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Yen und Nikkei auf Tauchkurs
Die Bank of Japan und die (W)Irrungen der Börse
Im Kampf gegen die Konjunkturflaute und anhaltende Deflation hat die japanische Notenbank den Geldhahn bis zum Anschlag aufgedreht. Die Reaktion der Anleger ist auf den ersten Blick verblüffend. Auf den zweiten Blick aber ist sie ein Lehrstück, wie Börse funktioniert.
Die Bank of Japan will die Fed übertreffen
Die Bank of Japan (BoJ) hat am Dienstag drastische Schritte verkündet. Auf ihrer geldpolitischen Sitzung betonte sie nicht nur wieder das mittel- bis langfristige Inflationsziel von 2,0 Prozent. Sie will überdies ab Januar 2014 monatlich Wertpapiere für 13 Billionen Yen kaufen.
Anders als bisher sind diese Käufe nun nicht mehr begrenzt. Auch das Volumen ist deutlich höher. So will die BoJ 2013 Wertpapiere im Volumen von "nur" 36 Billionen Yen kaufen. 2014 sollen es, inklusive der schon außerhalb des Programms erworbenen Assets, 176 Billionen Yen sein.
Expansiver als die Fed
Damit würde die BoJ eine weit expansivere Geldpolitik betreiben als die amerikanische Notenbank Fed, die auf diesem Gebiet eigentlich als Vorreiter gilt. Zum Vergleich: Ab 2014 wird das monatliche Volumen des japanischen Wertpapierkaufprogramms bei umgerechnet 110 Milliarden Euro sein, das QE3 der Fed kauft derzeit Monat für Monat 64 Milliarden Euro an Wertpapieren auf.
Doch so drastisch das neue Programm der BoJ auch anmuten darf: Überrascht haben die Notenbanker damit niemanden. Am Markt war exakt mit diesen Schritten gerechnet worden. Sie steckten quasi schon "in den Kursen drin". Oder, um es sprachlich noch schöner zu formulieren: Diese Informationen waren bereits "eingepreist".
Nikkei im Schlepptau des Yen
Insofern ist die Kursreaktion der Landeswährung Yen absolut nachvollziehbar: In einer ersten überschießenden Reaktion klettert der Dollar zum Yen zunächst auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch von 90,18 Yen, fällt dann aber bis auf 88,86 Yen ab. Der Nikkei 225 zieht ebenfalls erst an, geht dann aber mit einem Minus von 0,4 Prozent auf 10.709 Zähler aus dem Handel. Der japanische Leitindex ist seit Monaten nur noch ein Spiegelbild des Yen-Wechselkurses.
Jens Klatt, Devisen-Experte beim Broker Forex Capital Markets (FXCM), rechnet nach der bereits elf Wochen andauernden und damit seit 1989 längsten Abwertung des Yen nun kurzfristig mit einer Gegenbewegung. Diese könnte den Dollar-Yen-Wechselkurs vorerst wieder in den Bereich um 85,50 Yen führen.
Warten auf April
In der Summe reagieren die Marktteilnehmer wohl auch deshalb leicht enttäuscht, weil viele auf einen raschen Start der Anleihenkäufe spekuliert hatten. Ein sofortiger Beginn wäre sicherlich ein sehr starkes Signal an die Aktien- und Devisenmärkte gewesen.
Marco Wagner, Japan-Experte und Volkswirt bei der Commerzbank, spricht sogar nur von "Lippenbekenntnissen" der Notenbanker. Wagner erwartet erst dann eine wirklich expansivere Geldpolitik, wenn im April ein neuer Gouverneur das Ruder bei der BoJ übernimmt, "der näher an der Politik der Regierung ist als der dann scheidende Notenbankchef Shirakawa".
Durch weitere personelle Umbesetzungen rechnet Wagner spätestens ab Oktober mit einer Mehrheit von fünf "Tauben" in dem neunköpfigen Gremium. Als "Tauben" werden im Analystensprech Notenbanker bezeichnet, die für eine expansivere Geldpolitik sind – selbst wenn dadurch Inflationsziele gefährdet werden könnten. Doch die Gefahr einer überschießenden Inflation besteht im deflationsgebeutelten Japan ohnehin nicht.
Stand: 22.01.2013, 09:33 Uhr
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