Social Trading

Kollektiv

Nagelprobe für die "Netzwerk-Trader" Der Schwarm holpert durch die Baisse

von Andreas Braun

Stand: 20.08.2014, 15:54 Uhr

Turbulente Börsenzeiten sind immer auch die Stunde der Wahrheit. Wie bewährt sich eine Anlagestrategie oder ein Handelssystem, wenn die Aktienkurse einmal schnell und heftig sinken, so wie Anfang August bei Dax und Co? Auf den Social-Trading-Plattformen gerieten nicht nur die Kurse in Wallung.

Am Ende einer stressigen Handelswoche, an der der Dax mehr als fünf Prozent verlor, resümierte Holger Degener: "Letztlich sind Kursverluste nur eine Momentaufnahme... Natürlich werde ich strategisch überlegen, ob es nicht sinnvoller ist mit höherer Sicherheitsmarge zu investieren, oder konsequenter Gewinne mitzunehmen und ggf. auch mehr Liquidität zu halten." Der Manager des Wikifolios "Schneeleopard" hatte - ebenso wie der Index - Anfang August schmerzhafte Verluste zu beklagen; und das, nachdem sein Wikifolio-Zertifikat, das inzwischen fast sieben Millionen Euro Anlegergelder enthält, so makellos durch die schwere Börsensee navigiert hatte.

Kurssturz "überzogen"?

Die Kommentare der Händler auf Wikifolio geben einen guten Einblick in die Strategie, aber auch das Gefühlsleben der "Social Trader", die ihre Handelsstrategien auf Plattformen wie Wikifolio, Ayondo oder United Signals öffentlich machen und zum Teil auch zeitnah kommentieren. Auch Ralf Werner, der eines der ältesten und erfolgreichsten Wikofolios unter dem Titel "Antizyklische Chancen" managt, kommentierte zum Monatsbeginn: "Der Kurssturz der letzten beiden Tage ist absolut überzogen. Das sind Kaufkurse." Ob Werner Recht behält, muss sich erst noch zeigen. Sein Wikifolio hat binnen eines Monats rund neun Prozent eingebüßt, deutlich mehr als etwa der Dax.

Wer in den Tagen um den Monatsbeginn auf fallende Aktienkurse gesetzt hatte, konnte sich dagegen ins Fäustchen lachen. Während Degener und Werner am 1. August öffentlich Wunden leckten, schrieb der ehemalige TV-Kommentator Stefan Riße: "Heute den DAX-Put zu gemacht bei Gap-Closing von 9.230 Punkten. Das hat Spaß gemacht und führt zum neuen Allzeithoch." Riße, der inzwischen als Vermögensverwalter tätig ist, reitet die Social-Trading-Welle mit zunehmendem Engagement: Außer seinem Wikifolio "Asset Management by Sentiment" wird er künftig auch als Signalgeber bei der Frankfurter Plattform United Signals auftreten.

Lieber in Öl und Währungen investiert

United Signals, das sich seit rund zwei Jahren als Anbieter von Handelsstrategien von ehemaligen Profis aus der Banken- und Fondsbranche versteht, bietet nur knapp 20 Strategien an, die ganz unterschiedlich ausgerichtet sind. Die Verwerfungen an den Aktienmärkten haben hier bei den Tradern kaum negative Spuren hinterlassen. Auf der Plattform wird mit Hilfe von Derivaten nicht nur auf Aktienindizes, sondern auch auf Rohstoffe wie Gold oder Öl, vor allem aber auf Währungen im hochliquiden Forex-Markt gesetzt.

So hat Peter Beyer, der gleichzeitig auch Partner des Unternehmens ist, mit seiner Strategie "PBGlobal Opportunities" mithilfe eines Euro-Dollar-Shorts im Juli und auch August dicke Gewinne eingefahren, die seine Jahresperformance nach schleppendem Start ins Jahr deutlich verbessern. Auch bei United Signals gibt es allerdings Trader, die schwerpunktmäßig auf den Aktienmarkt setzen. Die Strategie "Long/Short Indextrading" hat durch den ein oder anderen missglückten Dax-Trade Anfang August ebenfalls Verluste erlitten. Sie fallen allerdings mit 0,34 Prozent aufs Gesamtdepot aber sehr klein aus.

