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Hintergrund

Stark lädierte chinesische Flagge

Was Anleger jetzt wissen müssen

Fragen und Antworten zu China

Stand: 07.01.2016, 15:59 Uhr

In nur wenigen Tagen im neuen Jahr hat China gleich zwei Börsencrashs erlebt. Wie es dazu kommen konnte und was die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und Deutschland sind, erklärt boerse.ARD.de.

Warum stürzen die Kurse in China ab?

Ursprünglicher Auslöser für den jüngsten Kursrutsch in China waren enttäuschende Konjunkturdaten. Sie deuten auf eine weitere Abschwächung des Wirtschaftswachstums hin. Hinzu kam die Sorge vor einem großen Ausverkauf an Chinas Börsen. Am Freitag sollte eigentlich das sechsmonatige Verkaufsverbot für Großanleger auslaufen. Viele Anleger befürchteten offenbar, dass es zu einer Verkaufswelle kommt - und trennten sich von ihren Titeln. Aus Angst vor dem Crash entstand also ein Crash!

Nun wird das Verkaufsverbot in abgemilderter Form verlängert: Großaktionäre dürfen künftig nur alle drei Monate maximal ein Prozent ihrer Anteile an einem Unternehmen verkaufen. Die Verkäufe müssen sie zudem 14 Tage im voraus ankündigen. Die erneute Abwertung des chinesischen Yuan (Renminbi) durch die chinesische Zentralbank löste ein zweites Börsenbeben binnen weniger Tage aus. Sie schürte die Furcht vor einer weiteren Konjunkturabkühlung im Reich der Mitte und einer Kapitalflucht aus China. Experten sind verunsichert. So fragt sich Jochen Stanzl von CMC Markets, warum die chinesische Regierung es so eilig habe, den Yuan immer schneller abzuwerten. "Die Regierung könnte etwas wissen, was die Märkte noch nicht wissen."

Droht China eine Rezession?

Nein, überhaupt nicht. China wird kein neues Brasilien oder Russland. Das Wirtschaftswachstum wird sich lediglich etwas abflachen. Statt offiziell sieben Prozent wird die chinesische Wirtschaft künftig wohl nur noch um etwas mehr oder etwas weniger als sechs Prozent zulegen. Für 2015 geht die Regierung in Peking von einem Wachstum von 6,8 Prozent aus. Die Wirtschaft Chinas soll künftig weniger auf Export und mehr auf den Binnenkonsum ausgerichtet werden. Dieser Umbau belastet die Konjunktur. Auch wenn die offiziellen Wachstumszahlen angezweifelt werden können - von einer Rezession ist die chinesische Wirtschaft weit entfernt.

Geht der Weltwirtschaft wegen China jetzt die Puste aus?

Das ist bisher (noch) nicht zu sehen. Die Weltwirtschaft wird in diesem Jahr voraussichtlich um 2,9 Prozent zulegen, prophezeit die Weltbank. 2015 lag das Plus nur bei 2,4 Prozent. Allerdings sei das Risiko von Rückschlägen erheblich, räumte die Weltbank ein. Die Volksrepublik ist neben den USA die größte Lokomotive der Weltwirtschaft. Etwa 15 Prozent der globalen Wirtschaftsleistungen werden dort erwirtschaftet.

Wie stark trifft der China-Crash die deutsche Wirtschaft?

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ARD-Börse: Dax fällt unter die 10.000

China ist für die stark exportorientierten Unternehmen in Deutschland ein sehr wichtiger Absatzmarkt. Vor allem die deutschen Autobauer hängen stark am China-Geschäft. Eine Konjunkturflaute würde sie hart treffen. Schon jetzt nehmen die deutschen Exporte nach China ab. In den ersten zehn Monaten 2015 schrumpften sie um über vier Prozent. Im Gesamtjahr 2015 könnten die deutschen Exporte erstmals seit 1997 zurückgehen. Unter den Dax-Werten ist VW am stärksten abhängig von China: Über ein Drittel des Umsatzes, nämlich 37 Prozent, werden in der Volksrepublik erwirtschaftet. Bei BMW ist der Umsatzanteil bei 19 Prozent, bei Daimler 17 Prozent. Auch Adidas steckt ein China-Risiko. Der Sportartikler macht zwölf Prozent seiner Erlöse im Reich der Mitte.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
134,35
Differenz absolut
-3,60
Differenz relativ
-2,61%

nb

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