Spanische Flamenco-Tänzerin

Ibex hängt Dax & Co ab An der spanischen Börse tanzen die Kurse

von Notker Blechner

Stand: 08.06.2017, 08:26 Uhr

Auf der iberischen Halbinsel ist das Schlimmste überstanden. Kein Land in der Eurozone wächst derzeit so stark wie Spanien. Die brummende Konjunktur treibt auch die spanische Börse an. Der Ibex 35 befindet sich im Höhenflug.

Was seit Jahren die spanischen Fußballklubs wie Real Madrid und FC Barcelona schaffen, ist nun auch der spanischen Börse in diesem Jahr gelungen: sie spielt europaweit ganz vorne mit. Seit Anfang 2017 hat der spanische Leitindex Ibex 35 gut 16 Prozent zugelegt - und andere große Indizes wie den EuroStoxx 50 oder den Dax abgehängt. Der EuroStoxx 50 und der französische Cac 40 stiegen lediglich um neun Prozent, der Dax kletterte um zehn Prozent nach oben. Einzig der österreichische ATX und der griechische Leitindex verzeichneten noch stärkere Zuwächse als der Ibex 35.

Noch viel Luft nach oben

Im März knackte der spanische Leitindex die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten. Im Mai wurde gar zeitweise die nächste runde Schwelle von 11.000 Zählern überwunden. Experten-Meinungen zufolge gibt es noch reichlich Luft  nach oben. Vom Rekordhoch von 15.945 Punkten Ende 2007 ist der Ibex 35 noch weit entfernt.

Spaniens Wirtschaft wächst rasant

Die Zuversicht an der Börse spiegelt die guten Konjunkturaussichten wider. Die spanische Wirtschaft wächst nämlich so stark wie seit Jahren nicht mehr - 2016 um satte 3,2 Prozent. In diesem Jahr dürfte das Plus bei voraussichtlich 2,8 Prozent liegen und damit erneut deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Das BIP der Eurozone wird 2017 Schätzungen zufolge um 1,6 Prozent zulegen.

Die Arbeitslosenquote in Spanien ist inzwischen wieder deutlich gesunken - auf 17 Prozent. Vor gut fünf Jahren auf dem Höhepunkt der Krise hatte die Quote noch bei 26 Prozent gelegen. Dementsprechend optimistischer blicken die Spanier in die Zukunft. Laut Daten des Meinungsforschungsinstituts Metroscopia sind inzwischen mehr als zwei Drittel der Bevölkerung zuversichtlich gestimmt. 2013 hatte noch der Pessimismus überwogen.

Die Verbraucherstimmung hat sich spürbar aufgehellt. Die Spanier konsumieren wieder mehr. "Die Straßencafés und Restaurants sind wieder voll wie in Vorkrisenzeiten", berichtet die Presse.

Immoblienpreise ziehen wieder an

Auch die Immobilienkrise scheint überwunden. Laut BNP Paribas sind die Häuserpreise seit den Tiefs im Jahr 2008 um gut 40 Prozent angezogen. Das entlastet auch die Banken, die noch immer unter einem großen Anteil fauler Immobilienkredite leiden. Durch ihre lockere Vergabe von Krediten hatten die Geldinstitute mit zur Immobilienblase beigetragen, die vor gut neun Jahren platzte.

Die Lohnzurückhaltung in den letzten Jahren hat die spanische Exportwirtschaft international etwas wettbewerbsfähiger gemacht. Hinzu kommen der schwache Euro und der niedrige Ölpreis, die die spanischen Exporte beflügelt haben. Auch die Konjunkturerholung in Lateinamerika, vor allem in Brasilien, machte sich positiv bemerkbar.

Minderheitsregierung überraschend stabil

Und selbst politisch herrscht in Spanien wieder Stabilität. Nachdem sich 2016 monatelang die vier großen Parteien auf keine Koalition einigen konnten und die Neuwahlen im Sommer 2016 ebenfalls keine klaren Verhältnisse brachten, hat der konservative Premierminister Mariano Rajoy eine Minderheitsregierung gebildet, die sich erstaunlich handlungsfähig zeigte. Sie treibt die Strukturreformen voran.

