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Kritik mehrerer deutscher Ökonomen

Widerstand gegen EZB-Anleihenkäufe

Stand: 11.01.2015, 17:20 Uhr

Gut eineinhalb Wochen vor der mit Spannung erwarteten Ratssitzung haben mehrere deutsche Ökonomen die Europäische Zentralbank (EZB) vor Staatsanleihen-Käufen gewarnt. Auch in den eigenen Reihen gibt es Gegner.

Die deutsche Vertreterin im EZB-Direktorium, Sabine Lautenschläger, sprach sich im "Spiegel" vorerst gegen den Ankauf von Staatsanleihen durch die Zentralbank aus. "Der Nutzen und die Risiken eines solchen Programms müssen in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Das sehe ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht."

"EZB gefährdet den Euro"

Noch vehementer kritisieren deutsche Wirtschaftsexperten die Pläne der EZB. Kurzfristig möge ein Ankauf von Staatsanleihen aus den Euro-Krisenstaaten "ein bequemer Ausweg" sein, meinte Ökonom Kai Konrad, Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Bundesfinanzministeriums, in der "Welt am Sonntag". "Mittel- und langfristig gefährdet die EZB damit aber den Euro und opfert sich am Ende selbst."

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Ähnlich skeptisch ist der frühere EZB-Chefökonom Jürgen Stark. "Manche halten ein QE-Programm für eine Art Atomwaffe der Geldpolitik, also für eine der schärfsten Waffen überhaupt", sagte er in der "Welt am Sonntag". Wirksam sei dieses Instrument aber nur im Kampf gegen eine echte Deflation. Es gegen die europäische Misere einzusetzen "bringt überhaupt nichts, sondern schürt nur noch die Unsicherheiten und Instabilitäten".

Morgan Stanley: Kaum Schub für die Inflation

Ökonomen von Morgan Stanley haben im vergangenen Jahr eine Simulationsrechnung zu einem europäischen QE-Programm gemacht. Das Ergebnis war ernüchternd. Würde die EZB Staatsanleihen im Volumen von 1.000 Milliarden Euro aufkaufen, stiegen Inflation und Wirtschaftsleistung nur jeweils um 0,4 Prozentpunkte an. "Für ein Ein-Billionen-Programm ist das nicht gerade viel", hadert Elga Bartsch, Europa-Chefvolkswirtin von Morgan Stanley.

Hans-Werner Sinn, der Chef des Münchner Ifo-Instituts, sieht gar den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB als "monetäre Staatsfinanzierung". Leidtragende wären die deutschen Steuerzahler, die als stille Eigentümer der EZB das Risiko tragen.

Italiens Notenbankchef verteidigt Kaufprogramm

Dennoch dürfte eine Mehrheit der Notenbank-Gouverneure hinter den QE-Plänen von Präsident Mario Draghi stehen. So zum Beispiel Italiens Notenbankchef Ignazio Visco. Ebenfalls in der "Welt am Sonntag" sprach er sich für Staatsanleihen-Käufe als in der aktuellen Situation "das wirksamste Mittel" aus. Der Italiener wies Bedenken der Kritiker zurück. "Das ist ein Standard-Instrument der Geldpolitik", sagte er. "Wir nennen das nur unkonventionell, weil es in Europa so lange nicht genutzt wurde." Zudem hätten die Finanzmärkte ein solches Programm schon in gewissem Maße eingepreist.

Bei der EZB laufen derweil die Vorbereitungen für ein Programm zum Kauf von Staatsanleihen auf Hochtouren. Im Gespräch ist ein Volumen von 500 Milliarden Euro. Notfalls will Draghi das Programm auch gegen den deutschen Widerstand durchsetzen. Unklar ist, ob im Rahmen von QE die EZB auch Bundesanleihen kaufen würde.

nb

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