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Investieren in Nordeuropa
Ein Blick auf die nordischen Märkte
von Robert Minde
Für konservative Anleger, die der Eurokrise ausweichen wollen, haben die nordischen Märkte in diesem Jahr an Attraktivität gewonnen. Aber Vorsicht: Trotz guter Fundamentaldaten lauern Gefahren.
Skandinavien glänzt durch stabile Fundamentaldaten
Wem Eurokrise und Schuldenfalle zu gefährlich sind, der sollte einen Blick auf die nordischen Länder werfen, die mit guten Fundamentaldaten glänzen und beste Bonitäten aufweisen.
Von drohendem Staatsbankrott oder Zinsfalle jedenfalls keine Spur. "Wer dem Euro gegenüber misstrauisch ist, für den ist es sinnvoll, zumindest einen Teil seines Portfolios in Skandinavien zu investieren", sagt Thomas Köbel, Marktstratege bei der schwedischen Bank SEB.
Aber wie stets steht und fällt der Erfolg eines Engagements für einen Anleger aus dem Euro-Raum besonders mit der Entwicklung der Landeswährung. Da Finnland in Euro abrechnet und die dänische Krone sehr eng an den Euro gekoppelt ist, sind es die schwedische und norwegische Krone, auf die ein Euro-Investor in Skandinavien besonders achten muss.
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Langfristige Aufwertung der nordischen Währungen
Legt man die Langfristcharts der drei Währungen übereinander, fällt auf, dass Euro-Anleger in den vergangenen fünf Jahren nicht schlecht gefahren sind. Denn beide Währungen haben gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung aufgewertet. Ein Novum in dieser Form, denn zuvor war eher das Gegenteil üblich. Zum Höhepunkt der Finanzkrise Ende 2008/Anfang 2009 lag der Kurs der schwedischen Krone zum Euro bei 11,50 Euro und der norwegischen Krone bei rund 10,00 Euro.
Aktuell ist der Euro nur noch 8,67 schwedische und 7,35 norwegische Kronen wert. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate fiel der Euro gegenüber der Schwedenkrone von Kursen über 9,00 auf aktuell 8,60 Kronen. Auf dem Höhepunkt der Eurokrise war der Euro sogar nur 8,20 Kronen wert, ehe er sich wieder erholt hat.
Schwedens Krone gibt einen Teil der Gewinne zum Euro wieder ab
Gerade die schwedische Krone hat mit der Entspannung in der Euro-Krise aber auch schnell wieder an Attraktivität verloren. Das Austauschverhältnis zum Euro, das im August im Jahrestief bei 8,17 Euro lag, stieg wieder auf das aktuelle Niveau von 8,67 Kronen. Alles in allem hat der Euro aber auf Jahresssicht immer noch rund 4,4 Prozent verloren, gegenüber der Norwegenkrone liegt das Minus bei knapp 4,9 Prozent.
Insgesamt aber sind die nordischen Währungen nicht zu Höherem berufen. Nur rund vier Prozent des Welthandelsvolumens wird in nordischen Währungen abgerechnet. Damit können sie den Weltleitwährungen Dollar und Euro bei weitem nicht das Wasser reichen.
Rentenmarkt nicht attraktiv
Vorsicht ist also angesagt, denn gerade auf dem extrem niedrigen Zinsniveau können solche Wechselkursschwankungen bei festverzinslichen Papieren schnell einen ganzen Jahreskupon oder sogar noch mehr verdampfen. Generell gibt es bei festverzinslichen Papieren in Kronenwährung kaum mehr zu verdienen als im Euro-Raum bei vergleichbarer Spitzenbonität.
Bei den durchweg "AAA"-beurteilten Staatsanleihen Schwedens liegt die zehnjährige Rendite bei rund 1,5 Prozent, also etwa auf dem gleichen Niveau wie vergleichbare Bundesanleihen. Allerdings ist beim Zinsniveau in Schweden noch Luft nach unten. Gerechnet wird mit einer weiteren Absenkung des aktuellen Leitzinses der schwedischen Riksbank von 1,25 Prozent auf bis zu 0,75 Prozent. Erst Anfang September wurde der Repo-Satz schon von 1,5 auf 1,25 Prozent gesenkt.
