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Nikkei so gut wie seit 1959 nicht mehr

Das japanische Comeback

von Robert Minde

Geht die lange Leidenzeit für den japanischen Aktienmarkt langsam zu Ende? Die Performance des Leitindex Nikkei beschert den Anlegern aktuell ungeahnte Glücksgefühle.

Der Nikkei-Index seit 1989

Der Leitindex der Tokioter Börse hat sich heute mit einem Plus von 0,47 Prozent auf 11.191 Punkte ins Wochenende verabschiedet. Was auf den ersten Blick wie eine eher unspektakuläre Börsenmeldung aussieht, ist bei genauerem Hinschauen durchaus bemerkenswert.

Denn wie ein Blick in die Historie zeigt, war dies die zwölfte Gewinnwoche in Folge. Eine solche Gewinnserie gab es seit über 50 Jahren nicht mehr. Seit November geht es fast ununterbrochen steil bergauf mit den Kursen in Tokio.

Ausbruch aus der Seitwärtsbewegung

Zu diesem Zeitpunkt ist der Index, der die 225 wichtigsten Aktien des Landes enthält, endgültig aus der Seitwärtsbewegung ausgebrochen, die seit dem Sommer zwischen 8.500 und 9.100 Punkten verlief.

Charttechniker dürften dabei anmerken, dass während dieser Seitwärtsphase die Tiefpunkte der Kursbewegungen meist über denen der vorherigen Bewegung gelegen haben. Üblicherweise ist dies ein Zeichen dafür, dass der Markt "nach oben will". Mit dem Überspringen des September-Hochs bei rund 9.123 Punkten Mitte November war der Ausbruch nach oben dann perfekt.

Der nachfolgende Aufwärtstrend hat den Index zunächst fast ohne Unterbrechung direkt bis auf über 10.500 Punkte geführt, eher er eine kurze Konsolidierungspause einlegte. Aus dieser Zone ist der Nikkei aber mittlerweile erneut nach oben ausgebrochen, womit die 11.191 Punkte vom heutigen Freitag ein neues Zwölf-Monats-Hoch darstellen. Gleichzeitig ist kein Ende der Aufwärtsbewegung zu erkennen, trotz der extreme Steilheit des Trends.

Politische Börse

Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe

Was aber steckt fundamental hinter den überraschenden Kursanstiegen? Die neue Regierung unter Ministerpräsident Shinzo Abe scheint wild entschlossen, aus der nunmehr seit Jahrzehnten andauernden Deflationsfalle mit einem Nullzinsniveau auszubrechen. Um dieses Ziel zu erreichen, kündigte zuletzt auch die Bank of Japan an, ihre Geldpolitik noch weiter zu lockern. Da die von der Regierung abhängige Notenbank schon seit Jahren alle Zinspfeile verschossen hat, dürfte sie mit weiteren quantitativen Lockerungen dem Beispiel der amerikanischen Fed folgen und die Wirtschaft mit Geld fluten.

Yen knickt (endlich) ein

Euro in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
132.60
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US-Dollar in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
103.26
Differenz absolut
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Alles schon mal da gewesen, werden Skeptiker sagen, das ist nur ein Strohfeuer, wie so viele bevor. Abe ist schließlich nicht der einzige Politiker, der auf dieser Welle geritten ist seit dem Zusammenbruch der japanischen Immobilienblase in den frühen 90er-Jahren. Diese Blase hatte den Nikkei in den achtziger Jahren in atemberaubende Höhen geführt, bis hin zum Rekordhoch von 38.916 Zählern im Dezember 1989.

Diesmal aber, so scheint es, stellt sich ein höchst nützlicher "Nebeneffekt" ein, den es bisher nicht gab. Die Landeswährung Yen schient sich (endlich, aus heimischer Sicht) abzuschwächen. Bisher schien der Yen nämlich trotz aller Deflations- und Verschuldungsprobleme Nippons einfach nicht kleinzukriegen. Denn die sparsamen Japaner finanzieren seit Jahren klaglos das riesige Staatsdefitzit des Landes, das mittlerweile bei über 200 Prozent der Wirtschaftsleistung liegt. Von Konsumexzessen wie in Amerika keine Spur.

Aktuell aber scheint sich das Blatt gewendet zu haben, Euro und Dollar steigen kontinuierlich zum Yen und verbessern damit die Absatzchancen für die japanische Exportindustrie. Mussten für den US-Dollar im September 2012 noch 77 Yen gezahlt werden, kostet der Greenback mittlerweile schon 92 Yen und steht damit auf dem höchsten Stand seit dem ersten Halbjahr 2010. Auch der Euro verteuert sich in diesem Zeitraum von 100 auf 126 Yen. Kein Wunder also, dass die Börse Morgenluft schnuppert, sprich höhere Unternehmensgewinne wittert. Zusammen mit der langsamen Erholung in China, dem immer wichtiger werdenden Exportmarkt für Japans Industrie, eine brisante Mischung, die wie ein Treibsatz wirkt.

Kann Abe den gordischen Knoten zerschlagen?

Ob der Nikkei jemals wieder seine historischen Höchststände von 1989 erreichen wird, erscheint aber trotzdem fraglich. Zu groß ist ist der absolute Abstand zu diesen Niveaus aus einer Zeit, als der mitten in Tokio liegende Kaiserpalast die teuerste Immobilie der Welt und kein Golfplatz der Welt vor japanischen Käufern sicher war. Ein erster Anfang aber könnte gemacht sein, und die Börse nimmt solche Veränderungen immer schon weit voraus.