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Wochenausblick

US-Haushaltsstreit im Fokus

Im Bann der "Fiskalklippe"

Mit dem Auslaufen der Berichtssaison dürfte in der neuen Woche vor allem eine Frage die Richtung der Märkte bestimmen: Kommt es im US-Haushaltsstreit zu einem Kompromiss oder droht der Absturz über die "Fiskalklippe". Auch Konjunkturdaten und die unendliche Euro-Schuldenkrise werden wieder in den Fokus der Anleger rücken.

Für den Dax besteht nach Einschätzung von Analysten die Chance, dass sich die Kurse stabilisieren oder vielleicht sogar erholen., nachdem der deutsche Leitindex in der vergangenen Woche fast drei Prozent eingebüßt hat un derstmals seit dem September wieder 7.000 Punkte gerutscht ist.

"Die Kursverluste der vergangenen Wochen waren etwas zu viel des Schlechten", sagt NordLB-Aktienstratege Tobias Basse. Auch Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp hält den Pessimismus der Anleger für überzogen. "Wir empfehlen daher, die aktuelle Kursschwäche zum Aufstocken von Aktienpositionen zu nutzen."

Erster Hoffnungsschimmer

Zwar ist vorerst keine Kursrally zu erwarten, aber sollte sich im US-Haushaltsstreit Bewegung oder gar eine Einigung anzeichnen, wird das auch die Kurse in Frankfurt beflügeln. Bereits am Freitag zeigten sich die Republikaner nach einem Treffen mit Präsidenten Barack Obama und dessen Demokraten im Weißen Haus unter Bedingungen auch zu Gesprächen über höhere Steuern bereit.

Prompt drehte die Wall Street ins Plus und schloss fast 0,4 Prozent höher als Donnerstag. "Eine schnelle Aussicht auf Einigung würde natürlich auch hierzulande einen positiven Impuls aussenden", meinen die Analysten der Landesbank Berlin.

Sollte Demokraten und Republikanern keine Lösung gelingen, droht bis zum Jahreswechsel die gefürchtete "Fiskalklippe" mit automatischen Ausgabensenkungen und Steuererhöhungen, die die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen könnten - mit entsprechenden Einbrüchen an den Aktienmärkten.

Obama hat inzwischen bessere Karten

Doch so weit muss es nicht kommen. Börsenprofis verweisen darauf, dass Obama inzwischen bessere Karten hat, Druck auf die Republikaner auszuüben. Denn die wollten nachher nicht als die Schuldigen dastehen, die die Wirtschaft über die Klippe gestoßen hätten. Zwar dürfte es in den kommenden Wochen im Takt der weiteren Verhandlungen noch deutliche Kursschwankungen geben.

Aber es gelte nun, einen etwas längeren Atem zu haben und die Gunst der Stunde zu erkennen, mahnt etwa Marktstratege Brian Reynolds von Rosenblatt Securities. "Je tiefer der Markt geht, desto stärker will ich Aktien haben", argumentiert er. Sobald die Klippe überwunden sei, könne es wie beim Bungee-Springen rasant nach oben gehen.

In Europa gibt es allerdings einen noch ganz anderen Hemmschuh für die Märkte: die ungelöste Schuldenkrise, die inzwischen die gesamte Eurozone in die Rezession gestürzt hat. "Da werden viele abwarten, bis sich der Nebel lichtet, auch wenn in den USA bald wieder die Sonne aufgeht", meinen einige Börsianer.

Verkürzte Börsenwoche in den USA

Auch die bevorstehenden Feiertage würden Investoren sicher dazu veranlassen, nur mit angezogener Handbremse vorzugehen. Die Wall Street bleibt kommenden Donnerstag wegen des US-Erntedankfestes (Thanksgiving) geschlossen und macht am Freitag vorzeitig zu. Am Freitag gibt es in Japan wegen eines Feiertages keinerlei Aktienhandel.

Bei den Konjunkturdaten dürften ebenfalls die USA den Takt vorgeben: Dort werden am Mittwoch die Früh-Indikatoren veröffentlicht. Analysten rechnen mit einem Rückgang auf 0,2 Prozent von 0,6 Prozent im Vormonat. Wegen der Bedeutung des Arbeitsmarktes für das Wirtschaftswachstum könnte auch die Bekanntgabe der wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe für Bewegung sorgen, die wegen Thanksgiving auf Mittwoch vorgezogen wird. Allerdings ist bislang unklar, wie stark diese Zahlen durch die Auswirkungen des Wirbelsturms "Sandy" verzerrt werden.

Gleiches gilt für die US-Wohnbaubeginne, die am Dienstag bekanntgegeben werden sollen. Am Donnerstag sollen die Konjunkturindizes der deutschen und der europäischen Einkaufsmanager veröffentlicht werden. Experten sagen in beiden Fällen stagnierende Werte voraus. Am Freitag folgt dann der Ifo-Geschäftsklimaindex. Analysten rechnen mit einem Rückgang des Stimmungsbarometers auf 99,5 Punkte von 100 Zählern im Vormonat.

Geld für Griechenland?

Griechenland wird voraussichtlich am Dienstag wieder ins Rampenlicht rücken. An diesem Tag wollen die Euro-Finanzminister grünes Licht für die Freigabe weiterer Hilfskredite an das hoch verschuldete Land geben. Über die Bedingungen hierfür war es zuvor zum Streit zwischen den Euro-Staaten und dem zweiten Geldgeber, dem Internationalen Währungsfonds (IWF), gekommen.

Die Schuldenkrise wird auch die Euro Finance Week prägen, das größte deutsche Stelldichein für die Bankenbranche. Dabei wird die Diskussion um einen möglichen zweiten Schuldenschnitt für Griechenland sicher einigen Raum einnehmen. Geschäftszahlen stehen in der neuen Woche nur wenige an: Am Montag wird der Autovermieter Sixt voraussichtlich einen Gewinnrückgang bekanntgeben. Am Donnerstag will sich der Internet-Anbieter United Internet in die Bücher schauen lassen.

Stand: 18.11.2012, 10:38 Uhr

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