Allerdings könnten die zahlreichen Korruptionsaffären die Regierung wieder zu Fall bringen. Vertreter der regierenden PP-Partei sollen jahrelang Schmiergelder kassiert und Firmen dafür bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen bevorzugt haben. Die Oppositionspartei Podemos hat Ende Mai einen Misstrauensantrag gegen Premier Rajoy ins Parlament eingebracht, der aber scheitern dürfte. Der Widerstand der Opposition gegen Rajoy könnte aber in den nächsten Monaten zunehmen – vor allem wegen der Rückkehr des streitbaren Pedro Sanchez an die Spitze der Sozialistischen Partei. Beobachter schließen vorgezogene Neuwahlen vor 2020 nicht aus.

Anleger entdecken wieder spanische Aktien

Noch aber sind die Anleger positiv gestimmt für spanische Aktien: "Wir halten das Land aus makroökonomischer Sicht für besonders attraktiv", sagte jüngst Antoine Pocheret, Aktienstratege von BNP Paribas gegenüber der "Handelszeitung". Die starke konjunkturelle Entwicklung sei noch nicht vollständig am spanischen Aktienmarkt eingepreist. "Seit Ende 2014 lief der Ibex 35 etwa 15 Prozent schlechter als andere Länderindizes der Eurozone", meint Pocheret.

Anteil der Top-10-Firmen an der Marktkapitalisierung

Anteil der Top-10-Firmen an der Marktkapitalisierung. | Bildquelle: Magallanes, Factset, Grafik: boerse.ARD.de

Zu den Outperformern der letzten Monate zählten die Bank-Aktien. Die Papiere der Banco Santander zum Beispiel gewannen seit Jahresanfang rund 18 Prozent. Auf Ein-Jahres-Sicht beträgt das Kursplus gar über 40 Prozent.

Banken und Mode treiben die Börse

Besonders anziehend sind auch die Aktien von Inditex. Die Titel der Zara-Mutter sind seit einem Jahr um über 23 Prozent gestiegen und von Rekordhoch zu Rekordhoch gestürmt. Inditex gehört neben den Banken zu den Schwergewichten der Madrider Börse. "Die Top-10-Firmen machen zwei Drittel der Marktkapitalisierung des Ibex 35 aus", sagt Otto Kdolsky, Analyst der spanischen Fondsgesellschaft Magallanes Value Investors.

Das führt dazu, dass die nicht so schwergewichtigen Aktien und die Papiere aus der zweiten Reihe von Investoren ignoriert werden. "24 Prozent der spanischen Aktien werden von Analysten nicht gecovert", weiß Kdolsky. Zum Vergleich: Bei europäischen Aktien sind es nur 2,5 Prozent. Der Magallanes-Analyst findet daher einige attraktive spanische Aktien abseits vom Ibex 35. Besonders Firmen in Familienbesitz mag er. Davon gibt es viele. "43 Prozent der spanischen Aktien werden von strategischen Investoren, darunter oft Familien, gehalten."

Bremsen, Rioja und Papier für die Bibel

Zu seinen aktuellen Favoriten gehören der Bremshersteller Lingotes Especiales, der Schwimmbad-Betreiber Fluidra und der Spezialpapier-Hersteller Miquel y Costas & Miquel. "Miquel hat sich eine lukrative Nische erschlossen und produziert Feinpapiere für Zigarren und die Bibel." Die Aktien von Lingotes, Fluidra und Miquel sind in den letzten zwei Jahren kräftig angezogen. Ähnlich gut lief es für den Weinhersteller Baron de Ley. Der Aktienkurs des Rioja-Marktführers hat sich in den letzten vier Jahren mehr als verdoppelt.

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Amadeus

Spanien lockt nicht nur Millionen von Touristen an, sondern hat auch einen Konzern, der kräftig im Reisemarkt mitmischt. Amadeus ist Weltmarktführer für Flugreservierungssysteme. Die Aktien haben sich in den letzten vier Jahren mehr als verdoppelt. Auf Ein-Jahres-Sicht beträgt das Plus gut 22 Prozent. Mit der jüngsten Übernahme der US-Firma Navataire will Amadeus seine Neuausrichtung zum weltweit führenden Anbieter von IT-Lösungen für die Luftfahrt- und Reiseindustrie beschleunigen.

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