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Französische Wahlkampfkandidaten auf Shampoo-Flaschen

CAC 40 gut behauptet

Keine Angst vor Le Pen?

von Notker Blechner

Stand: 07.04.2017, 14:49 Uhr

Anleger blicken besorgt nach Frankreich. In gut vier Wochen entscheidet sich, wer der neue Präsident im Nachbarland wird. Macht die rechtsextreme Marine Le Pen das Rennen, droht Chaos an den Märkten. Doch die französische Börse wettet offenbar auf einen Sieg von Emmanuel Macron.

Viele Pariser Banker sind genervt. Bei fast allen internationalen Meetings komme systematisch die Frage, ob Marine Le Pen die künftige Präsidentin Frankreichs werden könnte, stöhnen sie. Meist antworten sie dann, dass ein Einzug von Le Pen in den Elysée-Palast sehr, sehr unwahrscheinlich sei.

Oddo zeigt sich gelassen

Die Pariser Privatbank Oddo, die in Deutschland zunehmend expandiert, sieht die Siegeschancen von Le Pen bei etwa elf Prozent. "Es ist eher unwahrscheinlich, dass sie gewinnt", meint auch ein französischer Aktienstratege der Citigroup.

Nur falls nicht der unabhängige und gemäßigte Macron, sondern ein linksradikaler Kandidat in die Stichwahl käme, wäre der Ausgang der Präsidentschaftswahlen offen, meint Bruno Cavalier, Chefvolkswirt von Oddo. Eng könnte es auch werden, falls viele Franzosen in der Stichwahl am 7. Mai nicht zur Wahlurne gehen würden und die Beteiligung bei nur um die 50 Prozent läge. Denn die Front National profitiert von einer niedrigen Wahlbeteiligung.

Stichwahl zwischen Macron und Le Pen immer wahrscheinlicher

Französische Wahlkampfkandidaten

Französische Wahlkampfkandidaten. | Bildquelle: picture alliance / Charline Hurel/MAXPPP/dpa

Umfragen zufolge zeichnet sich in der ersten Runde der Wahlen in zwei Wochen am 23. April ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Macron und Le Pen liegen laut einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Elabe mit 23,5 Prozent nahezu gleichauf. In der Stichwahl zwei Wochen später würde sich Macron danach klar mit 62 zu 38 Prozent durchsetzen.

Doch seit dem Brexit und der Wahl Trumps zum US-Präsidenten trauen viele Investoren den Polit-Umfragen kaum noch. "Noch nie gab es so viel Unsicherheit vor einer Präsidentschaftswahl", gibt auch Oddo-Volkswirt Cavalier zu.

CAC 40: Keine Spur von Panik

Noch haben die französischen Investoren das "Le-Pen-Risiko" kaum eingepreist. Der nationale Leitindex, der CAC 40, hat seit Jahresbeginn gut fünf Prozent zugelegt. Damit entwickelte er sich ähnlich gut wie der EuroStoxx 50 und der Kurs-Dax. Die positive Kursentwicklung hat mit den jüngsten positiven Wirtschaftsdaten zu tun. "Das Geschäfts- und das Konsumklima steigen, und die Beschäftigung nimmt zu", lobt die Helaba. Der Stimmungsindex der Einkaufsmanager kletterte zuletzt auf den höchsten Stand seit fast sechs Jahren.

CAC 40: Kursverlauf am Börsenplatz BNP Paribas für den Zeitraum Intraday
Kurs
5.267,90
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-0,02%
EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.543,68
Differenz relativ
-0,34%

Finanzexperten wie Jens Ehrhardt halten die Angst vor Le Pen für übertrieben und raten, französische Aktien vor dem ersten Wahlgang zu kaufen. Sollte sich Macron in der Stichwahl durchsetzen, könnten französische und europäische Aktien durchstarten, meint der Münchener Vermögensverwalter. Zumal angelsächsische Investoren europäische Titel für unterbewertet halten. Ein überraschendes Ausscheiden Le Pens schon im ersten Wahlgang würde zu einer Erleichterungsrally führen.

Was, wenn Le Pen es doch schafft?

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1194
Differenz relativ
+0,38%

Sollte Le Pen aber die Sensation schaffen und erste Präsidentin Frankreichs werden, würden heftige Turbulenzen an den Aktien- und Rentenmärkten drohen. Eine Kapitalflucht aus Frankreich wäre wohl die Folge. Dann stünde die Eurozone vor dem Kollaps. Denn die rechtsextreme Le Pen will im Falle eines Wahlsiegs den Austritt aus der EU und dem Euro durchsetzen. Dies müssten aber erst die Franzosen in einem Referendum beschließen. Zudem bräuchte Le Pen eine Mehrheit im Parlament. Was noch unwahrscheinlicher ist als ein Sieg bei den Präsidentschaftswahlen.

Immerhin: Auszuschließen ist das Le-Pen-Szenario nicht. Schließlich sind viele Franzosen wütend auf die jetzige Regierung von Francois Hollande und haben die Nase voll vom abgehobenen Establishment. Die UBS taxiert die Wahrscheinlichkeit eines Le-Pen-Triumphs schon auf 40 Prozent.

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