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Konjunktur

ZEW-Konjunkturindex Februar 2016

Marktturbulenzen hinterlassen Spuren

ZEW: Börsenprofis sind sorgenvoll

Stand: 16.02.2016, 12:10 Uhr

Dass die Stimmung der Börsenprofis angesichts der jüngsten Marktverwerfungen deutlich gedämpfter sein würde, durfte man erwarten. Die schwache Konjunktur macht es derzeit schwer, optimistisch zu sein.

Im Februar liegt der ZEW-Saldo der Konjunkturerwartungen bei 1,0 Punkten. Im Vormonat hatte der ZEW noch bei 10,2 Punkten gestanden. Fachleute hatten im Schnitt sogar mit einem Sturz auf 0,0 Zähler gerechnet. Zum Vergleich: Der langfristige Mittelwert liegt bei 24,6 Punkten.

Der Saldo der Lageeinschätzungen sinkt von 59,7 Punkten auf 52,3. Hier hatten Experten mit 55,0 Punkten gerechnet. 214 Analysten und institutionelle Anleger  beteiligten sich an der Stimmungsumfrage.

"Aktienkurse in die Knie gezwungen"

Dax
Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9.557,16
Differenz absolut
-699,87
Differenz relativ
-6,82%

"Die sich abzeichnende Abschwächung der Weltkonjunktur und die ungewissen Folgen des Ölpreisverfalls belasten die ZEW-Konjunkturerwartungen. Angesichts dieser Entwicklungen hat die Sorge um erhöhte Kreditausfallrisiken bereits Aktien- und Anleihenkurse vieler Banken in Europa, den USA und Japan in die Knie gezwungen“, kommentiert Prof. Dr. Sascha Steffen, Leiter des Forschungsbereichs "Internationale Finanzmärkte und Finanzmanagement" am ZEW. Der Dax reagierte leicht auf die frischen Konjunkturdaten und weitete seine Verluste etwas aus.   

"Spekulationen auf weitere Lockerungsmaßnahmen der EZB"

Viola Julien, Helaba

Viola Julien. | Bildquelle: Unternehmen

"Spekulationen auf weitere Lockerungsmaßnahmen der EZB dürften vor diesem Hintergrund nicht kleiner werden", kommentiert Helaba-Expertin Viola Julien. "Wenig überraschend haben sich die jüngsten Turbulenzen und die hohe Volatilität an den Finanzmärkten negativ auf die Stimmung der Marktteilnehmer ausgewirkt. Per saldo ergibt sich damit eine belastende Indikation für den ifo-Index, der nächste Woche zur Veröffentlichung ansteht."

"EZB unter Druck"

Christian Lips, Nord/LB

Christian Lips, Nord/LB. | Bildquelle: Unternehmen

"Sollte sich das schlechte Marktsentiment fortsetzen, könnte sich dies negativ auf die Vertrauensindikatoren und damit auf die Realwirtschaft auswirken", meint Nord-LB-Experte Christian Lips. Die EZB gerät bei ihrer Märzsitzung sowohl inflations- als auch konjunkturseitig unter Druck. Es ist jedoch nicht sicher, ob die EZB mit ihrem Instrumentarium noch genügend Impulse zur Beruhigung setzen kann.

"Stimmung schlechter als die Lage"

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank

Thomas Gitzel, Volkswirt bei der VP-Bank, Liechtenstein.

Die Stimmung sei derzeit schlechter als die tatsächliche Lage, meint Thomas Gitzel, Chefökonom bei der VP Bank. "In den USA kann für das 1. Quartal sogar mit einer Wachstumsbeschleunigung gerechnet werden und auch in der Eurozone gibt es Signale, dass sich die Erholung mit etwas gedrosseltem Tempo fortsetzen wird. Die globale Wirtschaftsentwicklung bleibt sicherlich eine Gratwanderung, doch es fehlt an handfesten Beweisen, dass es jetzt bergab geht."

 ts

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Die wichtigsten Konjunkturindikatoren

Börsenwissen

Ifo-Geschäftsklimaindex

Der weitaus wichtigste konjunkturelle Frühindikator in Deutschland ist der Geschäftsklimaindex des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo). Entsprechend aufmerksam verfolgen auch die Börsianer den Index, der gegen Ende jedes Monats veröffentlicht wird.

Für den Index befragen die Wirtschaftsforscher rund 7.000 deutsche Unternehmen, wie sie die aktuelle Geschäftslage und die Erwartungen für die kommenden sechs Monate einschätzen. Die Gegenwart müssen die Unternehmen mit "gut", "befriedigend" oder "schlecht" beurteilen. Bei dem Blick in die nahe Zukunft darf es gemäß Fragebogen "besser", "gleich" oder "schlechter" laufen. Das Ifo-Institut saldiert die Prozentanteile der positiven und negativen Antworten, gewichtet diese nach Branchen und bildet dann den Mittelwert. Das Ergebnis wird ins Verhältnis zum Basisjahr 1991 gesetzt. Seit Februar 2004 wird der Index für Gesamtdeutschland und nicht mehr getrennt für West- und Ostdeutschland ausgewiesen.

Die Marktteilnehmer blicken fast ausschließlich auf die Veränderung des Gesamtindex im Vergleich zum Vormonat. Steigt der Index, hellt sich die Konjunkturlage in Deutschland auf. Sinkt er, trüben sich die Aussichten ein. Als besonders aussagekräftig gilt die Tendenz über mehrere Monate. Steigt der Ifo-Index drei Mal in Folge, lässt dies einen Konjunkturaufschwung erwarten.

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