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Wehe, wenn die Deflation kommt

von Angela Göpfert

Neben dem Inflationsgespenst treibt an den Märkten bisweilen auch der Deflationsgeist sein Unwesen. Doch warum ist eine Deflation eigentlich so gefährlich für die Wirtschaft?

Deflation

Deflation. | Quelle: colourbox

Letzten Endes sind auf breiter Front fallende Preise, sprich eine Deflation, ein Quasi-Todesurteil für jede Volkswirtschaft. Dabei gehen einem solchen volkswirtschaftlichen Phänomen meist fallende Aktienkurse, steigende Kurse von Staatsanleihen sowie ein Verfall der Rohstoffpreise und Immobilienpreise voraus.

Es geht immer billiger...

Eine Deflation ist nicht nur Wirtschaftswissenschaftlern ein Gräuel, denn sie gibt den Konsumenten einen starken Anreiz, ihr Geld zu horten. Schließlich wird das Guthaben auf der Bank von Monat zu Monat mehr wert. Es lohnt sich, Käufe aufzuschieben, weil morgen alles ja noch billiger ist.

Gleiches Spiel bei den Unternehmen. Zudem scheuen sie - wie auch die Haushalte - die Kreditaufnahme, um Investitionen zu finanzieren. Denn in der Deflation werden auch Schulden real immer mehr wert. Die niedrigere Nachfrage führt schließlich bei den Unternehmen zu sinkenden Gewinnen und letzten Endes sogar zu Pleiten.

Zahllose Pleiten im Anmarsch

All das lähmt die Wirtschaft massiv. Hat sich die Deflation erst einmal eingenistet, sind steigende Arbeitslosigkeit und Pleitewellen bei den Firmen nicht zu vermeiden. Dadurch wird ein sich selbst verstärkender Prozess in Gang gesetzt, der weitere Jobkündigungen, sinkende Realeinkommen, eine sinkende Nachfrage, sinkende Gewinnerwartungen der Unternehmen und weitere Firmeninsolvenzen zur Folge hat.

Die letzte große weltweit wirksame Deflation gab es während der Weltwirtschaftskrise. Zwischen 1929 und 1933 gingen in den USA die Preise um 24 Prozent zurück, in Deutschland um 23 Prozent. Dabei zeigt das jüngere Beispiel Japans - das Land steckt seit den 1990er Jahren in einer Deflation - dass eine Deflation zumeist enorm hartnäckig und schwer zu bekämpfen ist.

Schwer zu bekämpfen

Als Maßnahmen gegen eine Deflation greifen Notenbanken meist zur Zinssenkung und in einem zweiten Schritt gar zur Geldmengenerweiterung. Die Regierungen setzten auf eine nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik, sprich: Ausgaben- und Konjunkturprogramme.

Doch solche Eingriffe sind nicht umsonst zu haben, sondern sie haben langfristig negative Folgen: Es kommt zur Inflation, und die Staatsverschuldung steigt massiv. Ein hoher Preis, den es sich aber angesichts der noch katastrophaleren Auswirkungen einer Deflation durchaus zu zahlen lohnt.

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