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Krise in Portugal

Euro-Schuldenkrise flammt wieder auf

Das Krisenland Portugal muss sparen. Doch immer mehr Minister treten zurück, weil sie den Sparkurs nicht mehr mittragen wollen. Das sorgt für Unruhe an der Börse. Die Euro-Schuldenkrise ist nicht ausgestanden.

Die Regierungskrise in Portugal schickte die Börsen in Europa auf Talfahrt. Der Leitindex Dax verlor im Laufe des Tages 1,6 Prozent und sackte auf 7780 Punkte ab. Ähnlich stark gab der europäische Leitindex EuroStoxx 50 nach. Der Leitindex an der Börse in Lissabon büßte sogar 6,8 Prozent ein.

ARD-Börse: Euroschuldenkrise ist zurück

Bei den Unternehmen gerieten europaweit vor allem Finanztitel unter Druck, die sensibel auf Nachrichten rund um die Schuldenkrise reagieren. Der Euro verbilligte sich auf 1,2942 Dollar. Die Probleme in der Euro-Schuldenkrise, insbesondere in Portugal und Griechenland, rückten wieder stärker in den Fokus, lieferte Marktstratege Stan Shamu von IG als Erklärung.

Anleger wollen portugiesische Staatsanleihen loswerden

Bei den portugiesischen Staatsanleihen gab es einen regelrechten Ausverkauf. Der Kurs der zehnjährigen Anleihen brach zeitweise bis zu knapp 12 Prozent ein. Im Gegenzug stieg die Rendite von 6,5 Prozent am Vortag auf nun 8,2 Prozent.

Streiks haben das Land lahmgelegt

Daneben gerieten auch die Schuldpapiere anderer Euro-Krisenländer unter Druck. Die Rendite für zehnjährige Papiere aus Spanien kletterte auf 4,75 Prozent, die für italienische Titel erhöhte sich auf 4,56 Prozent.

Ähnlich schossen die Credit Default Swaps (CDS) für diese Länder in die Höhe. Es handelt sich um Kontrakte, mit deren Hilfe sich die Anleihe-Gläubiger gegen die Zahlungsunfähigkeit der Herausgeber absichern. Portugiesische CDS mit einer Laufzeit von fünf Jahren stiegen auf 501 Basispunkte. Spanische und italienische CDS kletterten jeweils auf rund 290 Basispunkte.

Die Lage in Portugal spitzt sich zu

"Die Krise kehrt zurück, sobald Regierungen unter Druck geraten, wie derzeit in Portugal zu beobachten ist", sagte Finanzmarkt-Experte Kit Juckes von der Société Générale. Dort traten mehrere Minister zurück, weil sie den strikten Sparkurs der Regierung nicht mehr mittragen konnten.  

Nicht nur Finanzminister Vitor Gaspar hat seinen Hut genommen

Nach dem Finanzminister Vitor Gaspar schmiss nun der Außenminister Paulo Portas hin. "Besonders prekär ist die Situation dadurch, dass er gleichzeitig der führende Vertreter des wichtigsten Koalitionspartners des portugiesischen Ministerpräsidenten ist", merkten die Analysten der Essener National-Bank an.

Auch in Griechenland kriselt es heftig

Medienberichten zufolge könnte es weitere Rücktritte geben. Ministerpräsident Pedro Passos Coelho warnte bereits vor politischer Instabilität im Lande. Die Anleihe-Experten der Commerzbank sprachen von "Chaos", das einen "äußerst negativen Nachgeschmack hinterlassen dürfte".

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Woche
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Auch Ökonom Holger Schmieding von der Berenberg Bank sieht turbulente Zeiten kommen: "Mit der Regierungskrise in Portugal kann sich die Euro-Krise kurzzeitig wieder verschärfen", vermutet er. Er geht aber davon aus, dass sich die Probleme dort lösen lassen, ohne Schulden-Schnitt und ohne Austritt aus dem Euro.

Derweil drängen die Europäische Zentralbank und die Bundesregierung Griechenland zu weiteren Reformschritten. Dort gibt es bereits Debatten rund um einen zweiten Schuldenschnitt. Den hatte der IWF mehrmals gefordert und ebenfalls gedroht, aus dem derzeitigen Hilfsprogramm auszusteigen.

um

Stand: 03.07.2013, 11:07 Uhr

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