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Das sagen Ökonomen Frankreich-Wahlen

Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim

Ulrike Kastens, Sal. Oppenheim

"Zwar liegen Emmanuel Macron mit seiner Bewegung "En Marche" und Marine Le Pen vom Front National in den Umfragen vorne, sodass von einer Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten ausgegangen werden kann. Letztlich sollte diese Macron für sich entscheiden können. Diese Gleichung hat jedoch noch mehrere Unbekannte: die Höhe der Wahlbeteiligung, der Anteil der unentschiedenen Wähler und der Aufstieg des Linksaußen Jean-Luc Mélenchon, der seit den Fernsehduellen deutlich aufholen konnte und in einigen Umfragen François Fillon bereits überholt hat. Mélenchon setzt sich für eine Reduktion der 35-Stunden-Woche, die Anhebung des Mindestlohns, eine Rücknahme der Arbeitsmarktreformen, Investitionsprogramme auf Schuldenbasis sowie die Neuverhandlung der EU-Verträge ein."

Das sagen Ökonomen Frankreich-Wahlen

Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim

Ulrike Kastens, Sal. Oppenheim

"Zwar liegen Emmanuel Macron mit seiner Bewegung "En Marche" und Marine Le Pen vom Front National in den Umfragen vorne, sodass von einer Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten ausgegangen werden kann. Letztlich sollte diese Macron für sich entscheiden können. Diese Gleichung hat jedoch noch mehrere Unbekannte: die Höhe der Wahlbeteiligung, der Anteil der unentschiedenen Wähler und der Aufstieg des Linksaußen Jean-Luc Mélenchon, der seit den Fernsehduellen deutlich aufholen konnte und in einigen Umfragen François Fillon bereits überholt hat. Mélenchon setzt sich für eine Reduktion der 35-Stunden-Woche, die Anhebung des Mindestlohns, eine Rücknahme der Arbeitsmarktreformen, Investitionsprogramme auf Schuldenbasis sowie die Neuverhandlung der EU-Verträge ein."

Stefan Mütze, Helaba

Stefan Mütze, Helaba

"Frankreich steht vor einer politischen Richtungsentscheidung. Protektionismus und Europafeindlichkeit sind nicht geeignet, die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft zu erhöhen. Der mittlerweile eingeschlagene Reformweg sollte fortgesetzt werden. Erste Erfolge sind sichtbar: Geschäfts- und Konsumklima steigen, die Investitionen haben an Dynamik gewonnen und die Beschäftigung nimmt zu, wenn auch nur moderat. Das Wirtschaftswachstum dürfte 2017 mit 1,2 Prozent leicht unter dem Durchschnitt der Eurozone von 1,4 Prozent liegen.
Nur eine Fortsetzung der Reformpolitik dürfte es ermöglichen, mittelfristig auf einen höheren Wachstumspfad zu gelangen. Auch bei einem Sieg eines der aussichtsreichen Kandidaten gegenüber Marine Le Pen muss allerdings davon ausgegangen werden, dass Reformen bei einer wahrscheinlichen Kohabitation und der in der Bevölkerung verbreiteten Skepsis diesbezüglich weiterhin nur zögerlich umgesetzt werden dürften."

Christine Lagarde, geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF)

Christine Lagarde

"Als Direktorin des IWF darf ich über Frankreich leider nicht viel sagen, schließlich bin ich geborene Französin", sagte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der "Welt" und anderen europäischen Tageszeitungen. "Doch es gibt ganz eindeutig eine wachsende Besorgnis über den unsicheren Wahlausgang dort." Einige Ideen zielten auf das Zerbrechen der derzeitigen Strukturen der Europäischen Union hin. Je früher diese Unsicherheit beseitigt werde, desto besser sei dies für die Wirtschaft in Europa und in der Welt.

Clemens Fuest, Ifo-Institut

Clemens Fuest, Ifo-Institut

"Ein Sieg des liberalen Kandidaten Emmanuel Macron heißt nicht, dass dann alle Probleme gelöst sind", sagt der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest. "Die Vorstellung, dass Macron an die Macht kommt und es dann leichter möglich wird, die erheblichen Probleme anzugehen - das ist für mich überhaupt nicht sichergestellt." Macron habe kein klares Reformmandat. Offen sei zudem, welches Wahlprogramm Macron habe. Wenn es zu einer "Cohabitation" komme, werde es umso schwieriger. "Cohabitation" bedeutet, dass die Mehrheit im Parlament und der Präsident zu unterschiedlichen politischen Lagern gehören und dieser gezwungen ist, den Premierminister aus einer gegnerischen Partei zu wählen.

Dr. Christian Melzer

Dr. Christian Melzer

"Sollte es einen Überraschungssieg von Le Pen geben, würde das die Finanzmärkte erschüttern“, sagt Ökonom Christian Melzer von der Fondsgesellschaft Deka. Dass eine neue Präsidentin Le Pen Frankreich am Ende über eine Volksbefragung tatsächlich aus der Euro-Zone herauslösen kann, sei aber wenig wahrscheinlich. "Ohne eine mehrheitsfähige Regierung, die sie dabei unterstützt, ist der Frexit nur sehr schwer zu realisieren“, erklärt Melzer. Le Pen bräuchte eine Mehrheit in der Nationalversammlung, deren Wahlen im Juni anstehen. Aufgrund des besonderen Wahlrechts in Frankreich sei die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass Le Pens Partei Front National die Sitzmehrheit bekomme oder eine mehrheitsfähige Regierungskoalition bilden könne.

Kathleen Brooks, Research Director Cityindex

Kathleen Brooks, Research Director Cityindex

Sollte Le Pen in der ersten Runde ausscheiden, dürfte es an den Finanzmärkten zu einer Erleichterungsrally kommen, glaubt Kathleen Brooks vom Researchinstitut Cityindex. "Sollte es zu einem Duell zwischen dem Konservativen Fillon und dem Liberalen Macron kommen, also zwei marktfreundlichen Kandidaten, rechne ich mit einer Aufwertung des Euro und steigenden Kursen im Dax und im Cac 40."

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