken verbinden.

Ein kleiner Triumph ist aus der Pressemeldung von Wikifolio zum Ende des zweiten Geschäftsjahres schon herauszulesen. Das österreichische Unternehmen, das Ende 2012 in Deutschland startete, hat den Markt für Social Trading gründlich umgekrempelt. Die "Wikifolios", per Zertifikat handelbare Portfolios, die eine Strategie eines "Social Traders" abbilden, haben die Branche auf den Kopf gestellt – aber auch populärer gemacht.

Volumen verzehnfacht

Auch die Größenordnung der investierten Gelder hat sich mit dem Start Wikifolios drastisch verändert. Bis Ende des Jahres 2014 sind bereits 290 Millionen Euro in die Wikifolio-Zertifikate investiert worden, das sind zehn Mal so viel wie noch zur Jahresmitte 2013 (allerdings wurden zwischenzeitlich auch wieder einige Millionen abgezogen). Ein Handelsvolumen von 4,6 Milliarden Euro haben die Transaktionen in Aktien. ETFs und Zertifikaten ausgelöst, die innerhalb der Trading-Strategien von den "Wikifolio-Managern" stattgefunden haben. Am Handelsplatz der Wikifolio-Zertifikate, an der Börse Stuttgart, wurden allein im Oktober Umsätze von 400 Millionen Euro erzeugt.

Auch den "Marsch durch die Finanzinstitutionen" haben die findigen Österreicher um Gründer Andreas Kern längt angetreten. Eine Reihe der insgesamt 1.900 Wikifolio-Zertifikate ist über Direktbanken wie den S-Broker oder Comdirect sogar als Sparplan zu kaufen. Wikifolios werden in der Finanzzeitung "Handelsblatt" ausführlich vorgestellt – die Beteiligungsgesellschaft der Verlagsgruppe Handelsblatt ist bereits im vergangenen Jahr bei Wikifolio eingestiegen.

Ayondo: Investoren schießen Millionen zu

Finanzinvestoren haben das Phänomen Social Trading immer stärker im Visier und pumpen Millionenbeträge in den Ausbau der Plattformen und die "Incentivierung" der Top-Trader, denen die Privatanleger als Follower immer mehr Gelder anvertrauen. So wie bei Ayondo, bereits seit 2009 in Deutschland aktiv und eigentlich ein "early mover" der Bewegung. Die Frankfurter haben im laufenden Jahr gleich mehrere Millionenspritzen von dem Investor Luminor aus Singapur erhalten, um Geschäft und Plattform auszubauen und ein größeres Stück vom Umsatz- und Gewinnkuchen im wachsenden Markt zu erobern.

Mehrere Hundert Top-Trader bevölkern die Ayondo-Seite. Einige Tausend Follower, vor allem aus Deutschland kopieren die Trades, die hier auf der Basis von CFDs (contracts for difference) vollzogen werden. Die Derivate werden vom hauseigenen Broker Ayondo Markets gehandelt. Das Kopieren von Händlersignalen erfolgt in Sekundenbruchteilen und exakt proportional zur Kontogröße des Followers. Handelt der Top-Trader einen etwa mit einem 100.000 Euro-Konto einen Dax-Kontrakt, dann folgt der Anleger mit dem 1.000 Euro-Konto in Form eines Hundertstel Dax-CFD.

So wie Wikifolio inzwischen dem gesamten Zertifikatemarkt einen Schub gegeben hat, so macht Ayondo CFDs als Handelsinstrumente in Deutschland populärer. Die finanzielle Basis der Frankfurter erlaubt auch TV-Spots, aufwändige Messestände auf Anlegermessen und Bonus-Zahlungen für Neueinsteiger ins Social Trading.

eToro: Bonbons für Signalgeber

Das gilt auch für eToro. Der Social-Trading-Pionier mit Sitz in Israel, aber großer Anhängerschaft auch in Deutschland, ist bereits seit 2006 im Geschäft und arbeitet ebenfalls mit einem integrierten CFD-Broker. eToro hat ebenfalls einige finanzkräftige Investoren im Hintergrund. Und just Anfang Dezember hat das Unternehmen den Preiskampf um Top-Trader mit neuen "Belohnungen" angeheizt. Signalgeber, die bei Wikifolio über eine Performance Fee und bei ayondo über eine Beteiligung am Handelsvolumen vergütet werden, erhalten hier harte Dollar und "Credits" also eine Erhöhung des Trading-Kontos, wenn sie möglichst viele Follower anbinden. Seit kurzem gibt es aber noch ein Bonbon obendrauf: Erfolgreichen "Popular Investors" wird bei eToro ein Teil des Spreads (Differenz zwischen An- und Verkaufskurs) rückvergütet. Damit sollen die Signalgeber zu Konditionen handeln können, die es sonst nur im regulären Handel gibt. Besonders auf CFD-Plattformen wird sonst über eine Erweiterung des Spreads auch der Anbieter finanziert.

Knappe Ressource: Gute Trader

Zwar wächst der Markt für Social Trading in Deutschland insgesamt, aber die Manöver der Anbieter zeigen, dass der Kampf um eine wichtige Ressource aller Player gerade an Fahrt gewinnt: Der um die langfristig erfolgreichen Trader. Ein Aushängeschild von eToro, der 24-jährige Wirtschaftsstudent Christian Fahrner, der bereits 2012 ein großes Börsenspiel gewann, ist beispielsweise auch auf Ayondo aktiv (siehe unser Interview). Der ehemalige TV-Moderator und heutige Fondsmanager Stefan Riße präsentiert seine Handelsstrategien werbewirksam auf Ayondo, managt aber auch ein Wikifolio und verkauft Handelssignale bei der ebenfalls in Frankfurt beheimateten Plattform United Signals. Mit erfolgreichen Tradern, die sich über längere Zeit eine Gefolgschaft aufbauen, steht und fällt der geschäftliche Erfolg – auch im sozialen Netzwerk.

AB

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