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Konjunktur

ZEW-Konjunkturindex Mai 2015

Konjunkturerwartungen auf Jahrestief

ZEW: Plötzlicher Pessimismus

Stand: 19.05.2015, 11:26 Uhr

Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten haben sich im Mai überraschend stark eingetrübt. Das verheißt nichts Gutes.

Der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ist im Mai um 11,4 Punkte auf 41,9 Zähler und damit auf den niedrigsten Wert im laufenden Jahr gefallen.

Bankvolkswirte hatten zwar einen Rückgang erwartet, aber nur auf 49,0 Punkte. Im März hatte der Indikator mit 54,8 Punkten noch den höchsten Stand seit Februar 2014 erreicht. Die Lagebeurteilung sank ebenfalls. Sie fiel um 4,5 Zähler auf 65,7 Punkte. Erwartet wurden hier 68,0 Punkte.

Negative Indikation für den Ifo

"Beide Salden liegen allerdings weiterhin auf hohen Niveaus, und so sollte das Szenario einer konjunkturellen Belebung nicht in Frage gestellt werden", kommentierte Helaba-Analystin Viola Julien in einer ersten Reaktion.

Die enttäuschenden ZEW-Daten sind jedoch eine negative Indikation für den am Freitag anstehenden Ifo-Index. Der Ifo-Index ist der wichtigste deutsche Konjunkturindikator, der auch an der Börse zumeist große Beachtung erfährt.

Gelassene Reaktion der Aktienmärkte

»Im Mai korrigieren die Finanzmarktexperten ihre zuletzt optimistischen Erwartungen. Maßgeblich für diese Revision dürften das unerwartet niedrige Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2015 und die Turbulenzen an den Aktien- und Anleihenmärkten sein. Dennoch gehen nach wie vor nur wenige Umfrageteilnehmer von einer tatsächlichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage aus.«

Clemens Fuest, ZEW-Präsident

Dax
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Die Finanzmärkte reagieren auf die enttäuschenden ZEW-Daten überaus gelassen: Dax und EuroStoxx 50 fallen zwar von ihren Tageshochs zurück, können aber das Gros ihrer Kursgewinne eindrucksvoll verteidigen.

ag

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Die wichtigsten Konjunkturindikatoren

Börsenwissen

Ifo-Geschäftsklimaindex

Der weitaus wichtigste konjunkturelle Frühindikator in Deutschland ist der Geschäftsklimaindex des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo). Entsprechend aufmerksam verfolgen auch die Börsianer den Index, der gegen Ende jedes Monats veröffentlicht wird.

Für den Index befragen die Wirtschaftsforscher rund 7.000 deutsche Unternehmen, wie sie die aktuelle Geschäftslage und die Erwartungen für die kommenden sechs Monate einschätzen. Die Gegenwart müssen die Unternehmen mit "gut", "befriedigend" oder "schlecht" beurteilen. Bei dem Blick in die nahe Zukunft darf es gemäß Fragebogen "besser", "gleich" oder "schlechter" laufen. Das Ifo-Institut saldiert die Prozentanteile der positiven und negativen Antworten, gewichtet diese nach Branchen und bildet dann den Mittelwert. Das Ergebnis wird ins Verhältnis zum Basisjahr 1991 gesetzt. Seit Februar 2004 wird der Index für Gesamtdeutschland und nicht mehr getrennt für West- und Ostdeutschland ausgewiesen.

Die Marktteilnehmer blicken fast ausschließlich auf die Veränderung des Gesamtindex im Vergleich zum Vormonat. Steigt der Index, hellt sich die Konjunkturlage in Deutschland auf. Sinkt er, trüben sich die Aussichten ein. Als besonders aussagekräftig gilt die Tendenz über mehrere Monate. Steigt der Ifo-Index drei Mal in Folge, lässt dies einen Konjunkturaufschwung erwarten.

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