Mario Draghi

Die kleinen Zeichen von EZB-Chef Mario Draghi Was macht Mr. Euro?

Stand: 19.07.2017, 10:45 Uhr

Am Donnerstag hat er wieder seinen großen Auftritt: EZB-Chef Mario Draghi erklärt die Geldpolitik im Euro-Raum. Kommt ein kleines Signal zu weniger Lockerheit?

Große Dinge sind auf der Zinssitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag zwar nicht zu erwarten, erst recht keine konkreten Beschlüsse. Aber Experten erwarten doch mehrheitlich, dass die Euro-Wächter den ein oder anderen Hinweis auf ein Zurückschrauben des umstrittenen Anleihenkaufprogrammes geben werden.

Die Anleihekäufe der EZB
Die EZB erwirbt seit März 2015 in großem Stil vor allem Staatsanleihen. Das Kaufprogramm ist aktuell das wichtigste Instrument der Notenbank gegen eine zu schwache Inflation. Sie will Banken dazu drängen, weniger in diese Papiere zu investieren und stattdessen mehr Kredite an die Wirtschaft auszureichen. Das soll die Konjunktur stützen. Die Käufe im Umfang von 60 Milliarden Euro monatlich sollen mindestens noch bis Dezember 2017 fortgesetzt werden und dann ein Volumen von 2,28 Billionen Euro erreichen.

Draghi werde aber gleichzeitig besonders betonen, dass diese Anpassung nur schrittweise geschehe, sagt Sebastian Fellechner, Analyst bei der DZ Bank. Und der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, sagt: "Auf seiner Sitzung am Donnerstag dürfte der EZB-Rat erstmals intensiv diskutieren, wie die Geldpolitik im kommenden Jahr fortgesetzt wird."

Die EZB hatte zuletzt selbst einen Mini-Schritt in Richtung Kurswende gewagt - zumindest verbal. Vor dem Hintergrund verbesserter Wirtschaftsperspektiven deutete Draghi im Juni an, dass die Notenbank ihre Politik künftig auch etwas weniger expansiv gestalten könne, ohne dabei die Konjunktur weniger zu unterstützen. Die EZB hatte zudem die Option auf noch tiefere Leitzinsen aus ihrem Ausblick gestrichen.

Oder doch kein Zeichen?

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Börse 17:00 Uhr: Starker Euro dürfte EZB nicht kalt lassen

Die Landesbank Helaba erwartet am Donnerstag dagegen einen zurückhaltenden Draghi: "Den jüngsten Spekulationen über eine vorzeitige Anpassung dürfte die EZB keine neue Nahrung geben", heißt es in einer Einschätzung. "Ob die Notenbanker den ohnehin überholten Passus über eine mögliche Ausweitung des Kaufprogramms (für Anleihen) streichen, ist angesichts der zuletzt erhöhten Nervosität am Anleihemarkt fraglich. Dass er in einer der kommenden Sitzungen herausgenommen wird, ist jedoch wahrscheinlich." Nur 28 Prozent der befragten Ökonomen gehen davon aus, dass die EZB in dieser Woche den Passus streicht.

Chefstratege Robert Greil von Merck Finck Privatbankiers erwartet am Donnerstag ebenfalls keine geldpolitischen Weichenstellungen. "Schließlich kommen vor dem wichtigen September-Meeting noch die Inflationsdaten für Juli und August", betont der Experte. Die Währungshüter der Eurozone dürften auch "kaum Interesse daran haben, jetzt die Anleihezinsen oder den Euro weiter nach oben zu treiben".

Wehe, der Euro wird zu stark

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Sollte Draghi nur den kleinsten Hinweis in Richtung eines Ausstiegs aus der extrem lockeren Geldpolitik geben, könnte der Euro deutlich anziehen, sagte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. Seit Jahresbeginn hat die Gemeinschaftswährung um rund neun Prozent zugelegt. Sie notiert derzeit über 1,15 Dollar.

Der oberste Währungshüter der Eurozone dürfte aber kein Interesse daran haben, den Eurokurs noch weiter zu treiben. Denn über niedrigere Importpreise würde dies zu einer sinkenden Inflation führen. Ein starker Euro erschwert zudem die Exportaussichten europäischer Unternehmen.

Es gibt daher in der EZB auch Stimmen, die sich eine Fortführung der Anleihekäufe noch für längere Zeit vorstellen können. So hält Lettlands Notenbankchef Ilmars Rimsevics wegen der aktuell sehr schwachen Inflation im Euro-Raum eine Fortsetzung auch in den nächsten Jahren für möglich. Die EZB strebt eine Teuerung von knapp zwei Prozent an. Im Juni lag die Inflation nur bei 1,3 Prozent.

Im August in Jackson Hole

Börsianer erwarten, dass die EZB im September - spätestens im Oktober - den Einstieg in den Ausstieg bei ihren billionenschweren Anleihekäufen verkündet. Laut einer am Freitag veröffentlichten Reuters-Umfrage unter Ökonomen rechnen 72 Prozent der Experten mit dem September-Termin. Rund 18 Prozent erwarten, dass die Währungshüter mit einer Entscheidung noch bis Oktober warten.

Beim jährlichen Zentralbanker-Treffen in Jackson Hole in den USA könnte Draghi im August das Feld bereiten. 2014 hatte er dort verkündet, die unerwünscht niedrige Inflation mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhöhen und damit den Ankauf von Staatsanleihen (Quantative Easing) eingeläutet.

bs

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