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Geldpolitik

Janet Yellen

US-Notenbank

Yellen: Schluss mit dem Kuschelkurs

Stand: 19.01.2017, 09:09 Uhr

Kurz vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten Donald Trump hat die eigentlich für ihren moderaten Ton bekannte Notenbankchefin Janet Yellen eine härtere Gangart angekündigt.

Es sei sinnvoll, die Zinsen schrittweise anzuheben, sagte die US-Währungshüterin am Mittwochabend in San Francisco. Die Notenbank Fed sei ihren Zielen - Vollbeschäftigung und stabile Preise - nahe. Die Zentralbank hatte im Dezember den Leitzins um einen viertel Prozentpunkt auf 0,5 bis 0,75 Prozent angehoben und drei Schritte nach oben für 2017 in Aussicht gestellt.

Yellen sagte dazu, sie habe im vorigen Monat "mehrere" Zinserhöhungen pro Jahr bis ins Jahr 2019 hinein ins Auge gefasst. Ende des Jahrzehnts könne der Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld dann bei 3 ,00 Prozent liegen. 2015 und auch 2016 hatte die Notenbank nur jeweils einen Schritt nach oben gewagt.

Warnung vor zu zögerlichem Kurs

Sie warnte zugleich davor, dass sich ein zu zögerlicher geldpolitischer Kurs "bitter rächen" könne. Dann sei die Notenbank wahrscheinlich gezwungen, aggressiver ans Werk zu gehen. Dies könne letztlich dazu führen, dass die USA in eine Rezession abrutschten.

Der Euro fiel nach Veröffentlichung der Rede Yellens zur US-Devise auf ein Tagestief von 1,0630 Dollar. Yellen sagte, sie gehe davon aus, dass der Höhenflug des Dollar den Exporteuren weiter zu schaffen machen werde. Dennoch gehe die Fed von einem anhaltenden Aufschwung aus.

"Fuß auf dem Gaspedal"

"Dennoch bleibt unser Fuß auf dem Gaspedal, da wir sichergehen wollen, dass der Aufschwung stark genug bleibt, um Störfeuer von außen zu widerstehen", betonte Yellen. Dieses Vorgehen empfehle sich auch deshalb, "da es kaum Spielraum für Zinssenkungen gibt".

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Mit Blick auf den Zustand der US-Wirtschaft gab sich Yellen zuversichtlich. Die Inflation nähere sich dem Fed-Zielwert von 2,00 Prozent, während der Arbeitsmarkt auf Vollbeschäftigung zusteuere. Allerdings sieht Yellen noch etwas Raum für zusätzliche Verbesserungen. Zudem verwies sie auf das aus ihrer Sicht immer noch magere Wachstum der Löhne und Gehälter.

Trump sorgt für Unsicherheit

Zur Politik des künftigen amerikanischen Präsidenten, der am Freitag vereidigt wird, äußerte sich Yellen nicht. Sollte Trump seine Wahlversprechen wahr machen und die Steuern senken sowie die Staatsausgaben erhöhen, könnte dies einen Wachstums- und Inflationsschub bewirken und die Fed zu rascheren Zinsanhebungen zwingen. Andererseits würden Beschränkungen des Freihandels, wie sie Trump propagiert, die Konjunktur voraussichtlich belasten.

Federal Reserve Bank (FED) in der Zinsspirale

Die Fed in der Zinsspirale. | Bildquelle: picture alliance / dpa, Montage: boerse.ARD.de

Laut dem Chef des Fed-Ablegers San Francisco, John Williams, gibt es "gute Argumente" für drei Zinserhöhungen im Jahr 2017, selbst wenn ein zusätzlicher Konjunkturschub durch die Politik ausbleiben sollte. Diese Einschätzung speist sich aus den Zinsprognosen der einzelnen Notenbanker im geldpolitischen Ausschuss FOMC. In der Vergangenheit haben sich diese Projektionen allerdings oft als falsch erwiesen. Zuletzt hatte die Fed ihren Leitzins im Dezember erst zum zweiten Mal nach der Finanzkrise 2008 angehoben. Zurzeit liegt er in einem Band von 0,50 und 0,75 Prozent.

lg

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