"Ciao Kamikaze"

Deutlich turbulenter sind die Ausschläge bei vielen der Trader auf Ayondo. Beim ebenfalls in Frankfurt beheimateten Anbieter wird ausschließlich über gehebelte "Contracts for Difference" gehandelt. Mit ihnen können die Trader öffentlich Indizes, Rohstoffe, Währungen und auch Einzelaktien mit zum Teil hohen Risiken kaufen und verkaufen und auf steigende und fallende Kurse setzen.

Dass man mit hoher Hebelwirkung auch dann aufs falsche Pferd setzen kann, haben vor rund zwei Wochen Trader wie "Zalama" demonstriert. Der Signalanbieter hatte bis zum kleinen Dax-Crash mit CFDs auf den deutschen Leitindex gutes Geld für sich und seine Follower verdient. Doch Anfang August war alles anders: Zalama wurde auf dem "falschen Fuß" erwischt und stockte seine Position weiter auf, um verlorenes Terrain zurück zu erobern. Ein Minus von 66 Prozent allein im August zeigt, wie sich ein Dax-Verlust von rund fünf Prozent in einem Social-Trader-Depot niederschlagen kann. In den einschlägigen Foren, die die Aktivitäten der Ayondo-Trader beäugen waren die Kommentare entsprechend gnadenlos: "Ciao... Kamikazetrader!" heißt es etwa im Board der Online-Tradingschule Tradimo.

Auch bei Ayondo gibt es jedoch Beispiele dafür, dass Händler aus der "Community" dem Dax-Einbruch die kalte Schulter zeigen können. Einer der Aufsteiger in Ayondo, der unter "KingKing" firmiert, handelt seit Monaten unaufgeregt und nur dann, wenn er einen längerfristigen Trend erkennt. Zuletzt hat er erfolgreich auf den Verfall des Euro gegenüber dem US-Dollar gewettet, derzeit liegt nur noch eine Position im Depot, mit der er auf den Greenback gegenüber dem Kanada-Dollar setzt, ebenfalls schon deutlich im Plus.

Kollektiv-Fonds schwanken weniger - und mehr

Mehrere Investmentfonds sind in Deutschland bereits erhältlich, bei denen die Internet-Gemeinde selbst als Fondsmanager agiert. In allen Fällen werden hier Aktien-Portfolios nach der Abstimmung der Teilnehmer einer Internet-Umfrage bestückt. Auch sie haben die Kursrutschpartie zum Monatsbeginn ganz unterschiedlich überstanden. Der "Investtor"-Fonds der Müchener Vermögensverwaltung Top Vermögen AG (WKN A0RD5M) etwa, der erste "Mitmachfonds" in Deutschland, konnte das Monatsminus bei rund einem Prozent in Grenzen halten, deutlich besser als der Dax also. Der Fonds hält allerdings auch zu fast einem Viertel US-Aktien und hat eher "konservative" Titel wie den Ölmulti Royal Dutch Shell oder den französischen Pharmakonzern Sanofi hoch gewichtet. In den vergangenen Monaten hatte der Fonds deshalb den Dax auch "underperformt".

Auch der "sharewise Community Fonds" (WKN HAFX5N) lief im vergangenen Monat einen Hauch besser als der Dax. Der Fonds, der die 25 Titel mit der höchsten Empfehlungsquote der Sharewise "Top 100"-Mitglieder aufweist, ist allerdings gänzlich anders zusammengesetzt: So finden sich mit Apple, Amazon oder dem Solar-Unternehmen Jinko Aktien im Portfolio, die deutlich größeren Schwankungen unterliegen. Allerdings macht sich auch hier die internationale Aufstellung bezahlt. Rund 30 Prozent des Fonds-Volumens stammt von Aktien aus Nordamerika. Nach Branchen gibt es auch hier einen Schwerpunkt im Bereich Rohstoffe/Bergbau.

Dem Trader über die Schulter schauen

Die Ergebnisse der Social-Trading-Community in der kitzligen Börsenphase zeigen also Licht und Schatten, genauso wie der Anlage-Profis in den Fondsgesellschaften und Bankentürmen. Allerdings kann man den Signalgebern auf den Internet-Plattformen bei ihrem ewigen Kampf gegen die Börsenfallen über die Schulter schauen - ob als aktiver Anleger oder lediglich als Zaungast.

Darstellung: