Seitenueberschrift

Emerging Markets

Feuerwerk über Phnom Penh, Kambodscha

Von Indonesien bis Vietnam

Hoffnungsträger Südostasien

von Notker Blechner

Stand: 05.02.2016, 15:23 Uhr

Mit Emerging Markets haben sich zuletzt einige Investoren die Finger verbrannt. Doch nicht alle Schwellenländer sind schlecht. Die Region Südostasien bietet großes Wachstumspotenzial. Besonders Vietnam steht vor dem großen Sprung. Der Tigerstaat könnte China den Rang ablaufen.

Was (allmählich) zusammenwächst, gehört zusammen: Seit Anfang des Jahres bilden die zehn südostasiatischen Staaten Malaysia, Indonesien, Singapur, Brunei, Thailand, Philippinen, Vietnam, Laos, Myanmar und Kambodscha eine große Wirtschaftsgemeinschaft: die Asean Economic Community, kurz AEC. Mit gut 625 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 4,4 Millionen Quadratkilometern ist der Wirtschaftsraum ähnlich groß wie die EU.

Auf dem Weg zum gemeinsamen Binnenmarkt

Zwar ist die AEC noch weit von einem gemeinsamen Binnenmarkt wie in Europa entfernt. Der freie Waren- und Kapitalverkehr wird noch durch Handelshemmnisse erschwert, die Arbeitnehmerfreizügigkeit ist auf acht Berufe beschränkt. Doch durch den Wegfall der Zölle zwischen den südostasiatischen Ländern und bald der anderen Handelshemmnisse dürfte mittelfristig die Region einen kräftigen Wachstumsschub bekommen.

Bis 2025 sollen in Südostasien dank der AEC 14 Millionen neue Jobs geschaffen werden. Mit einer Wirtschaftsleistung von zehn Billionen Dollar entsteht in den nächsten Jahren die viertgrößte Wirtschaftsregion der Welt hinter Europa, USA und China. Mehr als die Hälfte der Einwohner Chinas und Indiens werden hier leben. Schon jetzt ist die Wirtschaftsdynamik groß. Das Bruttosozialprodukt ist in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich sechs Prozent gewachsen.

TPP bringt zusätzlichen Wachstumsschub

Zusätzliche Wachstumsimpulse dürfte das transpazifische Freihandelsabkommen TPP Vietnam und Malaysia mit Japan, Australien, Kanada, den USA und Mexiko bringen. Während in Europa noch heftig über TTP gestritten wird, haben die Asiaten in kurzer Zeit das Abkommen mit Amerika besiegelt.

Als größter TPP-Profiteur gilt Vietnam. Laut den Weltbank-Ökonomen wird die Wirtschaft des jungen südostasiatischen Tigers durch das Handelsabkommen bis 2030 um rund zehn Prozent zulegen. TPP wird ausländische Investitionen in Vietnam beschleunigen. Das Land wird zum bevorzugten Ziel von Billigherstellern, die wettbewerbsfähig bleiben wollen. Die Bekleidungs-, Schuh- und Textilindustrie wird verstärkt in Vietnam produzieren. Der in Hongkong ansässige Bekleidungshersteller Lever Style, der für Kunden wie Hugo Boss produziert, hat bereits in jüngster Zeit Teile seiner Fertigung von Südchina nach Vietnam verlegt. "Vietnam ist der große Gewinner von TPP", sagt Martin Fechtner, Emerging-Markets-Experte der Fondsgesellschaft Edmond de Rothschild Asset Management.

Hauptprofiteur Vietnam

Der Tigerstaat ist auf gutem Wege, zum größten Smartphone-Produzenten der Welt zu werden. Samsung stellt schon jetzt mehr als die Hälfte seiner Smartphones in Vietnam her und hat dort gerade drei Milliarden Dollar in eine zweite Fabrik investiert. Die Produktion in China wird zurückgefahren. Auch die Elektronikkonzerne LG und Foxconn sowie der Chiphersteller Intel setzen zunehmend auf Vietnam.

Vietnam Ha Long Bay. | Bildquelle: colourbox.de

Zwar dominieren in dem kommunistischen Land, das längst nach kapitalistischen Marktwirtschaftsregeln funktioniert, die Staatsbetriebe. Die Regierung in Hanoi will aber die Wirtschaft zunehmend öffnen. Ausländische Investoren können inzwischen die Mehrheit an vietnamnesischen Firmen erwerben. Bis September 2015 galt eine maximale Quote von 49 Prozent. In den nächsten Monaten sollen mehrere Staatsbetriebe teilprivatisiert und deren Anteile an die Börse gebracht werden. Dann könnte Vietnam langfristig den Status eines "echten" Emerging Market erlangen, hofft der Experte Fechtner von Edmond de Rothschild Asset Management.

