Zutaten der Italienischen Küche

Erste Lichtblicke Italien: Die Krise sitzt tief

Stand: 19.06.2017, 15:37 Uhr

Gute Nachrichten aus Italien bleiben Mangelware: Das Wirtschaftswachstum hinkt den anderen Eurostaaten hinterher, die Verschuldung bleibt immens und über allem schwebt die notorische Kurzlebigkeit der Politik. Doch es gibt auch Lichtblicke.

So ist die Konjunktur zum Jahresauftakt deutlich stärker in Schwung gekommen als bisher gedacht. In der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal um 0,4 Prozent - mehr als erwartet. In einer ersten Erhebung hatte die nationale Statistikbehörde nur ein Wachstum von 0,2 Prozent im Quartalsvergleich gemeldet.

Für das Gesamtjahr erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) nun einen BIP-Anstieg von 1,3 Prozent. Damit bliebe Italien zwar das Schlusslicht Europas, doch die Aussichten bessern sich. Im April war der IWF noch von lediglich 0,8 Prozent Wachstum ausgegangen. Eine nachhaltige Trendwende ist die Besserung aber nicht. Im Gegenteil. In den Jahren 2018 bis 2020 soll sich das Wachstum wieder auf rund ein Prozent abschwächen.

Wirtschaftswachstum 2017

Wirtschaftswachstum 2017. | Bildquelle: OECD, Grafik: boerse.ARD.de

BIP immer noch niedriger als vor zehn Jahren

Und noch etwas gilt es trotz aller Freude über die aufgehellte Stimmung zu bedenken. Das Bruttoinlandsprodukt - das umfasst alles, was im Land durch Produktion, Handel und Dienstleistungen erwirtschaftet wird - liegt heute niedriger als vor zehn Jahren.

Dabei gilt Italien als einer der größten Profiteure der expansiven Geldpolitik der EZB. Sie hat dem Land seit Beginn des laufenden Programms insgesamt Staatsanleihen im Volumen von rund 265 Milliarden Euro abgekauft. 60 Milliarden Euro an Zinsen habe Rom dadurch gespart - pro Jahr, schätzen Experten.

Italienische Staatsverschuldung

Italienische Staatsverschuldung. | Bildquelle: Statista, Grafik: boerse.ARD.de

Schuldenberg dürfte langsam schrumpfen

Trotzdem ist der Schuldenberg Italiens bisher nicht kleiner geworden. Er beträgt noch immer 2,2 Billionen Euro und liegt damit bei 135 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das ist der zweitschlechteste Wert in der Euro-Zone, nach Griechenland. Die Schulden Italiens sind größer als jene Deutschlands (2,17 Billionen), obwohl die jährliche Wirtschaftsleistung Italiens im Jahr 2015 mit 1,636 Billionen Euro nur 54 Prozent der Wirtschaftsleistung Deutschlands ausgemacht hat.

Doch auch hier gibt es Hoffnung: Die Ratingagentur Standard & Poors erwartet, dass der Schuldenstand im laufenden Jahr auf 131 Prozent des BIP zurückgehen und in den Jahren 2018 bis 2020 weiter sinken dürfte. Zudem erwartet S&P einen Rückgang der Arbeitslosenquote. Allerdings bewertet die Agentur die Kreditwürdigkeit Italiens weiterhin mit "BBB -". Damit liegt die Note weiterhin eine Stufe über dem sogenannten Ramschniveau. Eine Änderung der Note ist vorerst nicht zu erwarten.

Banken stecken noch im Schlamassel

Zu schaffen macht Italien weiterhin die Bankenkrise. Bei zwei Instituten tut sich nach Berechnungen der EZB eine Kapitallücke von insgesamt 6,4 Milliarden Euro auf. Der Banca Popolare di Vicenza fehlen demnach 3,3 Milliarden Euro und der Veneto Banca 3,1 Milliarden Euro, wie die zwei Finanzhäuser unter Verweis auf den jüngsten Stresstest mitteilten.

Den italienischen Banken machen faule Kredite schwer zu schaffen. Italien hatte deshalb Ende vergangenen Jahres ein Rettungspaket über 20 Milliarden Euro geschnürt, um Problemhäuser stützen zu können. Prominentester Problemfall unter Italiens Banken ist das 1472 gegründete Traditionshaus Monte dei Paschi di Siena. Im zersplitterten italienischen Bankensystem gilt einzig die ebenfalls aus einer Fusion entstandene Großbank Intesa Sanpaolo als solide.

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Italiens Banken im Fokus Ein Wechselbad der Gefühle

Italienische Polizei vor einer Filiale der Monte dei Paschi-Bank

Monte dei Paschi

Die Bank droht unter einer Flut fauler Kredite zu ersticken, in der Bilanz gilt jeder dritte Kredit in irgendeiner Form als problembehaftet. Insgesamt 47 Milliarden Euro gelten als notleidend, das sind rund 13 Prozent des italienischen Gesamtbestandes. Die Kapitalerhöhung zur Rettung scheiterte, weshalb der Staat mit seinem Banken-Rettungsfonds Atlante einspringen soll. Gleichzeitig laufen intensive Gespräche mit EU-Aufsehern über die Modalitäten. Es geht um eine Eigenkapitallücke von 8,8 Milliarden Euro. Offensichtlich stehen die Verhandlungen zur Rettung der Bank kurz vor dem Ende. Erwartet wird, dass die italienische Regierung rund 6,6 Milliarden Euro in die Bank pumpt und dafür rund 70 Prozent der Anteile erhält.

Für Verunsicherung sorgt auch die bevorstehende Parlamentswahl, nachdem der frühere Premierminister Matteo Renzi ein Referendum über den Umbau des Staatsapparates verloren hatte. Wann genau die Wahlen stattfinden steht noch nicht fest. Gemäß der Verfassung muss sie jedoch spätestens bis zum 23. Mai 2018 erfolgen.

lg

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