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Nikkei auf 8-Monats-Hoch, Yen auf 20-Monats-Tief

Japan: Die Börse feiert ihren Liebling Abe

von Angela Göpfert

Die Börse wollte Shinzo Abe – und sie hat ihn bekommen. Der Liebling der Anleger hat bei den japanischen Unterhauswahlen einen klaren Sieg davon getragen. Das schwächt den Yen – und beflügelt die Aktienkurse.

Quelle: pa/dpa

Börse heißt Abe willkommen

Der Nikkei erklimmt am Morgen ein neues Acht-Monats-Hoch bei 9.903 Punkten. Bei Handelsschluss in Tokio stand der 225 Werte umfassende japanische Leitindex 0,9 Prozent höher bei 9.828 Zählern. Vor allem Energie-Aktien verzeichneten hohe Kursgewinne, kehrt doch mit Abe ein Befürworter der Kernenergie an den Schalthebel der Macht zurück. Aktien der Betreibergesellschaft des havarierten Atomkraftwerks in Fukushima, Tepco, schossen um 33 Prozent in die Höhe.

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Im Fokus standen daneben vor allem Exportwerte wie Toyota, Nissan, Sony, die vom schwachen Yen profitierten. Seit Wochen hatte der Yen bei der Marke von 82 Dollar/Yen gestanden. Nach den ersten Hochrechnungen war das Währungspaar auf über 84 gesprungen. Es war der tiefste Stand für die japanische Währung seit April 2011.

Tepco: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Toyota: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Abe ist jedes Mittel recht
Die heftigen Börsenreaktionen verwundern nicht, betrachtet man die radikalen Pläne, die Shinzo Abe für Japan hegt. Der designierte Regierungschef plant nicht weniger als eine kleine Revolution für die krisengebeutelte Nation. Abe will das Wirtschaftswachstum in dem seit 20 Jahren schwächelnden Land auf drei Prozent anheben.

Um dieses große Ziel zu erreichen, ist Abe jedes, aber auch wirklich jedes Mittel recht. So plant Abe bereits für das noch bis März 2013 laufende Fiskaljahr einen "umfangreichen" Nachtragshaushalt.

Überdies will seine Partei, die LDP, ein gewaltiges Konjunkturprogramm auflegen: 200 Billionen Yen (1,9 Billionen Euro) sollen in den nächsten zehn Jahren in die Infrastruktur fließen.

Bank of Japan unter Druck

Japanische Holzmaske

Japanische Holzmaske

Doch damit nicht genug, Abes Eifer macht auch vor der altehrwürdigen Bank of Japan nicht Halt. Abe fordert von der japanischen Notenbank eine deutlich "aggressivere" Geldpolitik und ein Inflationsziel von zwei Prozent.

Die BoJ solle die Leitzinsen ins Negative senken und ihre geldpolitischen Maßnahmen "unbegrenzt" ausweiten. Selbst über eine "Verstaatlichung" der Notenbank spekuliert der neue Regierungschef ganz offen: Abe erwägt eine Änderung des Notenbankgeschäfts, um die Bank von Japan unter das Diktat der Regierung zu stellen.

Nikkei 225: Kursverlauf am Börsenplatz Tokio SE für den Zeitraum 6 Monate
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US-Dollar in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Nach seiner Wahl fackelte Abe denn auch nicht lange: Bereits am Montagmorgen gab er zu Protokoll, die BoJ solle doch bitte bei ihrer Zinsentscheidung am Donnerstag berücksichtigen, dass die Wähler seine Ansicht von Geldpolitik bestätigt hätten.

Man stelle sich einmal vor, Angela Merkel würde die EZB dermaßen unter Druck setzen! Der kommende Entscheid der noch (!) unabhängigen BoJ dürfte daher an den Devisen- und Aktienmärkten genau analysiert werden. Knickt die BoJ ein – oder setzt sie sich zur Wehr und beschließt demonstrativ keine weiteren Liquiditätsmaßnahmen?

Goldman Sachs: "Wir wollen Abe"

Mann mit Aktenkoffer springt in die Höhe

Jubel

Fakt ist: Die Investoren an den Devisenmärkten setzen klar auf eine weitere Schwächung der japanischen Währung. "Noch nie war eine Absicherung gegen höhere Notierungen in USD-JPY im Verhältnis zu einer Absicherung gegen fallende Kurse so teuer wie zurzeit", hebt Commerzbank-Volkswirt Marco Wagner in einer aktuellen Analyse hervor.

Sollte sich die Yen-Schwäche tatsächlich fortsetzen, so käme dies der japanischen Wirtschaft sehr gelegen. Die starke japanische Währung ist eines der großen Probleme der japanischen Exportwirtschaft. Ein schwächerer Yen würde für die exportorientierte japanische Industrie einen großen Vorteil bedeuten – die Unternehmen können ihre Waren im Ausland konkurrenzfähiger anbieten.

Das dürfte die Aktienkurse der japanischen Exportunternehmen massiv beflügeln. Kein Wunder also, dass Abe als Liebling der Investoren gilt. "Wir wollen Abe", hatte Jim, O'Neill, Chef von Goldman Sachs Asset Management, sogar jüngst einen Kommentar überschrieben.

Noch mehr Schulden: Kann das gutgehen?

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Doch die Freude der Börse könnte sich bei genauerem Hinsehen beziehungsweise in der längeren Frist als verfehlt erweisen. Schließlich dürfte der öffentliche Schuldenstand nun rasch steigen. Dabei ist Japan mit einem Verschuldungsgrad von 210 Prozent des Bruttoinlandsproduktes schon heute das mit Abstand am höchsten verschuldete Land weltweit.

Commerzbank-Devisenexperte Lutz Karpowitz betrachtet dieses Vorhaben daher auch als groß angelegten "Feldversuch". Letztlich setze Abe nämlich auf genau die gegenteiligen Rezepte, die die europäischen Politiker im Kampf gegen die Schuldenkrise anwenden.

"Statt sparen will er mehr ausgeben, die Notenbank soll nicht mehr als eine Regierungsinstitution werden", so Karpowitz. Kritiker der Sparprogramme in Europa könnten nun in den nächsten Jahren in Japan beobachten, was passiert, wenn ihre vorgeschlagenen Konzepte in die Tat umgesetzt werden.