Straßenszene in Madrid mit einem Verkehrsschildpfeil der nach oben zeigt

Tourismusboom Spanien: Es geht bergauf

Stand: 19.06.2017, 14:05 Uhr

Spanien hat die Rezession überwunden. Die Wirtschaft wächst und die Arbeitsloskeit sinkt. Hilfsgelder der anderen Eurostaaten braucht das Land nicht mehr. Doch ein Grundübel der spanischen Wirtschaft bleibt unangetastet.

Die spanische Wirtschaft hat zum Jahresbeginn einen Zahn zugelegt. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Januar bis März mit 0,8 Prozent stärker als Ende 2016. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum stieg das BIP in den ersten drei Monaten des Jahres um 3,0 Prozent. Damit liegt das Land in der Euro-Zone ganz vorne. Hauptgrund für das Ende der Rezession ist der starke Reiseboom sowie die langsame Überwindung der Immobilienkrise. Auch für das Gesamtjahr sieht es erfreulich aus.

"Ich kann sagen, dass 2017 für die spanische Wirtschaft ein gutes Jahr sein wird," sagte Ministerpräsident Rajoy im Frühjahr. Die Regierung hob die Wachstumsprognose für das Gesamtjahr 2017 auf 2,7 Prozent von zuvor 2,5 Prozent an. Experten wollen sogar ein Plus von drei Prozent nicht ausschließen, sollte sich die derzeitige Entwicklung fortsetzen.

Hotels erwarten Rekordjahr

Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts in Spanien 2007 bis 2017

Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts in Spanien. | Bildquelle: Statista, Grafik: boerse.ARD.de

Das Land profitiert von einem unvergleichlichen Tourismusboom. Die Hoteliers erwarten ein Rekordjahr. Seit April gebe es einen regelrechten Ansturm auf die Zimmer, bis einschließlich November seien bereits jetzt zahlreiche Hotels ausgebucht, berichtete kürzlich die "Mallorca Zeitung". Eine Nebensaison im klassischen Sinne scheine es in diesem Jahr nicht zu geben. "Noch nie war die Auslastung so komplett, die Preise so hoch und die Saison so lang", hieß es.

Die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage spiegelt sich auch in der Arbeitslosenquote wieder. Nach 26,1 Prozent, dem bisher höchsten Stand, im Jahr 2013 ist die Rate zuletzt auf 18 zurückgegangen. Eine deutliche Verbesserung zwar, doch damit liegt das Land in der EU immer noch auf dem vorletzten Platz. Nur in Griechenland ist die Lage noch düsterer.

Schattenwirtschaft und Korruption

Allerdings sind Statistiken in Spanien mit Vorsicht zu genießen. Weil die Löhne so niedrig sind, haben viele einen zweiten, nicht offiziell registrierten Job und kassieren in manchen Fällen auch noch Arbeitslosengeld. Daneben leidet das Land auch unter einer Schattenwirtschaft, die nach einer Studie der spanischen Steuerberater inzwischen ein Viertel des BIP ausmacht und viele offizielle Statistiken ad absurdum führt. Hinzu kommt eine enorme Korruption bis hinauf in die oberste Politikerriege.

So wird selbst Ministerpräsident Mariano Rajoy verdächtigt, in die illegalen Aktivitäten des Unternehmers Francisco Correa verwickelt zu sein, der mutmaßlichen Schlüsselfigur der Affäre. Der 63-Jährige soll zwischen 1999 und 2005 zusammen mit drei Mitarbeitern Subventionsbetrug betrieben und hohe Summen an öffentlichen Geldern veruntreut haben.

Dank der Schwarzarbeit und der Korruption geht es also Spanien in Wirklichkeit besser als die Statistiken vorgaukeln. Ob dies auch für die Entwicklung der Staatsverschuldung gilt, ist ungewiss. Offiziell jedoch sind die Schulden in den letzten Jahren nach oben geschossen. Seit 2013 liegt die Schuldenquote bei etwa 100 Prozent der Wirtschaftsleistung - nachdem sie 2007 noch 38 Prozent betrug. Bemühungen, die Schulden abzubauen, sind keine zu erkennen.

Spanische Staatsverschuldung

Spanische Staatsverschuldung. | Bildquelle: Statista, Grafik: boerse.ARD.de

Designer Alvaro Rodríguez seufzte bereits vor zwei Jahren: ”Wir sind Weltklasse in der Medizin, beim Sport, unsere Banken zählen zu den besten in Europa und ganz zu Schweigen von Modeunternehmen wie Inditex, Mango oder Desigual. Aber irgendwie schaffen wir es nicht, uns so zu organisieren, dass unsere Justiz, Wirtschaft und die gesamte Gesellschaft für die Mehrheit der Menschen zufriedenstellend funktioniert.”

lg

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