Noch weniger Rendite gibt mit rund 1,1 Prozent für norwegische Papiere mit gleicher Laufzeit und Bonität. Gleiches gilt für dänische Staatsanleihen, nur die Finnen zahlen etwas mehr. Alles natürlich beste "AAA"-Bonität, versteht sich. Auch bei den Unternehmensanleihen, also Papieren, die in der Regel eine schlechtere Bonität aufweisen als die Staatsanleihen, ist kein nennenswerter Zinsaufschlag zu erzielen.
Aktienmarkt bei Euro-Anlegern beliebt
Die skandinavischen Unternehmen sind nach Ansicht von Mike Judith von Nordea Asset Management solide aufgestellt, auch aus historischen Gründen. "Skandinavien hat in den neunziger Jahren bereits eine Krise durchlebt, die Bilanzen sind schon aufgeräumt", fährt der Experte fort. Gleichzeitig warnt er jedoch auch: "Die Märkte sind volatiler als vergleichbare europäische Indizes."
Trotzdem profitieren die nordischen Märkte von ihrer politischen Stabilität. Auch die soliden Banken, die die neuen Basel-III-Vorschriften ohne Probleme jetzt schon erreichen, stützen, erklärt Erik Friman, Aktienexperte bei der schwedischen SEB-Bank.
Wer als Euro-Anleger an den nordischen Aktienmärkten investiert ist, der kann sich im Anlagezeitraum eines Jahres bisher über ein gutes Investment freuen. Vor allem in Dänemark lief es prächtig, der Copenhagen 20-Kurs-Index (ISIN DX0000001376) hat bisher gut 27 Prozent hinzugewonnen. Größtenteils ist dies allerdings auf die gute Entwicklung des mit über 40 Prozent gewichteten Pharmaunternehmens Novo Nordisk zurückzuführen. Weitere Schwergewichte im Index sind die weltgrößte Reederei Moller Maersk, Den Danske Bank und die Brauerei Carlsberg.
In Finnland hat der Absturz der Nokia-Aktie gedrückt. Zwar sind große Werte auf zehn Prozent Gewichtung begrenzt, zusammen mit der schwierigen Lage für die sehr zyklischen Werte aus dem Maschinenbau und der Holzverarbeitung hat dies für zu einem unterdurchschnittlichen Wachstum des Helsinki-Performance-25-Index (ISIN FI0008900212) von gut 7,5 Prozent geführt.
In Schweden hat der OMX-30-Kurs-Index in Landeswährung bisher rund elf und in Euro über 15 Prozent zugelegt. Höchstgewichteter Einzelwert ist der bekannte Textileinzelhändler Hennes & Mauritz mit über zwölf Prozent. Auch die Kommunikationswerte Ericsson und Telia Sonera sind hoch gewichtet.
"Der schwedische Markt ähnelt wie der finnische in seiner Struktur dem deutschen Markt", sagt Erik Friman, denn es gibt viele exportlastige Unternehmen. Zudem bietet er für dividendenorientierte Anleger Möglichkeiten.
Im Osloer OBX-Index (ISIN NO0000000021), einem Performance-Index, sind die nach Marktliquidität wichtigsten 25 Unternehmen Norwegens enthalten. Es wundert nicht, dass der Ölwert Statoil mit über 22 Prozent den Index dominiert. Aber auch der Telekommunikationswert Telenor und die DNB Nor Bank sind wichtige Größen. Der Index ist in einem Jahr in Landeswährung 16,8 Prozent gestiegen.
Lesen Sie im zweiten Teil, wie der fundamentale Datenkranz in den skandinavischen Ländern aussieht.
Stand: 04.12.2012, 15:49 Uhr