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Blick auf  die Millionenstadt Teheran mit schneeebedeckten Bergen im Hintergrund.

Deutsche Unternehmen als Profiteure

Iran als Wachstums-Booster?

Stand: 18.01.2016, 10:35 Uhr

Das Ende der Sanktionen gegen das Land schürt Wachstums-Fantasien nicht nur im Iran selbst. Für deutsche und europäische Groß-Konzerne kehrt ein neuer Absatzmarkt zurück, um den schon bald gewetteifert werden dürfte.

Nach dem Wegfall der Wirtschaftssanktionen durch die USA und die EU scheint es vor allem Gewinner zu geben. Das Land, in dem 80 Millionen Menschen leben, dürfte vor einem denkwürdigen Aufschwung stehen. Blockierte Milliarden auf Auslands-Konten stehen wieder zur Verfügung, auf dem Ölmarkt können wieder harte Dollars verdient werden - allerdings dürfte dadurch der Ölpreis auf dem Weltmarkt weiter sinken.

Airbus: Auftragsbücher füllen sich schon mal

Viele Branchen und Unternehmen in Europa werden massiv von den neu belebten Wirtschafts-Beziehungen profitieren. Gleich am Tag nach der Bekanntgabe des Sanktions-Endes trudelte zum Beispiel eine Großbestellung beim europäischen Flugzeugbauer Airbus ein, vielleicht auch ein politisch gewollter Fingerzeig in Richtung Europa: Nach Angaben von Transportminister Abbas Achundi hat das Land 114 Flugzeuge bestellt. Die Maschinen würden nach der Umsetzung des Atomabkommens und der Aufhebung der Sanktionen allmählich geliefert und eingesetzt, sagte Achundi iranischen Medien. Die Aktie des europäischen Flugzeugbauers kletterte am Montagmorgen prompt.

Autobranche hofft auf neuen Markt

Einen ähnlichen Kurs-"Booster" könnten bald auch positive Meldungen anderer Dax- oder Euro-Stoxx-Unternehmen auslösen. Vor allem die Autobranche dürfte in den kommenden Wochen mit Erfolgsmeldungen auch die eigenen Aktienkurse in Schwung bringen können. Die Branche könnte nach den Schwächeanzeichen vom chinesischen Automarkt einen weiteren Absatzmarkt gut gebrauchen. Die französischen Hersteller Renault und PSA hatten bereits angekündigt, im Iran stark aktiv zu werden.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Von den deutschen Herstellern scheint Daimler die konkretesten Pläne für einen Wiedereinstieg ins Iran-Geschäft zu haben. Zunächst plant man ein Vertriebsbüro für das Nutzfahrzeug-Geschäft, das von Dubai aus gesteuert wird.

Laut dem Nachrichtenmagazin "Focus" führen auch die VW-Töchter Audi und Skoda bereits Gespräche über Vertriebsfirmen. Das gilt laut dem Magazin auch für den BMW-Konzern.

Maschinenbauer und Logistiker sind interessiert

Auch für die deutschen Maschinenbauer könnte der Iran eine kleine Sonderkonjunktur auslösen. Veraltete Anlagen im ganzen Land könnten für Unternehmen wie Gea, Dürr, die Anlagensparte von Linde oder auch Gebäudetechnik-Spezialisten wie Bilfinger einen kleinen Auftragsschub auslösen.

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Stellvertretend für die Logistik-Branche hatte etwa Schenker-Manager Michael Dietmar bereits "so etwas die Goldgräber-Stimmung für im Zusammenhang mit der Öffnung des Landes ausgemacht. "Iran ist für uns ein hochinteressanter Markt", so Dietmar. Auch die Deutsche Post könnte besonders mit ihrer Tochter DHL ein Auge auf das Land geworfen haben. Die großen internationalen Konkurrenten wie UPS oder FedEx dürften ebenfalls mit den Hufen scharren.

Wind und Sonne für den Iran

Auch bei den Erneuerbaren Energien besteht hohes Interesse an Know-how und Produkten im Iran. Windkraft-Spezialisten wie Nordex und Solar-Zulieferer wie SMA aus dem TecDax könnten dieses Interesse schon bald in ihren Auftragsbüchern spüren.

Nicht zuletzt könnten auch deutsche Banken als Kreditgeber für Irans neuen Aufschwung ins Spiel kommen. Der Maschinenbau-Verband VDMA hat bereits an die Finanzinstitute appelliert, sich zu "bewegen". Auf der politischen Ebene könnten nun auch dafür die Weichen gestellt werden. Im Mai will Wirtschaftsminister Gabriel zusammen mit seinem iranischen Amtskollegen Ali Tayebnia in Teheran eine Tagung leiten, bei der auch Bankenvertreter mit am Tisch sitzen dürften.

Keine Rendite ohne Risiko

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Restrisiken durch den Iran-Deal bestehen für die Unternehmen freilich ebenfalls. Zunächst werden Aufwendungen in Form von Investitionen in die neuen Vertriebsaktivitäten nötig. Wenn sogar im Iran selbst produziert werden sollte, steigen die Summen naturgemäß weiter an. Bürokratische Hindernisse könnten den Weg in das Land schwieriger machen. In Sachen Zahlungsabwicklung ist der Iran derzeit noch abgekoppelt. Nicht zuletzt sind auch die politischen Spannungen am Golf nicht zu unterschätzen. In Saudi-Arabien sieht man die Rückkehr des Iran gar nicht gerne, die Spannungen zwischen den beiden "Großmächten" in der Region sind zuletzt weiter gestiegen. Wie üblich gibt es auch für die deutschen Unternehmen im künftigen Iran-Geschäft keine Gewinne ohne Risiko.

AB

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