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ZEW

ZEW Konjunkturindex Mai 2014: 33,1

Konjunkturoptimismus verpufft

ZEW-Index bricht überraschend stark ein

Stand: 13.05.2014, 11:32 Uhr

Die Situation in der Ostukraine bleibt hochexplosiv. Außerdem kann die deutsche Wirtschaft ihr Wachstumstempo offenbar nicht halten. Die Aussichten für die kommenden sechs Monate bewerten Finanzmarktexperten deutlich schlechter als erwartet.

Das aus einer Umfrage unter 350 Finanzmarktexperten ermittelte ZEW-Barometer sank stärker als vermutet. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) monatlich veröffentlichte Index brach im Mai auf 33,1 Punkte ein, nach 43,2 Punkten im Vormonat. Das war der niedrigste Stand seit Januar 2013 und der fünfte monatliche Rückgang in Folge.

Mit einem solch massiven Einbruch hatten Bankvolkswirte nicht gerechnet. Sie hatten einen wesentlich geringeren Rückgang auf 40,0 Punkte erwartet.

Geht der deutschen Konjunkturlokomotive die Puste aus?

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"Der Rückgang der Konjunkturerwartungen muss vor dem Hintergrund der starken Wirtschaftsentwicklung im ersten Quartal 2014 gesehen werden", lieferte ZEW-Präsident Clemens Fuest als Erklärung. "Es zeichnet sich bereits ab, dass die deutsche Wirtschaft das hohe Wachstumstempo nicht halten kann." Dennoch ist seiner Meinung im laufenden Jahr in der Tendenz immer noch mit einer positiven konjunkturellen Entwicklung zu rechnen.

Deutlich besser bewerteten die Teilnehmer der Umfrage die aktuelle konjunkturelle Lage in Deutschland. Entsprechend stieg der Lage-Index im Mai um 2,6 auf 62,1 Punkte. Das war sogar etwas besser als Bankvolkswirte vermutet hatten. Sie hatten nur mit einem Anstieg auf 60,5 Punkte gerechnet.

Die Lage in der Ostukraine bleibt angespannt

Johannes Jander, Volkswirt bei der Landesbank Hessen-Thüringen, bringt den erneuten Rückgang des ZEW-Index mit der Krise in der Ostukraine in Zusammenhang. Aufgrund der gestiegenen politischen Risiken dort sei er keineswegs überrascht, schreibt er in seinem Kurzkommentar. Generelle Konjunkturzweifel dürften aber nicht aufkommen. Denn der Index befinde sich immer noch auf einem sehr hohen Niveau, schreibt Jander. Außerdem deute auch die bessere Beurteilung der derzeitigen Lage darauf hin.

In Hinblick auf die Europäische Zentralbank, die neuerliche geldpolitische Maßnahmen von weiteren Konjunkturdaten abhängig machen will, schreibt der Helaba-Volkswirt: "Zusätzlicher Druck auf die EZB, im Juni weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen zu beschließen, sollte unseres Erachten aber nicht aufkommen."

Kritischer äußert sich ING-DiBa-Volkswirt Carsten Brzeski. Der neuerliche Rückgang beim ZEW-Index ist für ihn ein Zeichen, dass die Risiken für die Aussichten der deutschen Konjunktur zunehmen.

Der Dax gab nach Bekanntgabe leicht nach und notiert nun noch mit 0,5 Prozent im Plus. Der Euro ist auf 1,3750 Dollar gefallen.

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