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Falke

Erste Zinserhöhung in diesem Jahr

Wird die Fed zu hawkish?

Stand: 14.03.2017, 11:55 Uhr

Statt wie anfangs erwartet im Juni, dürfte die amerikanische Notenbank bereits jetzt im März eine weitere Anhebung des Leitzinses beschließen. Mindestens zwei zusätzliche Schritte könnten in diesem Jahr folgen. Wird die Fed damit zu "hawkish"?

Joachim Fels, Pimco-Chefvolkswirt, hält das für möglich. "Die Fed könnte tatsächlich ’hawkish’ werden und die Geldpolitik zu sehr straffen", sagte Fels auf einer Konferenz in Sydney. Sollte die Fed eine stärker auf Straffung ausgerichtete Politik anstreben und mehr Zinserhöhungen in Aussicht stellen als der Markt eingepreist hat, besteht die Gefahr von Turbulenzen an den Aktienmärkten.

Zuletzt waren die Zinsen im Dezember angehoben worden. Nach dem Präsidentenwechsel im Januar und einem zuletzt wieder etwas nachlassenden Wirtschaftswachstum in den USA waren die meisten Experten bis vor wenigen Wochen davon ausgegangen, dass die nächste Zinsstraffung erst im Juni stattfinden werde.

Etwas bremsen

Doch die Fed hat ihre Politik neben der Bekämpfung der Inflation auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet. Sie strebt Vollbeschäftigung an. Dieses Ziel betrachtet sie bei einer Arbeitslosenquote von zuletzt 4,7 Prozent als erreicht. Zudem entstanden im Februar 235.000 neue Stellen und damit weit mehr als erwartet.

Zugleich sind die Märkte sehr euphorisch. Donald Trump will die Konjunktur mit Steuersenkungen und massiven Investitionen stärker auf Touren bringen. Bei Anlegern haben die Pläne Hochstimmung ausgelöst. In den Wochen nach Trumps Amtseinführung im Januar eilte die Wall Street von Rekord zu Rekord: "Daher spricht aus Sicht der Fed einiges dafür, dass man etwas bremst", glaubt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Nicht nur die Aktienkurse, sondern auch die Preise für Gewerbeimmobilien seien wieder "sehr, sehr hoch".

Keine Überhitzung riskieren

UniCredit-Ökonom Bandholz liest aus Yellens jüngsten Äußerungen eine gewisse Furcht heraus, nach den zögerlichen Erhöhungen der Vorjahre bei den Zinsen "zu sehr ins Hintertreffen zu geraten". Sie hat mehrfach betont, dass sie angesichts eines praktisch leer gefegten Arbeitsmarkts nicht sehenden Auges eine Überhitzung der Wirtschaft riskieren werde. Christiane von Berg von der BayernLB rechnet daher damit, dass Yellen rasch nachlegen wird: "Mögliche Termine sind Juni und September." Mit Spannung warten Beobachter auch auf die Zinsprognosen der Währungshüter, die am Mittwoch eine halbe Stunde vor dem Auftritt Yellens veröffentlicht werden.

Die Fed treibt wohl auch die Furcht vor den Folgen der wirtschaftlichen Abschottungspläne Trumps um. Sie strebt eine Inflationsrate von zwei Prozent an, die aber längere Zeit nicht mehr erreicht wurde. Dies dürfte sich rasch ändern, wenn Trump das Land mit Schutzzöllen gegen Importe aus Billiglohnländern abschirmen sollte.

Janet Yellen schaut über ihre Brille

Janet Yellen. | Bildquelle: Imago

Zartes Pflänzchen Konjunktur

Allerdings müssen die Notenbanker auch darauf achten, das noch immer zarte Pflänzchen Konjunktur nicht zu zertrampeln. Die Wirtschaft hatte nämlich Ende 2016 einen leichten Durchhänger. Im vierten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt auf das Jahr hochgerechnet nur um 1,9 Prozent zu. Im Sommer hatte das Wachstum noch 3,5 Prozent betragen. Auch besteht die Gefahr, dass die Fed mit einer überzogenen Geldpolitik den Dollar weiter in die Höhe treiben könnte. Das dürfte nicht im Sinne der Exportwirtschaft sein. Auch Trump ist strikt gegen eine Aufwertung des Dollar. Vor seiner Amtseinführung hatte er erklärt, die Stärke des Greenback gegenüber der chinesischen Währung Yuan "bringt uns um".

Nicht zuletzt muss die Fed auch die Inflationsgefahren im Auge behalten. Die angestrebte Teuerungsrate von zwei Prozent wurde zwar seit längerem nicht mehr erreicht. Doch die Folgen der wirtschaftlichen Abschottungspläne Donald Trumps dürften nicht lange auf sich warten lassen, sollten das Land tatsächlich mit Schutzzöllen gegen Importe aus Billiglohnländern abgeschirmt werden. Denn dann, so die Befürchtung, dürften die Lebenshaltungskosten der Amerikaner rasch ansteigen - vor allem wegen der verteuerten Importgüter.

Trotzdem sollte die Fed darauf achten, den Bogen nicht zu überspannen und nach Jahren einer expansiven Politik jetzt in die andere Richtung zu laufen. Noch ist es nicht soweit. Doch mehr noch als auf die Zinsanhebung selbst, werden die Anleger bei der Pressekonferenz am morgigen Mittwoch darauf achten, welche Signale Fed-Chefin Janet Yellen für die Geldpolitik in den kommenden Monaten aussendet.

lg

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