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Skandinavien

Polarlicht in Norwegen

Perlen für Anleger im hohen Norden

Mehr als Nokia und Carlsberg

Stand: 21.03.2016, 16:49 Uhr

Auch im vermeintlich grundsoliden Norden Europas haben die jüngsten Verwerfungen an den Aktien- und Rohstoffmärkten tiefe Spuren hinterlassen. An interessanten Anlagemöglichkeiten herrscht trotzdem kein Mangel - auch nicht in Finnland, dem "kranken Mann" Europas.

Tatsächlich ist Finnland, das einzige Euro-Mitgliedsland der fünf nordischen Staaten, derzeit dessen größtes Sorgenkind. Die Wirtschaft schrumpfte drei Jahre in Folge und hat sich erst im vergangenen Jahr wieder etwas erholt. Mit einer Wachstumsrate von bescheidenen 0,4 Prozent steht Finnland aber deutlich schlechter da als die meisten anderen Euro-Mitglieder - nur in Griechenland läuft es noch schlechter.

Vor allem die Rezession beim Nachbarn und Hauptexportpartner Russland macht Finnland zu schaffen. Hinzu kommen hausgemachte Probleme wie die hohe Staatsverschuldung sowie Spitzensätze bei Steuern und Abgaben. Doch in der Unternehmenslandschaft Finnlands gibt es auch überraschende Lichtblicke. Ganz vorne mit dabei ist der Sportartikalausrüster Amer Sports. 1950 gegründet und seit 1977 börsennotiert, ist das Unternehmen eine echte Erfolgsstory (mehr dazu in unserer Galerie). Auch der Verpackungshersteller Huhtamäki glänzt mit soliden Wachstums- und Ergebniszahlen. Entsprechend gut gelaufen sind die Aktien beider Unternehmen.

Nicht ganz so erfreulich sieht es bei dem früheren Handyhersteller Nokia aus. Das Unternehmen, einst einer der wichtigsten Arbeitgeber und Steuerzahler des Landes, hat den Smartphone-Trend verschlafen und versucht nun als Netzwerkausrüster Fuß zu fassen. Von ihrem Tiefststand 2012 bei nur noch 1,36 Euro hat sich die Nokia-Aktie zwar wieder erholt, doch die alte Stärke mit Kursen von über 60 Euro ist dahin. Und ob sich der milliardenschwere Kauf des Konkurrenten Alcatel-Lucent rechnen wird, bleibt abzuwarten. Nokia erwartet für dieses Jahr heftigen Gegenwind.

Schweden bleibt für Anleger ein Muss

Auch Schweden ist kein EU-Musterland mehr, aber mit knapp drei Prozent wuchs die Wirtschaft im vergangenen Jahr deutlich dynamischer als die Eurozone und so kräftig wie nirgends sonst in Skandinavien. Das liegt auch an der ungewöhnlich expansiven Geldpolitik der schwedischen Notenbank. Sie hat im Februar den Leitzins um weitere 0,15 Prozentpunkte auf jetzt minus 0,50 Prozent reduziert. Damit will sie vor allem eine Aufwertung der schwedischen Krone verhindern, die die Wettbewerbsfähigkeit der schwedischen Wirtschaft verschlechtern würde.

Das Land verfügt über eine Reihe großer, global ausgerichteter Unternehmen wie Volvo, Electrolux, Ericsson, Securitas, Ikea oder H&M. Auch der heute in London ansässige Pharmakonzern AstraZeneca sowie der Energie- und Automatisierungskonzern ABB oder der LKW-Bauer Scania haben wichtige Standorte in Schweden. Dass die Aktien der meisten Unternehmen zu Beginn des Jahres kräftig unter Druck geraten sind, dürfte langfristig orientierte Value-Investoren kaum beeindrucken.

Und mit einer schwedischen Aktie konnten Anleger im vergangenen Jahr sogar richtig reich werden. Es handelt sich um die Firma Fingerprint Cards aus Göteborg. Deren Aktie ist 2015 um sagenhafte 1.300 Prozent gestiegen. Das bis dahin nur wenigen Insidern bekannte Unternehmen entwickelt Lesegeräte und Sensoren zur Erfassung von biometrischen Daten. Und weil der Einsatz dieser Sensoren sich immer weiter verbreitet und es bis vor kurzem nur wenige Konkurrenten gab, hat das Unternehmen einen märchenhaften Aufstieg erlebt. Wie nachhaltig dieser Erfolg ist, bleibt allerdings abzuwarten. Dennoch zeigt dieses Beispiel, dass sich für Investoren auf der Suche nach geeigneten Anlagemöglichkeiten der Blick nach Schweden lohnt.

Norwegen muss kämpfen

Ganz anders ist die Lage in Norwegen. Europas größter Öl-Exporteur kämpft mit den Folgen des Ölpreisverfalls. Der norwegische Öl- und Gasriese Statoil musste massive Stellenstreichungen verkünden, die vor allem den Heimatmarkt Norwegen betreffen. Der Konzern verdiente 2015 vor Sonderposten mit 19,5 Milliarden norwegische Kronen (2,05 Milliarden Euro) nur noch halb soviel wie im Vorjahr. Eine Rezession konnte das Land aber vermeiden. Die Wirtschaft wuchs 2015 sogar um gut ein Prozent – auch weil Norwegens Zentralbank im laufenden Jahr mehrfach den Leitzins senkte. Und die Regierung steuert mit erhöhten Ausgaben, vor allem in die Infrastruktur, gegen die Auswirkungen des Ölpreisverfalls an.

Davon profitiert der Baukonzern Veidekke. "Unsere Auftragslage war nie so gut wie jetzt", freut sich der Konzern. Auch die Investoren sind guter Stimmung. Innerhalb eines Jahres legte die Aktie um 80 Prozent zu. Und das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft. AGB Sundal Collier empfiehlt die Aktie weiter zum Kauf. Die Geschäfte des weltweit größten Produzenten von Zuchtlachsen, Marine Harvest, laufen ebenfalls prächtig - trotz der Ausfuhrbeschränkungen nach Russland. Und weil die Lachsnachfrage hoch bleibt - sie soll sich bis 2020 sogar verdoppeln - bleibt das Unternehmen im Wachstumsmodus.

Glückliches Dänemark

Für Skandinavien-Fans empfielt sich natürlich auch ein Blick nach Dänemark. Zwar konnte sich der OMX Kopenhagen dem jüngsten Kurseinbruch nicht entziehen, doch im Jahresvergleich (21.3. 2015 bis 21.3.2016) schlägt er sich deutlich besser als der Dax. Während der deutsche Leitindex in dieser Zeit um fast 16 Prozent gefallen ist, notiert der dänische Index knapp 11 Prozent höher.

Auftrieb bekommt das Land von mehreren Seiten. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig und die Wirtschaft wächst – im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent. Dazu beigetragen hat auch die günstige Währung - die Dänische Krone ist nämlich an den Euro gebunden und hat sich mit diesem in den letzten Jahren gegegnüber dem Dollar deutlich ermäßigt.

An Favoriten herrscht an der Börse Kopenhagen kein Mangel. Einer der Favoriten ist der auch hierzulande präsente Schmuckanbieter Pandora. Die Aktie ist seit Jahren ein Renner. Allein im vergangenen Jahr legte sie um 70 Prozent zu. Damit ist das Ende der Fahnenstange offenbar noch nicht erreicht, wie der starke Kursverlauf seit Jahresbeginn zeigt. Die meisten Analysten erwarten auch für dieses und kommendes Jahr hohe Umsatz- und Ergebniszuwächse. Dazu beitragen wird auch die Zusammenarbeit mit World Disney.

Währungsrisiko beachten

Anleger sollten auch die Aktien des Windkraftanlagenherstellers Vestas im Auge behalten. Dessen Geschäfte laufen derzeit auf Hochtouren. Für das laufende Jahr peilt Vestas einen weiteren Spitzenwert beim Umsatz und beim operativen Ergebnis an. Im vergangenen Jahr bescherte eine gute Auftragslage den Dänen einen Gewinnsprung um fast drei Viertel auf 685 Millionen Euro. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren. Die Dividende steigt auf 6,82 dänische Kronen, nach 3,9 Kronen ein Jahr zuvor.

Auch der weltweit größte Insulinhersteller Novo Nordisk machte den Anlegern viel Freude. Der Kurs stieg 2015 von 35 auf 53 Euro. In diesem Jahr will Novo Nordisk sollen Umsatz und Ergebnis weiter zulegen. Schlecht lief es dagegen bei Møller–Mærsk. Der Verfall der Ölpreise und der harte Konkurrenzkampf in der Schifffahrt haben dem Reederei- und Ölkonzern 2015 einen heftigen Gewinneinbruch eingebrockt. Die Aktie brach fast um die Hälfte ein. Trotzdem können die Aktionäre für 2015 mit einer stabilen Dividende von 300 Dänischen Kronen rechnen.

Skandinavien bietet also für den Privatanleger zahlreiche Investitionsmöglichkeiten. Anleger sollte jedoch beachten, dass mit Ausnahme von Finnland keines dieser Länder Mitglied des Euro ist. Ein gewisses Währungsrisiko muss also einkalkuliert werden.

lg

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Schweden-Happen und andere Köstlichkeiten

Von Amer Sports bis Vestas

Nokia: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Nokia

Eines der bekanntesten Unternehmen aus dem Norden Europas ist der einstige Handyhersteller Nokia. Inzwischen versucht das Unternehmen als Netzwerkausrüster Fuß zu fassen. Die Aktie hat sich von ihren alten Tiefs deutlich erholt. Noch bleibt aber ungewiss, ob sich der jüngste Zukauf, die französische Firma Alcatatel-Lucent, für Nokias neue Ausrichtung auch lohnen wird. Die Aktie sollten Anleger daher genau beobachten.

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