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USA

Ein Windsack hängt bei Windstille an einem Mast

Wie geht es weiter?

Droht ein schwerer Wirtschaftsabschwung in Amerika?

Stand: 12.02.2016, 13:48 Uhr

Blickt man auf die Kursentwicklung an den internationalen Börsen, kann es einem Angst und Bange werden. An den Märkten wird eine Rezession in den USA gespielt. Doch wie wahrscheinlich ist das eigentlich?

S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
2.091,12
Differenz absolut
0,58
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Blickt man auf den Börsenabsturz seit Jahresanfang, ist das Urteil bereits gefällt. Den der mit den 500 wichtigsten US-Aktien breit aufgestellte S&P 500 ist von mehr als 2.000 Punkten auf nur noch gut 1.800 Punkte abgestürzt. Und das im häufig positiven Januar. Der Index gilt als einer der besten Rezessionsindikatoren.

Auch die Gewinnentwicklung der US-Unternehmen macht Sorgen. "Wir rechnen erneut mit einem unerfreulichen Ergebnis, so dürfte der Indexgewinn beim S&P 500 im Schlussquartal um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahreswert gesunken sein, die Unternehmensumsätze sollten gut drei Prozent niedriger ausfallen", erläutert Stefan Bielmeier von der DZ Bank. Mit dieser Entwicklung steckten die börsennotierten US-Unternehmen in einer tiefen Gewinnrezession fest. Diese ist definiert als zwei oder mehr Quartale in Folge mit Gewinnrückgängen.

Doch reicht das, um eine Rezession auszurufen? Vermutlich nicht.

Nicht alles ist schlecht

Beispielsweise sind die Analysten der Commerzbank positiv eingestellt. Sie verweisen beispielsweise auf die gute Entwicklung des Arbeitsmarktes, die sich deutlich von der Entwicklung in vergangenen Rezessionen unterscheide. Auch die Straffung des Leitzinses in Verbindung mit dem Auslaufen der Anleihekäufe durch die US-Notenbank dürfe für die Realwirtschaft nicht überbewertet werden. Denn noch immer halte die Fed ein Fünftel der US-Staatsanleihen. Das dafür aufgewendete Geld ist damit noch im Umlauf.

So kommt die Bank in ihrer Analyse nur auf eine Rezessionswahrscheinlichkeit von lediglich fünf Prozent. In das Modell gehen auch die Vorjahresveränderung des S&P 500 und der Renditevergleich zwischen zehnjährigen und dreimonatigen US-Staatsanleihen ein.

Eine Rezession zeichne sich nicht ab, schon gar nicht eine so schwere Wirtschaftskrise wie 2008, heißt es von der Commerzbank. "Wir halten daher die Marktstimmung für zu pessimistisch. Fallen insbesondere die US-Konjunkturdaten in den kommenden Monaten weiter ordentlich aus, dürften sich die Aktienkurse allmählich erholen."

Zinsstrukturkurve gibt Entwarnung

Auch die Zinsstrukturkurve, einer der am besten erprobtesten Rezessionsindikatoren, sendet eher positive Signale. Sie verläuft derzeit "normal", also längere Laufzeiten von US-Staatsanleihen haben eine höhere Effektivverzinsung als kurze Laufzeiten. Laut Bloomberg bringen dreimonatige Papiere 0,27 Prozent, einjährige 0,46 Prozent, zehnjährige 1,69 Prozent und dreißigjährige US-Staatsanleihen sogar 2,53 Prozent. In der Vergangenheit hatte sich die Zinsstrukturkurve im Vorfeld von Rezessionen genau andersherum verhalten, indem die Rendite von längerlaufenden Anleihen niedriger als die von kurzlaufenden gewesen war.

ME

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