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Griechenland

Griechische Flagge

Tsipras will Privatisierungen stoppen

Kurseinbrüche: Griechische Finanzmärkte in Aufruhr

Stand: 28.01.2015, 15:35 Uhr

Was hat die neue Links-Rechts-Regierung vor? Sie stoppt das, was Geld in die Staatskasse bringen soll: die Privatisierungen. An den Finanzmärkten sorgt das für Aufruhr: Aktien brechen ein, die Rendite griechischer Staatsanleihen steigt besorgniserregend hoch.

Die Pläne der neuen Links-Rechts-Regierung klingen abenteuerlich. Sie will Privatisierungen wie die der Elektrizitätsgesellschaft DEI stoppen. Auch die griechischen Staatseisenbahnen sollen nicht verkauft werden. Zudem wird eine 320 Millionen Euro schwere chinesische Investition im Container-Hafen von Piräus gestoppt.

Erklärtes Ziel der neuen Regierung ist zudem, Tausende im Zuge des Sparprogramms entlassene Staatsbedienstete wieder einzustellen. Außerdem soll der Mindestlohn in der Privatwirtschaft angehoben und die gestrichene 13. Monatsrente (Weihnachtsgeld) wieder aufzulegen.

Bankaktien im Abwärtssog

Als die Pläne bekannt wurden, stürzten griechische Aktien ab. Der Börsen-Leitindex ASE brach bis zum Nachmittag um acht Prozent ein. Besonders hart traf es Banken, die Aktienkurse der vier wichtigsten Banken des Landes büßten rund ein Viertel ihres Wertes ein. Zum Beispiel die Aktien der National Bank of Greece. Seit Wochenanfang haben sie sich sogar halbiert. Ebenso halbierten sich die Papiere der Piräus Bank, seit klar war, dass Tsipras die politische Führung übernimmt. Aktien der Alpha Bank und der Eurobank Ergasias gaben seit Montag gut 40 Prozent nach.

Rendite wieder über zehn Prozent

Anleger flohen zudem regelrecht aus Staatsanleihen, wodurch deren Kurse absackten. Im Gegenzug stiegen die Renditen kräftig. Die Rendite für Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren kletterte um fast einen Prozentpunkt und liegt nun mittlerweile bei 10,15 Prozent.

Das müsste Griechenland zahlen, wenn das Land neue Schulden am Kapitalmarkt machen wollte. Hohe Zinsen zeigen das mangelnde Vertrauen der Märkte in den Schuldner - sprich: in die neue Regierung Griechenlands.

Und diesen hohen Preis kann kein Land auf Dauer zahlen, mehr als sieben Prozent gelten als längerfristig als nicht tragbar. Der Zins am freien Markt hat jetzt wieder das Niveau erreicht, das er vor der Ankündigung des massiven Kaufprogramms von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) erreicht hatte.

Spargegner im Ministeramt

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Die neue Regierung unter Ministerpräsident Alexis Tsipras ist heute zu seiner ersten Kabinettssitzung zusammengekommen. Es wird erwartet, dass der neue Regierungschef wie traditionell üblich seinen Ministern erste Vorgaben macht und den politischen Kurs umreißt. Tsipras gab in seinem Kabinett zwei scharfen Kritikern der Sparpolitik die Zuständigkeit für Finanzen. Auch das beunruhigt Anleger. Der Ökonom Giannis Varoufakis soll als Finanzminister Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern führen.

bs

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