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China

Geschäftsmann reibt sich die Augen. Im Hintergrund eine Chinesische Fahne

Die große chinesische Verunsicherung

Oh nein! China hat's schon wieder getan!

Stand: 12.08.2015, 09:44 Uhr

Von wegen einmaliger Schritt! Die chinesische Notenbank hat den Yuan erneut massiv abgewertet. Das sorgt an den internationalen Finanzmärkten für heftige Verwerfungen.

Die chinesische Notenbank setzte am Mittwochmorgen den Referenzkurs auf 6,3306 Yuan pro Dollar fest – ein Abschlag von 1,6 Prozent im Vergleich zum Vortag. Bereits am Dienstag hatte die Bank den Referenzkurs um 1,9 Prozent gesenkt und mit der bislang größten Anpassung binnen eines Handelstages den Yuan auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren geschickt.

Das Kalkül der Chinesen ist klar und durchaus nachvollziehbar: Sie wollen ihrer heimischen Exportindustrie unter die Arme greifen. Die Ausfuhren Chinas waren im Juli um 8,3 Prozent im Vergleich zum Juli des Vorjahres eingebrochen.

Nikkei und Dax brechen ein

Doch mit ihren drastischen Maßnahmen sorgt die People's Bank of China an den Finanzmärkten weltweit für großen Aufruhr. Selbst der chinesische Leitindex SSE Composite fällt um 1,0 Prozent. Die anderen asiatischen Börsen verzeichnen teils hohe Verluste. In Japan schließt der Nikkei 1,6 Prozent tiefer.

Auch an den europäischen Börsen stehen die Zeichen auf rot. Der Dax eröffnet mit einem Abschlag von 1,3 Prozent bei 11.152 Punkten. In den ersten Handelsstunde baut er das Minus bis auf 10.986 Zähler aus. Das ist ein Minus von 2,7 Prozent in der Spitze. Bereits am Dienstag hatte die erste krasse Yuan-Abwertung die 30 deutschen Standardwerte um 2,7 Prozent einbrechen lassen.

Nikkei 225: Kursverlauf am Börsenplatz Tokio SE für den Zeitraum Intraday
Kurs
16.699,18
Differenz absolut
233,78
Differenz relativ
+1,42%
Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.438,34
Differenz absolut
76,86
Differenz relativ
+0,74%

Was schert mich mein Gerede von gestern!

Die heftige Reaktion der internationalen Finanzmärkte wundert kaum, hat das erneute Eingreifen der chinesischen Notenbank doch vor allem für eines gesorgt: massive Verunsicherung. Und nichts hassen Anleger mehr als Unsicherheit.

Die Chinesen erscheinen in den Augen der Anleger mittlerweile völlig unberechenbar, hatten sie doch noch am Dienstag betont, dass es sich bei der Yuan-Abwertung um eine "einmalige Maßnahme" handele. Wer will ihnen da jetzt noch glauben, wenn sie heute beteuern, momentan gebe es "keine Basis dafür, die Abwertung des Wechselkurses fortzusetzen"?!

Angst vor einem weltweiten Währungskrieg

Schon werden erste Befürchtungen laut, die Chinesen könnten einen weltweiten Währungskrieg angezettelt haben, der der globalen Konjunktur schaden könnte. Vor allem andere Entwicklungs- und Schwellenländer könnten sich ermutigt fühlen, ihrerseits die Landeswährung abzuwerten, um die entstandenen Nachteile auszugleichen. So hat Vietnam heute bereits die Handelsspanne seiner Währung verdoppelt und so eine Schwächung des Dong ermöglicht.

Ein Arbeiter reinigt das Firmenschild eines Volkswagen Autohauses in der Nähe von Shanghai

VW macht in China den Großteil seiner Geschäfte. | Bildquelle: picture alliance / dpa, Montage: boerse.ARD.de

Denn: Was gut ist für die chinesische Exportindustrie, ist schlecht für die anderen Exportnationen. Hierzulande zählen vor allem die in China stark engagierten Autobauer – VW verkauft rund die Hälfte seiner Autos im Reich der Mitte – zu den großen Leidtragenden der Yuan-Abwertung.

ag

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