Seitenueberschrift

Regionen

Drache vor chinesischer Flagge

Quartalszahlen zumindest besser als erwartet

Geht dem chinesischen Drachen die Puste aus?

Die Konjunktur in China kühlt sich weiter ab. Was Anleger zumindest hinsichtlich des ersten Quartals wohlwollend stimmt: Sie hatten ein noch schwächeres Wachstum erwartet und wurden positiv überrascht. Trotzdem droht dem Land aufs Jahr gesehen das niedrigste Wachstum seit 24 Jahren.

Das chinesische Bruttoinlandsprodukt ist von Januar bis März nach offiziellen Angaben um 7,4 Prozent gewachsen, nachdem es Ende 2013 noch 7,7 Prozent waren. Das liegt unter dem selbstgesteckten Ziel der Pekinger Regierung, die ein Wachstum von 7,5 Prozent für das Gesamtjahr anstrebt. Zuletzt war die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im Jahr 1990 schwächer gewachsen.

Trotzdem zeigten sich die chinesischen Behörden zufrieden. "Auch wenn sich das Wachstum abgeschwächt hat, bleibt es in einem vernünftigen Bereich", sagte der Sprecher des Statistikamtes, Sheng Laiyun.

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9612.03
Differenz absolut
67.84
Differenz relativ
+0.71%

Analysten hatten sich mit 7,3 Prozent auf ein noch schwächeres Wachstum eingestellt und atmeten auf. "Die schlimmsten Befürchtungen sind nicht eingetreten", meinte Ökonom Louis Kuijs von der Bank RBS in Hongkong. Letztlich stützten die Konjunkturdaten aus dem Reich der Mitte den Aktienmarkt. Der Dax, der gestern eingebrochen war und bei 9.173 Punkten geschlossen hatte, notiert derzeit mit einem Plus von einem Prozent bei 9.268 Punkten.

Weniger Bauinvestitionen, weniger Export

"Der Rückgang war vor allem schwachen Bauinvestitionen geschuldet", erklärte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe. Außerdem hinterließe die restriktivere Kreditvergabe ihre Spuren. Während im Immobiliensektor und beim Export geringere Aktivitäten zu verzeichnen waren, legte der Einzelhandel zu.

Neue Wachstumsimpulse erwartet Gitzel von der VP Bank erst einmal nicht. "Groß angelegte Konjunkturprogramme oder geldpolitische Lockerungen dürften erst bei Wachstumsraten von unter sieben Prozent auf der Agenda stehen", sagt er. Nach Jahren des Booms setzt Peking auf Nachhaltigkeit und will in erster Linie den Binnenkonsum stärken. Es gibt nur Mini-Stimuli, so Steuersenkungen für kleinere Unternehmen und Investitionen in den Ausbau des Schienenverkehrs.

Dass die chinesische Konjunkturlokomotive ins Stottern gerät, wird international mit Sorge beobachtet. Jüngst hatte der Internationale Währungsfonds gewarnt: Wenn es zu einer "harten Landung" komme, werde das auch andere Schwellenländer treffen. Der IWF sagt für 2014 ein Wachstum von 7,5 Prozent voraus. Noch pessimistischer zeigt sich mit einer Prognose von 7,4 Prozent die NordLB. Man rechne mit weiteren Schwächesignalen aus dem Reich der Mitte, vor allem im Industriesektor, erklärte Analyst Frederik Kunze. Die harte Landung dürfte China aber seiner Meinung nach noch abwenden können.

um

Darstellung: