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Anleger fürchten Berlusconi-Comeback

Bitte nicht noch mehr Bunga-Bunga!

von Angela Göpfert

Wenn man seinen Namen bei Google eingibt, tauchen ganz oben Schlagzeilen auf wie "Sex-Prozess fortgesetzt" und "Zeugin leugnet Bunga-Bunga". Als Verfechter einer soliden Finanzpolitik hat sich Silvio Berlusconi hingegen keinen Namen gemacht. Kein Wunder, dass die Börse auf seine erneute Kandidatur wenig begeistert reagiert.

Silvio Berlusconi unterhält sich mit dem einstigen Showgirl und Nacktmodell Mara Carfagna

Silvio Berlusconi unterhält sich mit dem einstigen Showgirl und Nacktmodell Mara Carfagna

Was die Börse von Berlusconis Comeback-Plänen hält, lässt sich an der Reaktion des italienischen Aktienmarkts in aller Deutlichkeit ablesen: Der italienische Leitindex Financial Times Stock Exchange Milano Italia Borsa, kurz FTSE MIB, bricht um bis zu 3,0 Prozent ein.

Auch der Anleihemarkt sendet eindeutige Signale: Die Renditen für zehnjährige italienische Anleihen ziehen kräftig an, während Bundesanleihen als sicherer Anlagehafen für viele Investoren wieder höher im Kurs stehen. Selbst die europäische Gemeinschaftswährung knickt zeitweise deutlich ein.

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Nur die Ruhe vor dem Sturm?
Kein Wunder, taucht mit der Rücktrittsankündigung von Italiens Ministerpräsident Mario Monti und der erneuten Kandidatur von Monti-Vorgänger Silvio Berlusconi doch wieder ein Problem an den Finanzmärkten auf, das schon beinahe vergessen schien.

Angesichts niedriger Renditeaufschläge war Italien nahezu vollständig von den Radarschirmen der Devisen-, Anleihen- und Aktienhändler verschwunden. War das nur die Ruhe vor dem Sturm?

Wackelt nun das Rating?

"Jede Infragestellung der Sparbemühungen Italiens ist für die italienischen Anleihen Gift", erklärt ein Händler. Zuletzt hatten viele Anleger Anleihen aus der Euro-Zonen-Peripherie gekauft und Positionen aufgebaut. Diese Entwicklung könnte sich nun umkehren und die Anleihen zusätzlich unter Druck setzen, warnte der Händler.

Tatsächlich könnte schon bald auch Italiens Rating wieder zur Disposition stehen. Zwar wird Italien zurzeit – etwa mit der Note "A-" von Fitch - noch wesentlich besser beurteilt als Spanien mit "BBB" oder gar Griechenland mit seinen "B-"-Ramschpapieren. S&P und Moody's sehen dies ähnlich.

Klischees, die wirken

Doch dieses vergleichsweise positive Votum der Ratingagenturen steht und fällt mit Monti und seinem konsequentem Sparkurs. "Galt doch die Berlusconi-Ära in der Wahrnehmung des Marktes als Zeit nicht-nachhaltiger Fiskalpolitik, während Monti für den struktur- und fiskalpolitischen Wandel stand", erklärt Ulrich Leuchtmann.

Der Devisen-Experte der Commerzbank kann vor diesem Hintergrund die Ängste der Anleger ob des Berlusconi-Gespenstes durchaus nachvollziehen: "Ob solche Klischees der politischen Realität entsprechen, sei dahingestellt. Im Markt wirken sie", betont Leuchtmann.

Nagelprobe zur Wochenmitte

Wie ernst die Börse die Italien-Probleme nimmt, dürfte sich übrigens schon diese Woche weisen. Die anstehenden Anleiheauktionen dürften sich als Nagelprobe erweisen. Denn Italien will die Auktion von Schuldtiteln mit einjähriger Laufzeit mit einem Volumen von insgesamt über 6,5 Milliarden Euro am Mittwoch sowie die Emission von Drei-Jahres-Papieren am Donnerstag wie geplant durchziehen.

Von diesen Auktionen dürfte eine große Signalwirkung nicht nur für die italienischen Bondmärkte, sondern auch für die Aktienmärkte in ganz Europa ausgehen. Um die Ausgangsbedingungen des italienischen Aktienmarkts ist es dabei nicht ganz so hervorragend bestellt.

Bank-Aktien unter Druck

Intesa San Paolo: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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UniCredit: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zwar jubelte "Focus Money" noch im September "Dolce Vita an der Börse – trotz Krise" und empfahl "nicht nur risikobereiten Anlegern", sie sollten Aktien "Made in Italy" im Auge behalten. Doch seither hat sich das Bild deutlich gewandelt.

Während der Dax erst am vergangenen Donnerstag ein neues Jahreshoch markieren und binnen drei Monaten 3,8 Prozent zulegen konnte, befindet sich der FTSE MIB seit Mitte September im Rückwärtsgang. Im Drei-Monats-Zeitraum büßte der italienische Leitindex 5,6 Prozent ein.

Mal wieder entpuppten sich Bank-Aktien als hervorragendes Krisenbarometer: So büßten UniCredit-Papiere im betrachteten Zeitraum 6,6 Prozent ein, für Aktien des zweitgrößten italienischen Bankhauses, Intesa Sanpaolo, ging es sogar um 10,8 Prozent bergab. Von wegen "Dolce Vita an der Börse - trotz Krise".