Kurstafel an der Börse von Doha, Qatar

Nervöse Stimmung am Ölmarkt Katar lässt Finanzmärkte taumeln

Stand: 06.06.2017, 09:14 Uhr

Die Isolation Katars wegen des Verdachts der Terrorfinanzierung dürfte den Ölpreis unter Druck bringen. Die Aktienkurse in Katar sind es schon.

Die Lage ist besorgniserregend, Anleger sind nervös. Am katarischen Aktienmarkt brachen die Kurse gestern ein. Der katarische Aktienindex QE All Share sank um 7,3 Prozent. Es war der größte Tagesverlust seit Dezember 2014, als ein Streit zwischen dem Emirat und benachbarten Staaten eskalierte, und die Ölpreise kollabierten. Der Index wird dominiert von Finanzwerten, die Aktien der Qatari National Bank wurden am härtesten getroffen.

Auch an den benachbarten Aktienmärkten am Golf gab es Kursverluste. "Unsere Märkte beeinflussen sich gegenseitig", sagt ein Banker aus Dubai. "Als am Morgen die Märkte in Katar öffneten, zogen sich etliche Anleger aus den Wertpapieren zurück. Das hat uns stärker getroffen als üblich." Er hoffe, dass es ein vorübergehender Effekt sei. "Ich persönlich glaube, dass die Märkte bald wieder so sind wie vor der Entscheidung."

Eine Frau spaziert vor der Skyline von Doha, Katar

Streit am Persischen Golf

Um Katar wird es einsam

Katar wird von mehreren Staaten am Persischen Golf isoliert: Grenzen und der Luftraum wurden geschlossen. Etliche Flugzeuge am Persischen Golf bleiben am Boden.

Offiziell richtet sich die Kritik gegen Iran-freundliche Aussagen, die Katar gemacht haben soll. Zudem brachten die Golfnachbarn Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Bahrain sowie deren Verbündete Ägypten und Jemen den Vorwurf vor, Katar finanziere die Terrorgruppe IS. Der Vorwurf ist nicht neu. Im syrischen Bürgerkrieg gilt es als offenes Geheimnis, dass aus Katar Geld an die radikalsten Gegner von Präsident Baschar al-Assad fließt. Zu diesem Ergebnis kam auch ein Bericht der konservativen Foundation for Defense of Democracies aus Washington.

Dennoch halten Beobachter den Terrorvorwurf aus dem Mund etwa der Regierung in Saudi-Arabien für wohlfeil. Auch wenn sich Saudi-Arabien heute öffentlich an die Spitze im Kampf gegen den Terror stellt. So sieht sich das Land bis heute dem Vorwurf ausgesetzt, den Terroristen des IS und von Al-Kaida den Weg bereitet zu haben. Damit drängt sich der Verdacht auf, dass für den Abbruch der Beziehungen zu Katar auch andere Motive eine zentrale Rolle spielen.

Ägypten, Saudi-Arabien, Jemen, Ver. arab. Emirate und Bahrain haben die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen - Landkarte

Ägypten, Saudi-Arabien, Jemen, Vereinigte Arabische Emirate und Bahrain haben die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. | Bildquelle: picture alliance/KEYSTONE

Verflochtene Märkte

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An den Finanzmärkten herrscht nervöse Stimmung. Auch wenn die Börsen gestern in Übersee kaum reagierten - die Wall Street etwa verlor nur 0,1 Prozent - und auch hierzulande die Kursverluste minimal sind. Anleger verfolgen nervös Saudi-Arabiens Aufruf an internationale Unternehmen, Katar zu meiden. Schließlich ist Katar an einer Reihe von Konzernen in Europa beteiligt. In Deutschland sind Investoren aus dem Mini-Staat unter anderem Großaktionäre bei Volkswagen und der Deutschen Bank.

Die diplomatische Krise hat Lieferungen zwar noch nicht beeinträchtigt hat, doch es wird von Panikstimmung in dem Land berichtet. Die Krise erhöht zumindest die Aussichten auf Versorgungsengpässe aus dem Nahen Osten, einschließlich der Opec-Länder Saudi-Arabien, Iran und Katar.

Was ist los am Ölmarkt?

Am Ölmarkt werden Investoren zudem nervös, dass die politischen Spannungen die Bemühungen des Förderkartells Opec untergraben, die Öl-Produktionsmenge zu begrenzen und das weltweit herrschende Überangebot einzudämmen. Der Ölpreis rutschte daher weiter ab. Die richtungsweisende Sorte Brent verbilligte sich um 0,6 Prozent auf 49,19 Dollar je Barrel (159 Liter).

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Mit rund 620.000 Barrel pro Tag ist Katar zwar einer der kleinsten Produzenten innerhalb der Opec. Allerdings sei die Gefahr sehr real, dass die Einigkeit innerhalb des Ölkartells wegen der Spannungen in der Region nun zu bröckeln beginne, sagte Analyst Greg McKenna vom Brokerhaus AxiTrader.

Katar ist außerdem der weltgrößte Exporteur von Flüssigerdgas (LNG). Händler sagten, noch sei es zu früh, um die Auswirkungen des diplomatischen Streits auf die LNG-Lieferungen in der Region abschätzen zu können. Es könnte auch schon bald zu Engpässen im Lebensmittelhandel kommen. Katar mit seinen 2,5 Millionen Einwohnern ist hier stark abhängig von Importen. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien würden bereits keinen weißen Zucker mehr liefern, sagten Insider zu Reuters.

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Wo Katar investiert ist Galerie

Türme der Deutschen Bank vor dunklem Himmel

Deutsche Bank

In Deutschland stieg Katar im Mai 2014 mit gut zwei Milliarden Euro bei der Deutschen Bank ein. Nach offiziellen Angaben hält das Emirat über die Investmentgesellschaften Paramount Services Holdings (British Virgin Islands) und Supreme Universal Holdings (Cayman
Islands) insgesamt 6,1 Prozent der Anteile.

bs

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