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Griechenland

Parthenon in Athen, Griechenland

Rekord-Kurssturz

Ausverkauf in Athen

Stand: 03.08.2015, 09:38 Uhr

Zu ihrer Wiedereröffnung nach fünf Wochen Zwangsschließung verzeichnet die Börse in Athen einen Rekord-Kurssturz. Eine Branche leidet ganz besonders.

Der griechische Leitindex Athex Composite stürzt zur Eröffnung am Montag um 22,9 Prozent auf 615 Punkte ab. Das ist der größte Kurssturz in seiner Geschichte. Am 26. Juni war er mit 797 Punkten aus dem Handel gegangen. Die fünfwöchige Zwangspause war die längste Handelsaussetzung seit den 1970er Jahren.

Weiterer Kurssturz in Sicht?

Von den 60 größten und umsatzstärksten Unternehmen an der Athener Börse notiert keine einzige Aktie im Plus. Besonders hart trifft es erwartungsgemäß die Inhaber von Banken-Titeln. Der griechische Bankenindex bricht um 29,9 Prozent ein. Das ist ebenfalls ein Rekord-Kurssturz.

"Es gibt noch nicht ausgeführte Verkaufsorders im Volumen von 100 Millionen Euro", sagte Anlageberater Theodore Mouratidis. Daher müsse für Dienstag mit einem weiteren Kursrutsch gerechnet werden, falls nicht einige Anleger die Gelegenheit zum Einstieg nutzten.

Extremer Nachholbedarf

Die Inhaber griechischer Aktien hätten über Wochen nicht auf schlechte Nachrichten reagieren können und daher gebe es nun einen entsprechenden Nachholbedarf, sagten Händler.

Allerdings läuft der Handel auch weiterhin nur eingeschränkt: Wie sich aus einem Erlass des Finanzministeriums ergibt, werden die Griechen bis auf Weiteres nur dann Aktien kaufen können, wenn sie dafür Geld aus dem Ausland ins Land bringen oder Bargeld dafür zahlen. Zudem wird die Handelsaussetzung von Aktien erleichtert.

Eine Frau öffnet eine Tür zur Börse in Athen

Eine Frau öffnet eine Tür zur Börse in Athen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Wirtschaft am Tiefpunkt

Seit Ende Juni hat sich die Lage der griechischen Wirtschaft dramatisch verschlechtert. Der Markit-Einkaufsmanagerindex für Griechenland ist auf ein Rekordtief von 30,2 Prozent eingebrochen. Die Indizes für Produktion, Auftragseingang und auch für das Exportneugeschäft sackten auf die tiefsten Werte seit Beginn der Erhebung im Jahr 1999.

Zu allem Übel machen die Verhandlungen um ein drittes, 86 Milliarden Euro schweres Hilfsprogramm für das schwer angeschlagene Euroland anscheinend nur wenig Fortschritte. Aufgrund der großen Differenzen wird die Zeit für eine Einigung knapp.

ag

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