Seitenueberschrift

Rote Limusine geht im Wasser unter

Neue Subprime-Krise durch Autokredite?

Braut sich da was zusammen?

Stand: 20.04.2017, 11:47 Uhr

Haben die Amerikaner aus der Finanzkrise nichts gelernt? Zwar verdienen die Banken längst wieder Milliarden, doch bei der Vergabe von Autokrediten zeigen sie sich erstaunlich großzügig. Das Volumen schwillt stetig an - und mit ihm auch die Risiken. Braut sich hier was zusammen?

Fakt ist, dass die Kreditvergabe zur Finanzierung eines Autokaufs stetig steigt. Den neuesten Zahlen der Federal Reserve Bank of New York zufolge ist das Volumen aller bestehender Autokredite in den USA bis Ende Februar auf 1,157 Billionen Dollar gestiegen, 93 Milliarden mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Sogenannte "Buy here-pay here"-Händler (hier kaufen - hier bezahlen) lieferten zum gewünschten Wagen auch gleich die passende Finanzierung - ohne die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden genau zu überprüfen. Auf diese Weise bekämen auch immer mehr Menschen einen Autokredit, die nur über ein geringes oder gar kein Einkommen verfügten, und an anderer Stelle nie einen Kredit bekommen hätten.

Schlechte Bonität

So sind im zweiten Quartal 2016 bereits 36 Prozent der Autokredite an Personen mit schlechter Bonität vergeben worden, Anfang 2010 waren es noch 30 Prozent. Das entspricht einem Anstieg von 22 Prozent. Für die Experten des Fachportals Kreditvergleich.net eine gefährliche Entwicklung.

Zwar liege der prozentuale Anteil der Subprime-Autokredite am Gesamtkreditvolumen zuletzt mit 31,7 Prozent unter den Werten von vor der Finanzkrise, allerdings wiege das gestiegene Volumen der gefährdeten Kredite schwerer als die prozentuale Reduzierung des Anteils an vergebenen Krediten, erklärt Marc Opitz, Kreditexperte des Portals Kreditvergleich.net.

Automarkt USA. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

45 Milliarden Dollar

Den Zahlen zufolge wurden bis Ende letzten Jahres Autokredite im Wert von 45 Milliarden Dollar von insgesamt 142 Milliarden Dollar an Kunden mit geringer oder schlechter Bonität vergeben. Bei mehr als der Hälfe des Kreditvolumens (insgesamt 23 Milliarden) sind die Raten bereits mindestens 30 Tage überfällig. Darin enthalten sind überdies acht Milliarden Dollar Kreditvolumen, bei denen die Zahlungen bereits mindestens 90 Tage überfällig sind.

Droht den USA also eine neue Subprimekrise? Tatsächlich verfügen Amerikas Banken heute über ein weitaus dickeres Eigenkapitalpolster als noch vor zehn Jahren, unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise. Auch machen die Autokredite nach den Berechnungen der Experten nur rund 31,7 Prozent aller in den USA vergebenen Kredite aus - weniger als vor der Finanzkrise 2007. Selbst wenn davon 20 Prozent aufgrund mangelnder Bonität ausfallen würden, hätten die allermeisten US-Banken keine Mühe, die Ausfälle aufzufangen.

SUVs beim Autohändler

Automarkt USA. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Amis sind auf ihr Auto angewiesen

Nach Ansicht des Portals Kreditvergleich.net muss es dazu auch nicht kommen. In den USA seien 86 Prozent der arbeitenden Bevölkerung auf ein Auto angewiesen. Für sie sei der Verlust des Autos eine erhebliche Bedrohung, da damit auch der Verlust des Arbeitsplatzes drohe. Viele Amerikaner würden daher eher das Essen mit Kreditkarte bezahlen oder eine Mietzahlung in Rückstand geraten als den Autokredit nicht zu bedienen, heißt es.

Die Folgen einer platzenden Blase auf dem Autokreditmarkt wären also nicht so gravierend wie seinerzeit bei den Immobilienkrediten, doch welche Wellen da über den großen Teich zu uns schwappen, könne nicht mit Sicherheit gesagt werden, erklärt Marc Opitz, der Autor der Studie. "Einen positiven Einfluss auf unsere Wirtschaft werden sie aber mit Sicherheit nicht mit sich bringen", sagt er.

lg

Darstellung: