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Solider Datenkranz
Skandinaviens Wirtschaftsdaten von einem anderen Stern
von Robert Minde
Ob Eurokrise, Staatsbankrott oder Schuldenfalle, stets schwebte ein fundamentales Damoklesschwert über den Ländern und Märkten Europas. Wer es solider mag, der ist im hohen Norden gut aufgehoben. Denn von den skandinavischen Fundamentaldaten kann man in Euroland nur träumen.
Schwedens Hauptstadt Stockholm
Zwar haben auch die skandinavischen Volkswirtschaften in der zweiten Jahreshälfte einem eingetrübten fundamentalen Umfeld Tribut zollen müssen, trotzdem bietet der wirtschaftliche Datenkranz der Nordländer Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark weiterhin ein wohltuendes Gegengewicht zu den Horrorszenarien der vergangenen Monate, insbesondere aus der südlichen Eurozone.
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Krösus Norwegen
Für das laufende Jahr erwarten die Experten der SEB in ihrem neuesten Ausblick ein BIP-Wachstum für das rohstoffreiche Norwegen von 3,4 und für 2013 von 2,6 Prozent. Das Ganze bei einer niedrigen Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent. Bemerkenswert dabei: Norwegen dürfte eines der wenigen Länder weltweit sein, in dem für das kommende Jahr über Zinserhöhungen diskutiert wird. Aktuell steht der Leitzins bei 1,5 Prozent.
Kaum ein Land der Welt dürfte übrigens das Spitzen-Kreditrating "AAA" so verdient haben wie Norwegen. Denn die Menschen profitieren im Land der Fjorde von dessen reichhaltigen Öl- und Gasvorkommen. Damit wird ein beeindruckendes Volksvermögen aufgebaut, das in einen gigantischen Staatsfonds eingebracht wird. Durchschnittlich 80.000 Euro entfallen in diesem großen Topf auf jeden Norweger, Tendenz steigend.
Schweden schwächt sich ab
Schweden, das größte Land Skandinaviens, musste nach einem sehr guten ersten Halbjahr im dritten Quartal einen Dämpfer hinnehmen. Bedingt durch die enge Verflechtung der Wirtschaft mit der Eurozone, was auch für alle anderen nordischen Länder gilt, sanken die Exporte und die Arbeitslosigkeit stieg. Zum Jahresende erwarten die SEB-Analysten eine Arbeitslosenquote von 8,2 Prozent.
Deshalb wird die Notenbank nach Meinung der Experten gegensteuern und Konjunkturanreize schaffen. Leisten können es sich die Schweden, die Konjunkturdelle mit einer Erhöhung der Verschuldung zu bekämpfen, allemal. Die Staatsverschuldung, gemessen am BIP, wird 2013 und 2014 nur bei 33 Prozent erwartet. Zur Hilfe kommt dem Land dabei die Tatsache, dass der wachstumsstarke Nachbar Norwegen mittlerweile der größte Absatzmarkt ist.
Finnen und Dänen näher am Euroraum
Auch in Dänemark wird damit gerechnet, dass die Notenbank das Wachstum ankurbeln wird. Denn bei unseren direkten Nachbarn gab es im ersten Halbjahr kein nennenswertes Wachstum, bedingt unter anderem durch einen heiß gelaufenen Immobilienmarkt. Auch die Unternehmen warten mit ihren Investitionen ab. Allerdings ist die Leistungsbilanz des Landes deutlich positiv und unterstreicht die weltweit gute Marktstellung der dänischen Unternehmen.
Relativ zu den anderen nordischen Ländern steht Finnland schwächer da. Das einzige nordische Land, das den Euro eingeführt hat, leidet vor allem wegen seiner zyklisch ausgerichteten Wirtschaft. Vor allem die Branchen Maschinenbau, Holzverarbeitung und Elektronik sind betroffen.
Dabei sind vor allem die Exporte in die beiden wichtigsten Märkte Deutschland und Schweden zurückgegangen. Allerdings läuft die russische Wirtschaft gut und federt den Rückgang ab. Russland ist der drittgrößte Exportmarkt für die Finnen.
Erwartet wird für Finnland ein BIP-Wachstum in diesem Jahr von 0,2 Prozent und 2013 von 0,8 Prozent. Trotzdem, mit einer Staatsverschuldung von 49 Prozent des BIP (per Ende 2011) gehört das Land weiterhin zu den Musterknaben in Europa.
Stand: 04.12.2012, 16:04 Uhr