Seitenueberschrift

Waage mit Schweizer Wappen zeigt 63% an

Obergrenzen im SMI

Kein Platz mehr für Übergewichtige an der Schweizer Börse

von Notker Blechner

Stand: 19.05.2017, 14:01 Uhr

Während der Dax von einem Rekordhoch zum nächsten eilt, ist der Schweizer Leitindex SMI noch ein Stück von seiner Bestmarke entfernt. Schuld daran sind vor allem die Schweizer Schwergewichte. Nun wird der SMI etwas umgekrempelt. Gibt das neuen Schub?

Bisher dominierten drei Aktien den Swiss Market Index (SMI): Nestlé, Novartis und Roche. Zusammen machten sie über 59 Prozent des Gewichts des Schweizer Leitindex aus. Vor kurzem brachte das Trio sogar 63 Prozent auf die Waage - so viel wie nie. Ein solches Klumpenrisiko gibt es in keinem anderen Land. Im Ausland wurde denn auch der SMI zunehmend als verkappter Pharma- und Nahrungsmittel-Index wahrgenommen.

Nestlé, Novartis und Roche dominieren den SMI

Das Schweizer Börsenbarometer war deshalb als Referenzindex immer weniger gefragt. Einige Banken nutzten den SMI nicht mehr als Grundlage für ihre Investmentprodukte. Die so genannte Ucits-Richtlinie untersagt nämlich, dass ein Index als Referenz für die Zusammensetzung eines Publikumsfonds genommen werden darf, wenn zwei Titel 20 Prozent oder mehr des Index abbilden. Laut "Börsenzeitung" hat der SMI diese kritischen Marken in den vergangenen drei Jahren mehrfach gerissen. Nestlé kam zuletzt auf 22,9 Prozent des gesamten SMI-Gewichts, Novartis auf 18,7 Prozent.

Das Trio könnte kurzfristig noch größeren Einfluss bekommen. Mit Actelion und Syngenta scheiden nun zwei Aktien aus dem Schweizer Leitindex aus, die von zwei Aktien mit deutlich geringerer Marktkapitalisierung ersetzt werden: dem Pharmazulieferer Lonza und dem Bauchemiekonzern Sika.

Die Schweizer Obergrenze kommt

Nun greift der Schweizer Börsenbetreiber Six durch und führt eine Obergrenze für den SMI ein. Künftig darf das maximale Gewicht eines Titels nur noch 18 Prozent betragen. Dabei gibt es eine Übergangsbestimmung: Die Übergewichtigen wie Nestlé müssen so lange pro Quartal um drei Prozent abnehmen, bis sie das Maximalmaß nicht mehr übersteigen. Das neue Regelwerk tritt am 18. September in Kraft. Zudem soll der SMI einen neuen Namen erhalten. Wie er künftig heißen wird, hat die Börsenbetreiberin Six noch nicht entschieden.

Ob die Obergrenze ausreicht, um den SMI attraktiver zu machen, wird sich zeigen. Manche Marktteilnehmer hatten sich für eine noch stärkere Deckelung ausgesprochen. Eine maximale Begrenzung auf zehn Prozent sei sinnvoller gewesen, meinen manche Broker.

SMI hinkt Dax ein bisschen hinterher

Die drei Schwergewichte, besonders die Pharma-Aktien haben in den letzten Monaten den Höhenflug des SMI etwas gebremst. Der Schweizer Leitindex stieg zwar im Sog des freundlichen weltweiten Börsenumfelds auf Ein-Jahres-Sicht um rund 14 Prozent, blieb damit aber hinter der Performance von Dax, Dow & Co zurück. Der Dax stieg im selben Zeitraum um fast 30 Prozent, der Dow um knapp 19 Prozent. Experten erklären dies mit der Underperformance von Schweizer Pharma- und Finanztiteln.

SMI versus Dax: Chartvergleich von Mai 2016 bis 08. Mai 2017

SMI versus Dax. | Bildquelle: boerse.ARD.de

Seit Jahresbeginn entwickelt sich aber der SMI im Gleichschritt mit den europäischen Börsen. Nimmt man die ausgezahlten Dividenden hinzu, würde der Schweizer Leitindex noch viel höher notieren. Im Gegensatz zum Dax ist der SMI ein Kursindex.

SMIM auf Rekordhoch

Der SMIM hat bereits mit 2.389 Punkten ein Allzeithoch erklommen. Hier befinden sich die 30 größten Mid-Cap-Titel des Schweizer Aktienmarkts, die nicht schon im Blue-Chip-Index SMI vertreten sind. Zu den Top-Performern zählen AMS, Logitech und Temenos.

Ähnlich stark performten die Aktien in der zweiten Schweizer Börsenreihe, dem SPI. Er hat auf Ein-Jahres-Sicht gut 20 Prozent zugelegt und notiert ebenfalls auf seinem höchsten Stand. Es gibt also tatsächlich Schweizer Börsengipfel- man muss sie nur finden!

1/6

Die Schweizer Schwergewichte

Pharma, Nahrung und Banken

Nestlé: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Nestlé

Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern ist das Super-Schwergewicht der Schweiz. Kein Wunder bei so viel Zucker und Fett, das in den Nestlé-Produkten steckt. Zurzeit haben die Nestlé-Aktien ein stolzes Gewicht von 23 Prozent im SMI. Von der geplanten Obergrenze von 18 Prozent ist Nestlé also vorrangig betroffen. Dem Aktienkurs hat die geplante Neuregelung des SMI bisher nicht geschadet. Die Aktien des Schweizer Konzerns aus Vevey am Genfer See haben seit ihrem Zwischentief Anfang Dezember 2016 rund 36 Prozent zugelegt. Dem neuen Nestlé-Chef Mark Schneider trauen die Anleger offenbar zu, den Konzern stärker auf Rendite zu trimmen. Dabei hat Nestlé den schwächsten Jahresstart seit über einem Jahrzehnt hingelegt. Im ersten Quartal lag das organische Wachstum des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns nur bei 2,3 Prozent- wegen des späteren Osterfests.

Darstellung: