Türkische Lira-Scheine

Positive Marktreaktion auf Erdogan-Sieg Türkische Lira legt nach Referendum zu

Stand: 17.04.2017, 14:10 Uhr

Die Börse in Istanbul hat den Sieg des türkischen Präsidenten Erdoğan beim Verfassungsreferendum positiv aufgenommen. Auch die türkische Lira gewann gegenüber dem Dollar. Dabei geht es der türkischen Wirtschaft zunehmend schlechter.

Die Lira zeigte sich am Montagmorgen gestärkt und legte gut 2,5 Prozent zum Dollar zu. Im weiteren Handelsverlauf bröckelten die Gewinne wieder ab. Zuletzt stand der Kurs bei 3,65 Lira je US-Dollar. Die türkische Lira hatte wegen der politischen Turbulenzen in den letzten Monaten um rund ein Drittel abgewertet und war von Rekordtief zu Rekordtief gefallen.

Auch die Börse in Istanbul stieg um gut ein Prozent. Die Aufgabe demokratischer Prinzipien und die geplante Verschiebung der Türkei hin zu einem autokratischen Regime unter Erdoğan ließen die Anleger offenbar kalt. Sie setzen darauf, dass das "Evet" (Ja)-Votum nach Monaten voller politischer Turbulenzen eine Rückkehr zur Stabilität bringt.

Anleger setzen auf Sicherheit und Stabilität

"Märkte bevorzugen Kontinuität", betonte Volkswirt Carsten Hesse von der Berenberg Bank. Zudem sei die Wahrscheinlichkeit von Neuwahlen nun geringer geworden, meinten die Analysten des Brokers BGC Partners. Experten hatten bereits im Vorfeld eine kurze Erleichterungsrally bei türkischen Aktien und der Lira im Fall der Annahme der Verfassungsreform prophezeit.

Ein "Hayir" ("Nein") beim Referendum hätte dagegen die Unsicherheit an den Märkten geschürt, meinte Gregor Holek, Fondsmanager von Raiffeisen Capital Management. Dann wären neue Parlamentswahlen wohl unausweichlich gewesen.

Die Türken stimmten am Sonntag laut Wahlbehörde mit knapper Mehrheit für eine Verfassungsänderung. Nach offiziellen Angaben waren 51,4 Prozent dafür, Erdoğan mit deutlich mehr Macht auszustatten und etwa das Amt des Ministerpräsidenten abzuschaffen. Die oppositionellen Sozialdemokraten der CHP sprachen indes von Unregelmäßigkeiten bei dem Votum und forderten eine Neuauszählung eines Großteils der Stimmen.

Wer will jetzt noch in die Türkei investieren?

Ein zunehmend autokratisches Erdoğan-Regime dürfte (ausländische) Investoren abschrecken. DZ-Bank-Analyst Sören Hettler sprach denn auch im Vorfeld des Referendums von einer Wahl zwischen zwei Übeln.

Nach dem gescheiterten Putsch vom Sommer 2016 hatte der Leitindex der Istanbuler Börse gegen den europäischen Trend bis Ende 2016 gut zehn Prozent verloren. Seit Jahresbeginn ging es mit einem Plus von gut 13 Prozent doppelt so stark bergauf wie bei Dax und EuroStoxx50.

Wachstumsdelle in der türkischen Wirtschaft

Die Säuberungsaktionen von Erdoğan und mehrere Attentate schreckten die Urlauber ab. Der Tourismus, einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren des Landes, brach zusammen. Das Wirtschaftswachstum der Türkei verlor zuletzt spürbar an Dynamik. 2016 verzeichnete das Land am Bosporus nur noch ein Plus von 2,9 Prozent. 2015 hatte das Schwellenland noch ein Wachstum von über sechs Prozent erzielt.

Wie schlimm es um die türkische Wirtschaft steht, zeigen neueste Daten, die am Montag veröffentlicht wurden. So erreichte die Arbeitslosenquote mit 13 Prozent im Drei-Monats-Zeitraum bis einschließlich Februar den höchsten Stand seit sieben Jahren. Zudem weitete sich das Haushaltsdefizit im März auf 19,5 Milliarden Lira aus.

nb

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