ZEW-Konjunkturindex März 2017

Wo bleibt das Risiko-Gefühl? ZEW: Börsianer blenden Gefahren aus

Stand: 14.03.2017, 11:29 Uhr

Die Börsen halten sich angesichts der politischen Risiken in Europa erstaunlich gut. Die Stimmung steigt sogar, wie die allmonatliche Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter Börsenprofis zeigt. Doch nicht ganz so stark wie gedacht.

Kaum zu glauben: Die Börsenexperten blicken mit mehr Optimismus auf die deutsche Wirtschaft als noch vor einem Monat. Das ZEW-Barometer für ihre Konjunkturerwartungen im kommenden halben Jahr stieg im März um 2,4 auf 12,8 Punkte, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) mitteilte. Ökonomen hatten mit einem etwas höheren Wert von 13,1 Punkten gerechnet, nachdem das Barometer im Februar gefallen war.

"Die geringe Aufwärtsbewegung zeigt die derzeitige Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Konjunktur", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. "Die von den bevorstehenden Wahlen in einigen EU-Ländern ausgehenden politischen Risiken halten die Unsicherheit für die deutsche Wirtschaft nach wie vor auf einem relativ hohen Niveau."

Diesen Mittwoch wird in den Niederlanden gewählt, im Frühjahr in Frankreich. In beiden Ländern haben populistische und euro-kritische Parteien Auftrieb.

Die deutsche Wirtschaft macht Tempo

Die Lage wurde von den Börsenprofis ebenfalls etwas besser bewertet. Diese ZEW-Komponente stieg auf 77,3 Punkte im März. Auch wenn hier mit 78 Punkten etwas mehr erwartet worden war: Die deutsche Wirtschaft läuft rund. Sie nahm Ende 2016 sogar deutlich Tempo auf und ist auch gut ins neue Jahr gestartet. So legten Produktion und Exporte im Januar wegen der besseren Weltkonjunktur zu. Die Bundesbank erwartet, dass sich das Wachstum im ersten Quartal beschleunigt.

An den Finanzmärkten machte sich der aktuelle ZEW-Index kaum bemerkbar gemacht. Der Dax tritt weiter auf der Stelle. Der Euro notiert bei 1,0640 Dollar. Das alles beherrschende Thema am Markt bleiben die Weichenstellungen in der amerikanischen Geldpolitik. Morgen wird eine Zinserhöhung erwartet.

Für den ZEW-Index befragt das Mannheimer Institut jeden Monat rund 300 Analysten und institutionelle Anleger nach ihren mittelfristigen Erwartungen zur Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung befragt. Der Index gibt die Differenz der positiven und negativen Einschätzungen für die künftige irtschaftsentwicklung in Deutschland auf Sicht von sechs Monaten wieder.

bs

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Marine Le Pen

Frankreich-Wahl: 23. April (erster Wahlgang) - 7. Mai (Stichwahl)

Die Wahlen in Frankreich sind der größte Angstfaktor. Auch wenn die meisten Börsianer gar nicht davon ausgehen, dass Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National in der Stichwahl am 7. Mai gewinnt. Viel wahrscheinlicher ist, dass ein moderater Kandidat gewinnt. Aber kann man da sicher sein? Schließlich hat letztes Jahr auch niemand an Brexit-Votum und Trump-Wahl glauben wollen. Jedenfalls wäre ein Sieg Le Pens fatal. Sie will Frankreich aus der Euro-Zone nehmen und - wie die Briten - das Volk über einen EU-Austritt abstimmen lassen. Und dann? "Bei einem Frexit wäre die Währungsunion kaum noch zu retten", sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. Analysten der Citigroup rechnen damit, dass ein Sieg Le Pens die Anleihemärkte durcheinanderbringen und das Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone massiv beeinträchtigen würde. Die Angst davor belastet schon seit Wochen die Kurse französischer Staatsanleihen.

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