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China

Stark lädierte chinesische Flagge

Industrie schrumpft

China macht's schon wieder

Stand: 01.09.2015, 09:53 Uhr

Erneut deuten Zahlen auf eine Abschwächung der chinesischen Wirtschaft hin. Danach kann der Dienstleistungssektor im August zwar zulegen, verliert aber an Schwung. Ernste Sorgen bereitet die Industrie.

Der endgültige Caixin/Markit-Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Industrie, der sich auf private und mittelständische Unternehmen konzentriert, ging auf 47,3 Punkte zurück von 47,8 im Juli. Das ist das niedrigste Niveau seit März 2009. Ein Wert von mehr als 50 Punkten signalisiert Wachstum, einer unter 50 bedeutet Schrumpfung. Es ist bereits der sechste Monat in Folge, in dem ein Rückgang verzeichnet wird.

Auch nach der staatlichen Erhebung, die ebenfalls am Dienstag veröffentlicht wurde, ging die Industrieproduktion im August auf 49,7 zurück, nach 50,0 im Juli. Das ist der tiefste Stand seit drei Jahren. Entsprechend schrumpft auch die Beschäftigungszahl in der Industrie, den 22. Monat in Folge.

Dienstleistungssektor wächst langsamer

Wie von der Regierung beabsichtigt konnte der Dienstleistungssektor im August weiter zulegen. Doch auch dieser Bereich verliert an Schwung. Der entsprechende Caixin/Markit-Einkaufsmanagerindex erreichte 51,5 Punkte, nachdem im Juli noch 53,8 erreicht wurden. Laut der offiziellen Statistik zeigte sich der Dienstleistungssektor dagegen robust und erreichte 53,4 Punkte.

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Beide Daten sind allerdings mit größter Vorsicht zu genießen. Zwar deutet tatsächlich vieles auf eine Abkühlung der chinesischen Konjunktur hin, doch sind die schwachen Werte im August teilweise auch anderen Faktoren geschuldet. So haben die Explosionen in Tianjin, einem der wichtigsten Häfen des Landes, die Wirtschaft geschwächt. Zudem waren wegen des Anti-Smog-Plans in Peking aus Anlass der Leichtathletikweltmeisterschaft und der Militärparade zum 70. Jahrestag des Kriegsendes viele Fabriken geschlossen.

Weniger Wachstum erwartet

Auch ist der Rückgang der energieintensiven und umweltschädlichen Schwerindustrie politisch gewollt. Trotzdem dürfte die chinesische Wirtschaft in diesem Jahr das von der Regierung anvisierte Wachstum von sieben Prozent verfehlen. Nach Angaben des Vizechefs des chinesischen Planungsrats muss das Land hart daran arbeiten, die Wachstumsziele für 2015 zu erreichen. Dies wird vo Experten als ein Zugeständnis für eine Abkühlung der chinesischen Konjunktur gewertet.

Nach Ansicht der Volkswirte der japanischen Bank ANZ "könnte das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal angesichts der schleppenden Aktivität im Sommer unter 6,5 Prozent fallen".

Sie plädieren für eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Die Führung in Peking hat ihr Ziel für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf 7,0 Prozent gedrückt. 2014 lautete es noch 7,4 Prozent. Einige Experten vermuten jedoch, dass die tatsächlichen Wachstumsraten bereits jetzt deutlich niedriger sind.

Verunsicherung wächst

An den Märkten haben die neuen Zahlen erneut für schlechte Stimmung gesorgt. Der Dax in Frankfurt wird deutlich schwächer erwartet, ist doch die exportabhängige deutsche Wirtschaft von einer Abkühlung der Konjunktur in Deutschland stets besonders betroffen.

Über die Lage der chinesischen Wirtschaft will Japans Finanzminister Taro Aso auch beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer Ende der Woche in Ankara sprechen. Eine offene Diskussion mit seinen G20-Kollegen darüber sei nützlich, sagte Aso nach einer Kabinettssitzung in Tokio. Immerhin ist China Japans größter Handelspartner.

lg

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