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Jacob Zuma

Politische Turbulenzen in Südafrika

Anleger flüchten aus dem Rand

Stand: 05.04.2017, 14:23 Uhr

Gerade erst hatten Investoren wieder Vertrauen in Südafrika gefasst. Der Rand zählte in den letzten Monaten zu den besten Schwellenländer-Währungen. Nun aber hat der Rauswurf des Finanzministers durch Präsident Zuma die Rand-Rally gestoppt.

Die südafrikanische Währung gab in den letzten Tagen kräftig nach. Seit dem Montag vergangener Woche stürzte der Rand um gut zehn Prozent gegenüber dem Euro und dem US-Dollar ab. Erst gestern endete die sechstägige Talfahrt. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen kletterte von 8,3 auf über neun Prozent.

Der radikale Umbau des südafrikanischen Kabinetts, insbesondere die Entlassung des im Ausland angesehenen Finanzministers Pravin Gordhan, hatte die Investoren verschreckt. Gordhan galt als Hüter der Ausgabendisziplin in Südafrika. Er blockierte die von Präsident Jacob Zuma angestrebte zügellose Erhöhung der Staatsausgaben. Vor kurzem hatte Gordhan noch beim G20-Gipfel der Finanzminister in Baden-Baden teilgenommen und hatte in Frankfurt eine Rede gehalten.

S&P senkt Südafrika auf "Ramschniveau"

Aus Sorge um die wirtschaftliche Zukunft Südafrikas senkte die Ratingagentur S&P die Kreditwürdigkeit des Landes von "BBB" auf "BB+", also Ramschniveau. Die Abberufung von Gordhan berge ein Risiko für die Haushaltspolitik des Landes, begründete die Ratingagentur ihren Schritt.

Noch dramatischer könnte die Lage werden, wenn die Ratingagentur Fitch S&P folgt und Südafrika ebenfalls auf Ramsch-Niveau abstuft. "Wenn es nun nicht zu einer Revolte in Zumas Partei gegen den Präsidenten kommt, drohen Herabstufungen", meint die BayernLB. Senken zwei Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit auf Ramsch, müssten gemäß üblicher Regeln große institutionelle Anleger ihr Geld abziehen.

Wirtschaft könnte leiden

Das würde Südafrikas Wirtschaft hart treffen. Sie ist stark von Auslandskrediten abhängig. Das Land leidet unter einem chronischen Leistungsbilanzdefizit. Ein Großteil der Auslandsschulden ist zudem in Dollar notiert. Wertet der Rand ab, müssen die Südafrikaner also mehr von ihrer eigenen Währung zurückzahlen. Das Land ist jetzt schon angeschlagen. Im vierten Quartal 2016 schrumpfte die Wirtschaft gegenüber dem Vorquartal.

Gordhans Nachfolger Malusi Gigaba gilt als unerfahren in Finanzdingen. Der frühere Innenminister hat Sozialwissenschaften studiert. Der Zuma-Freund fordert eine Vermögensumverteilung. Außerdem will er den teuren Bau von neuen Atomkraftwerken vorantreiben.  

Druck auf Zuma wächst

Die der regierenden ANC nahestehende Gewerkschaft und die Oppositionsparteien forderten Zuma zum Rücktritt auf. Selbst innerhalb der ANC gab es heftige Kritik am Vorgehen Zumas. Der Präsident versuchte zu beschwichtigen und versicherte am Dienstag, dass es keine Wende in der Fiskalpolitik geben werde. Daraufhin stabilisierte sich der Rand.

Die eigenwilligen Entscheidungen Zumas erinnern fatal an die Situation im Dezember 2015. Damals hatte Zuma den international beliebten Finanzminister Nhlanhla Nene abgesetzt und durch einen Hinterbänkler ersetzt. Damit löste er eine Panik an den Finanzmärkten aus. Zuma musste einlenken und ernannte den erfahrenen Gordhan zum Finanzminister.

Auf Jahres-Sicht ist Rand noch stark

Seither hat sich der Rand spürbar erholt – auch dank der wieder anziehenden Rohstoffpreise. Die südafrikanische Währung wertete gegenüber dem Dollar auf Ein-Jahres-Sicht rund zehn Prozent auf. Gegenüber dem Euro legte der Rand auf Ein-Jahres-Sicht sogar gut 17 Prozent zu. Anfang 2016 kostete ein Euro noch mehr als 18 Rand, jetzt sind es nur noch knapp 14,70 Rand. Freilich: Auf Drei-Jahres-Sicht hat der Rand deutlich abgewertet.

Auch wenn Rand-Anleihen in Lokalwährung zuletzt gut gelaufen sind, sollten sich Anleger der hohen politischen Risiken bewusst sein. Langfristig gesehen ist und bleibt der Rand eine Weichwährung.

nb

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