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Börse Riad, Saudi Arabien

Saudi-Arabien plant Riesenbörsengang

Deutsche Bank bei Aramco-IPO an Bord?

Stand: 11.01.2016, 11:14 Uhr

Der womöglich größte Börsengang aller Zeiten wirft gewaltige Schatten voraus. Der Wert der saudischen Ölgesellschaft Aramco wird in Billionen Dollar gerechnet. Und im Bankenkonsortium könnte auch die Deutsche Bank mitprofitieren.

Für die Investmentbanken, die Börsengänge begleiten, fallen stets üppige Gebühren an. Im Fall des bislang noch "angedachten" Börsengangs des saudiarabischen Staatsunternehmens Saudi Aramco dürften diese Gebühren ähnlich astronomisch ausfallen wie der Börsengang selbst.

"Langjährige Zusammenarbeit" kann sich lohnen

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte am Wochenende unter Berufung auf "mit der Sache vertrauten Personen" berichtet, die Saudis würden bei der Suche nach Konsortialbanken wohl vor allem auf Banken setzen, mit denen man bereits zusammenarbeite. Dabei wurden die US-Bank JPMorgan, die britische HSBC und eben auch die Deutsche Bank genannt. Die Aktie des deutschen Bankenprimus legte denn auch am Montag mit einem allerdings gut aufgelegten Gesamtmarkt um knapp zwei Prozent zu.

Der Mega-Börsengang wird bereits seit vergangener Woche diskutiert. Auslöser war ein Interview des Vize-Kronprinzen Muhammad bin Salman mit dem britischen "Economist". Salamn zeigte sich dabei "persönlich begeistert" von der Idee eines Börsengangs. Er sei "im Interesse des saudischen Marktes und im Interesse von Aramco".

Neue Dimension

Ein IPO des saudi-arabischen Staatsunternehmens würde alle Dimensionen sprengen. Der Wert von Saudi Aramco wird auf "mindestens" eine Billion Dollar geschätzt. Analysten sind wegen der vagen Datenlage des Unternehmen dabei noch vorsichtig. Laut dem Londoner Analysehaus Capital Econimics könnte er auch bei dem Zehnfachen dieses Betrages liegen. Selbst der niedrigst angenommene Wert wäre aber bereits aus dem Stand etwa das Doppelte des Börsenwertes von Apple, des derzeit wertvollsten börsennotierten Unternehmens der Welt.

Im Vergleich mit dem saudischen Riesen nehmen sich auch die Branchen-Giganten der Ölbranche wie Zwerge aus. Die bisherige Nummer 1 ExxonMobil bringt rund 300 Milliarden Dollar auf die Börsenwaage. In Sachen täglicher Förderung liegt Aramco um das Dreifache vor Exxon, die Größe der bekannten Reserven übersteigen die der amerikanischen Nummer 1 um das Zehnfache.

Noch keine Details zum Börsengang

Wie der Börsengang im Details aussehen wird, darüber herrscht einstweilen noch Rätselraten. Diskutiert wird das "going public" entweder für einen kleinen Teil des Gesamtkonzerns (hier etwa fünf bis zehn Prozent der Anteile). Alternativ sei aber auch ein Börsengang einer oder mehrerer Sparten von Aramco denkbar, etwa des Raffinerie- oder Vertriebsgeschäfts. Der Aramco-Konzern wurde 1944 gegründet und war bis Mitte der 1970er Jahre im Besitz von vier US-Ölkonzernen, bevor er verstaatlicht wurde.

Herrscher müssen sparen

Für Saudi-Arabien ist der Schritt an die Börse laut Experten wohl nicht nur ein Zeichen der Öffnung der Wirtschaft und der Reformfreudigkeit des Herrscheregimes: Wegen der drastisch gefallenen Rohölpreise hat Saudi-Arabien im vergangenen Jahr ein Haushaltsdefizit von 100 Milliarden Dollar eingefahren. Der Haushalt für das laufende Jahr seit drastische Sparmaßnahmen vor, weil die Petrodollars nicht mehr wie gewohnt fließen. Kurz vor dem Jahreswechsel wurden bereits Energiesubventionen im Land gestrichen. Neue Dollarzuflüsse aus dem Börsengang wären also sehr willkommmen.

AB

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