Kapitalmarkt öffnet sich

Die IPOs dürften die beiden vietnamnesischen Börsen attraktiver machen, glaubt Nguyen Hoai Thu. Die junge Fondsmanagerin betreibt einen in Deutschland zugelassenen aktiven Fonds auf vietnamnesische Aktien, den Forum One VCG Partner Vietnam Fund von Vinacapital. Ihr Favorit ist der Milchprodukthersteller Vinamilk. Auch den Baumaschinenhersteller Masan Group mag sie. "Wir konzentrieren uns auf Firmen, die in ihrer Branche führend sind, die regelmäßige Cashflows ausweisen und die geringe Schulden aufweisen", erklärt sie. Die jährlichen Verwaltungskosten für den Fonds liegen bei 2,5 Prozent.

Wer es billiger mag, kann auf ETFs setzen. Mehrere Anbieter haben Produkte auf den Ho-Chi-Minh Stock Index aufgelegt, der zuletzt nach einer Berg- und Talfahrt wieder etwas anzog. Allerdings bilden die ETFs die vietnamnesischen Aktien meist nur synthetisch ab.

Indonesien nimmt wieder Fahrt auf

Jakarta Indonesien

Jakarta Indonesien. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Einen starken Wirtschaftsaufschwung erlebt auch Indonesien. Das größte muslimische Land der Welt wuchs bis 2014 um über sechs Prozent. Im vergangenen Jahr ebbte der Boom etwas ab, das BIP dürfte voraussichtlich um knapp fünf Prozent zugelegt haben. Die Regierung unter dem neuen Präsidenten Joko Widodo will mittelfristig wieder Zuwachsraten von sieben Prozent erreichen. Die jüngsten Reformschritte wie die Landreform und die Kürzung der staatlichen Subventionen für Treibstoff sowie die Leitzinssenkung der Notenbank stimmen Fondsmanager Fechtner von Edmond de Rothschild zuversichtlich. Die Sorge um China und der jüngste Terroranschlag in Jakarta hat allerdings die Stimmung im Land ein bisschen gedrückt. Auf der Frankfurter Buchmesse warnten mehrere Schriftsteller vor einer zunehmenden "Islamisierung" des 17.000-Insel-Reichs.

Philippinen: Hohes Wachstum, niedrige Inflation

Positiv sehen die Emerging-Markets-Investoren derzeit auch die Philippinen. Die Wirtschaft boomt. 2015 dürfte das BIP um voraussichtlich sechs bis 6,5 Prozent zugelegt haben. Das Ziel der Regierung von sieben bis acht Prozent wird aber wohl verfehlt. Fondsmanager Fechtner von Rothschild lobt die "gesunde Demographie, das starke Wachstum und die niedrige Inflation". Im Mai 2016 finden Präsidentschaftswahlen statt.

Als weiterer Profiteur des TPP gilt Malaysia. Das Land werde durch das Freihandelsabkommen bis 2025 um 5,6 Prozent wachsen, prophezeit die Beratungsfirma Eurasia Group. Allerdings leidet das Land unter dem Preisverfall von Öl und anderen Rohstoffen. Kritisch wird von Investoren auch die pro-islamische Regierung gesehen, die bestimmte Bevölkerungsgruppen bevorzugt.

Keine Asien-Krise in Sicht

Zwar wird die Abschwächung der Konjunktur in China auch negative Folgen auf Südostasien haben. Experten sind sich aber einig, dass die Länder stark genug sind, um die Exportausfälle zu kompensieren - teils durch stärkere Ausfuhren in andere Länder, teils durch einen höheren Binnenkonsum. Die Gefahr einer (Südost-)Asienkrise wie 1997 sieht kaum einer. Die Staaten haben heute wesentlich höhere Dollarreserven. Lag das Verhältnis von kurzfristigen Schulden zu Währungsreserven in Indonesien während der Asien-Krise bei gut 190 Prozent, sind es heute 50 Prozent. Die meisten Länder weisen inzwischen Überschüsse der Leistungsbilanz aus. 1995 wies Malaysia ein Minus von zehn Prozent seiner Wirtschaftsleistung aus, heute liegt der Überschuss bei sieben Prozent. Thailand verbuchte damals minus acht Prozent, heute hat das Land ein Plus von 3,5 Prozent.

Darstellung: