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Bankenskyline in London

Wachsende Zielgruppe

London buhlt um islamkonforme Fintechs

von Notker Blechner

Stand: 10.04.2017, 17:00 Uhr

Wegen des Brexit drohen in den nächsten Jahren zahlreiche Banken aus London abzuwandern. Nun will sich die britische Hauptstadt als Finanzplatz neu erfinden und auch zum Zentrum für islamkonforme Fintechs werden.

Auf Startup-Firmen hat London eine magische Anziehungskraft. Die britische Metropole ist mit weitem Abstand die Hauptstadt der europäischen Fintech-Welt. Hier sitzen große Namen wie Funding Circle, TranferWise oder Curve, die die Bankenlandschaft aufrütteln.

Erste Fintechs ziehen den Stecker

Theresa May

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Doch mit dem Brexit ist auch für die Fintechs London unattraktiver geworden. Denn sie sind auf den europäischen Binnenmarkt angewiesen. Nun müssen sie zittern um den EU-Pass, der den Zugang zu allen EU-Ländern garantiert. Wegen der Unsicherheit, wie es weitergeht, verlagern einige Fintechs ihren Sitz auf den Kontinent. "Die ersten Fintechs, die den europäischen Markt im Visier haben, ziehen in London den Stecker", sagte vor ein paar Monaten der Chef der Internet-Bank Fidor, Matthias Kröner.

Markus Gürne

Der Brexit beginnt

Paris, Luxemburg, Dublin, Amsterdam, Frankfurt und Berlin buhlen um die britischen Fintechs. "Liebe Startups, bleibt gelassen und zieht nach Berlin", warb unlängst ein Truck auf einem bunten Plakat, der durch die Londoner City fuhr. Berlin und Frankfurt berichten bereits von mehreren Anfragen.

London soll zum Zentrum für islamkonforme Fintechs werden

Um sich als Finanzplatz zu behaupten, muss London seine Strategie ändern. Deshalb hat die britische Metropole nun eine Zielgruppe im Visier, die viel Potenzial verspricht: islamkonforme Fintechs. Die May-Regierung will Großbritannien zu einem Zentrum für Islamic Fintechs machen, glaubt Irfan Khan, Gründer von Yielders.

Das Startup-Unternehmen bietet Kleinanlegern Zugang zum Immobilienmarkt – mit Allahs Segen. Yielders hält sich an die Scharia-Regeln, die unter anderem Zinsgeschäfte ausschließen. Das Startup ist das erste islamkonforme Fintech, das nun von den britischen Finanzbehörden die volle Zulassung auf der Insel erhalten hat.

Großes Potenzial für Islamic Finance

Finanzgeschäfte, die im Einklang mit den Vorschriften des Islams stehen, sind weltweit auf dem Vormarsch. Islamic Finance oder Islamic Banking hat ein Geschäftsvolumen von geschätzt über zwei Billionen Dollar. Noch ist es aber auf die Golf-Region und südostasiatische Staaten wie Malaysia konzentriert.

In Deutschland steckt Islamic Banking noch in den Kinderschuhen. Nur fünf Prozent der türkischstämmigen Deutschen nutzen islamische Finanzprodukte. Zu den wenigen islamkonformen Finanzanbietern zählt die KT Bank, die 2015 von der BaFin ihre Lizenz erhielt und in Frankfurt gleich neben der Alten Börse eine Filiale betreibt.

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Wie stark der Brexit dem Finanzplatz London schaden wird, ist immer noch unklar. Einige Geldhäuser planen die Verlagerung von Stellen oder gar den Umzug ihrer Europazentrale. Davon dürften vor allem Dublin, Paris profitieren. Die Großbank HSBC will rund 1.000 Jobs nach Paris verlegen. Die US-Investmentbank Goldman Sachs und auch die britische Lloyds erwägen, ihr Geschäft stärker nach Frankfurt zu verlagern.

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