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Blaue Moschee in Istanbul.

Aussicht auf Stabilität

Finanzmarkt feiert Türkei-Wahl

Stand: 02.11.2015, 11:01 Uhr

Der Ausgang der Parlamentswahl in der Türkei ist auf der politischen Ebene international mit Skepsis aufgenommen worden. An der Börse sorgt der klare Sieg der islamisch-konservativen AKP dagegen für Kurskapriolen.

An der Börse wird Stabilität und Kontinuität stets hoch gehandelt, das zeigt wieder einmal die Reaktion der Marktteilnehmer am Montag nach der Wahl in dem Land. Der türkische Leitindex ISE rauschte am Morgen gleich um mehr als fünf Prozent auf 83.725 Punkte nach oben. Damit ist das Börsenbarometer, das die 100 größten an der Istanbuler Börse gelisteten Unternehmen umfasst, auch seit Jahresbeginn wieder in die Pluszone zurückgekehrt.

Die türkische Lira stabilisierte sich gegenüber dem Dollar und dem Euro wieder, nachdem die Währung in den vergangenen Monaten deutlich unter Druck geraten war. Derzeit kostet der Dollar 2,7580 Lira, ein Zuwachs für die türkische Währung von rund fünf Prozent.

Wirtschaft in ruhigerem Fahrwasser

Die Partei von Präsident Erdogan, AKP, hat 49,4 Prozent der Stimmen erreicht und kann damit wieder mit absoluter Mehrheit regieren. Der "Erdogan-Effekt" bedeutet aus Sicht von Analysten wie denen der DZ Bank vor allem, dass stabile politische Verhältnisse zu erwarten sind. Auch Tatha Chose von der Commerzbank zufolge wird die Wirtschafts- und Finanzpolitik des Landes damit in ruhiges Fahrwasser geraten. Es sei damit zu rechnen, dass in Kürze ein funktionsfähiger Wirtschaftsplan und Staatshaushalt vorgelegt werden könne.

Allerdings geht auch am Finanzmarkt die Befürchtung um, dass Präsdient Erdogan seine neue Macht nutzen könnte, um ein "autoritäres und nationalistisches Staatssystem" aufzubauen, wie Kreditanalyst Nicolas Spiro von Spiro Sovereign Strategy betonte.

Allerdings fehlt dazu zumindest formal noch die Mehrheit im Parlament. Denn Verfassungsänderungen, mit denen Erdogan etwa ein Präsidialsystem installieren könnte, erfordern in der Türkei eine Zweidrittelmehrheit. Die steht einstweilen noch nicht zur Debatte.

Restrisiko Wahlfälschung

Ein Problem könnte sich für Erdogan aber doch noch auftun. Denn sollte sich herausstellen, dass der Wahlsieg durch Manipulationen zustande gekommen ist, wie dies einige Oppositionspolitiker behaupten, könnte sich das Regime international weiter isolieren. Der EU-Beitritt könnte in weitere Ferne rücken, und damit würde auch die türkische Wirtschaft und damit letztlich auch die Börse belastet.

AB

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