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Fed-Ausblick
Was planen Bernanke und seine Kollegen?
Das Protokoll der letzten Fed-Sitzung offenbarte Zweifel an der Fortsetzung der Politik der Geldschwemme innerhalb der Notenbank. Am Mittwoch steht nun der nächste Zinsentscheid an. Ist die Furcht mancher Anleger vor dem Einstieg in den Ausstieg begründet?
Der Herr der Scheine: Fed-Boss Ben Bernanke
Das Protokoll der vergangenen Sitzung des Offenmarktauschuss FOMC der US-Notenbank Fed wurde Anfang Januar veröffentlicht und ließ die Investoren aufhorchen. Innerhalb der Fed herrscht ein Dissens darüber, wie lange die derzeitigen Anleihekäufe fortzusetzen sind. Während einige Mitglieder empfahlen, das Programm vor dem Ende 2013 zu beenden, wollten andere Mitglieder die Käufe wie geplant fortsetzen.
Gewinnen die Kritiker innerhalb der Fed bald die Überhand, lautet die interessante Frage? Und was bedeutet das für die Aktienmärkte? Schließlich weisen viele Experten regelmäßig darauf hin, dass ein Großteil der Kursrally der vergangenen Monate nicht zuletzt der überschüssigen Liquidität in den Märkten zu verdanken ist.
Einkaufen gehen für eine Billion Dollar
Am diesem Mittwoch steht nun der nächste Zinsentscheid der Fed an. Bis zu den Protokollen müssen sich die Investoren also noch gedulden und von einer Zinsänderung gehen die Fachleute nicht aus. Aktuell liegt der Leitzins zwischen 0,0 und 0,25 Prozent. "Interessant könnten jedoch die Ausführungen der Notenbank zur US-Konjunkturerwartung und der Fortsetzung ihres QE-Programms werden", stellen die Fachleute der HSH Nordbank fest. Sie treffen damit den Konsens.
Die Bilanz der US-Notenbank
Patrick Franke, Experte bei der Helaba, versucht sich einen Reim auf die Absichten der Notenbanker zu machen: "Angesichts der Tatsache, dass auf derselben Sitzung die Verdopplung des zeitlich unbegrenzten Kaufprogramms um monatlich 45 Milliarden Dollar beschlossen wurde, fällt die Vorstellung schwer, die Fed habe tatsächlich parallel einen Ausstieg aus ihrer lockeren Politik andeuten wollen", schreibt er in einem Wochenausblick. Derzeit kauft die Fed für 85 Milliarden Dollar monatlich Anleihen auf. In einem Jahr kommen so immerhin eine Billion Dollar zusammen.
"Noch nie erprobt"
"In ihrer Verzweiflung, die Konjunktur zu stabilisieren oder nennenswert anzukurbeln, griffen die Notenbanken zu extremen Maßnahmen, die in der Vergangenheit noch nie erprobt worden seien und deren Auswirkungen für die jeweiligen Länder im pessimistischen Fall äußerst negativ sein könnten", schreibt die "Finanzwoche".
"Geld- und Fiskalpolitik scheinen am Ende aller Möglichkeiten", meint Eberhardt Unger von Fairesearch. Langfristig berge die ultra-expansive Geldpolitik der Notenbanken Inflationsgefahren. "Aufkäufe von Staatsanleihen widersprechen allen klassischen Stabilitätsgeboten", meint Unger. Die Fiskalpolitik sei am Ende, denn noch mehr Budgetdefizite und Staatsverschuldung wirkten seiner Einschätzung nach kontraproduktiv.
Immerhin: Die Fed hat im vergangenen Jahr die Rekordsumme von 88,9 Milliarden Dollar zum US-Haushalt beigetragen. Für die Anleger ist die Geldflut sogar willkommen, da sie die Aktienmärkte antreibt. Deshalb fürchten viele ein Ende der lockeren Geldpolitik. Sie müssen also hoffen, dass sich die Wirtschaft in den USA nur langsam erholt.
Warnschwelle weit entfernt...
Die Fachleute der Commerzbank gehen davon aus, dass die Fed ihren Kurs am Mittwoch beibehalten wird: "Die Warnschwellen für Inflation und Arbeitslosenquote sind noch weit entfernt, so dass die US-Notenbank keinen Anlass sehen dürfte, etwas an der expansiven Ausrichtung ihrer Geldpolitik zu ändern", urteilt Coba-Fachmann Bernd Weidenschneider. Der Leitinzins soll erst wieder steigen, wenn die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent fällt. Derzeit liegt sie bei 7,7 Prozent. Die "Warnschwelle" werde wohl so rasch nicht erreicht, meint der Commerzbank-Experte.
... oder näher als gedacht
Aber vielleicht wird bald eine andere Warnschwelle erreicht werden. So lange die Inflationserwartung auf Sicht von einem bis zwei Jahren unter der Marke von 2,5 Prozent liegt, sollen die Zügel locker bleiben. Die Inflationserwartung könnte sich aber ändern: Die Bilanzsumme der Fed und das Niveau der Bankreserven haben sich laut Weidenschneider 2012 lange Zeit kaum bewegt. "Die erneuten Anleihenkäufe der Fed schlagen sich jetzt allerdings langsam in diesen Größen nieder."
Der Fachmann warnt: "Entscheidend sind die Bankreserven, denn diese sind der Treibstoff für den Geldschöpfungsprozess und damit potenziell für Inflation. In den vier Wochen bis Mitte Januar sind die Bankreserven um 120 Milliarden Dollar gestiegen, in den kommenden Wochen werden die Bankreserven ein neues Rekordniveau erreichen. Der irgendwann einmal anstehende Exit der Geldpolitik wird sich um die Stilllegung dieser Mittel drehen."
Stand: 28.01.2013, 15:07 Uhr