Blick auf den Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt und den Main

Inflation bleibt unter Zielmarke Vorerst keine Zinswende in Sicht

Stand: 07.09.2017, 18:54 Uhr

Ungeachtet des Unmuts in Deutschland hält die EZB unverändert an ihrer expansiven Geldpolitik fest. Über eine Änderung des Anleihekaufprogramms wollen die Notenbanker im Oktober entscheiden. Und dem Euro lassen die Notenbanker weiter freien Lauf.

Der EZB-Rat bekräftigte die bisherige expansive Ausrichtung. Die Leitzinsen werden länger und weit über die Zeit der Anleihekäufe hinaus auf dem derzeitigen Niveau bleiben, schreibt die Notenbank in ihrer nach der Ratssitzung veröffentlichten Mitteilung.

Damit bleibt der Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent. Parken Geschäftsbanken Geld bei der Notenbank, kostet das die Institute weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen. Zudem steckt die EZB noch bis mindestens Ende Dezember 2017 Monat für Monat 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen.

Über Drosselung wird im Oktober entschieden

Anja Kohl

Draghi spielt italienisches "Catenaccio"

Wie es mit den Anleihekäufen weitergeht, wann es und in welchem Umfang zu einer Drosselung kommt, will die Notenbank nach Aussage ihres Präsidenten Mario Draghi im Oktober entscheiden. Eine Änderung des Kaufprogramm sei auf der heutigen Sitzung nicht diskutiert worden, sagte Draghi auf der Pressekonferenz. Die Diskussion über eine Anpassung befinde sich in einem sehr frühen Stadium.

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Analysten zeigten sich enttäuscht von der Aussage. Die EZB müsse endlich Farbe bekennen, sagte LBBW-Analyst Martin Güth. Das Dilemma der Notenbank bestehe darin, dass die gewichtigen Argumente für einen Ausstieg aus dem bis Jahresende laufenden Anleihekaufprogramm immer stärker werden. Die Aufwertung des Euro in den vergangenen Wochen belaste aber die Aussichten für die Inflation und die Unternehmensgewinne.

Ökonomen und Verbandsvertreter kritisierten die Abwartehaltung der EZB. "Die konjunkturelle Großwetterlage ruft nach einer geldpolitischen Wende. Aber die EZB bleibt sowohl den Sparern als auch den Märkten Klarheit schuldig", schimpfte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon. Die Hauptgeschäftsführerin des Bankenverbandes VÖB, Iris Bethge, mahnte: "Je länger die EZB notwendige Entscheidungen für eine straffere Geldpolitik verzögert, desto schwieriger wird es, die Märkte glaubhaft darauf einzustimmen." Ex-Bundesbank-Präsident Axel Weber, inzwischen bei der UBS, forderte auf der Handelsblatt-Bankentagung: "Die EZB muss sich aus dem Kauf von Anleihen zurückziehen." Am Mittwoch hatte bereits Deutsche-Bank-Chef John Cryan ein Ende der Zeit des billigen Gelds in Europa verlangt.

Inflation bleibt deutlich unter Zielmarke

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ARD-Börse: Börsenreaktionen auf PK von EZB Präsident Draghi

Tatsächlich erwartet die EZB, dass sich die Inflation im Euroraum zum Jahresende wieder abschwächen wird. Im kommenden Jahr dürften die Preise dann um 1,2 Prozent anziehen - und damit weiterhin unter der von der Notenbank angepeilten Zielmarke von zwei Prozent liegen. Auch im Jahr 2019 erwartet die Notenbank lediglich einen moderaten Anstieg der Teuerungsrate auf 1,5 Prozent. Der Versucht der EZB, die Teuerung anzuheizen, ist damit auf absebare Zeit gescheitert.

Auch zur Aufwertung des Euro machte der Notenbank-Präsident keine eindeutige Äußerung. Er sagte lediglich, dass schwankende Wechselkurse für Unsicherheit sorgen. Allerdings sei eine Beeinflussung der Wechselkurse kein Politik-Ziel der EZB. Das und wohl auch die anhaltende Spekulation um eine baldige Straffung der Geldpolitik genügten, um der Gemeinschaftswährung einen weiteren Schub zu verliehen: Sie kletterte während der Pressekonferenz über die Schwelle von 1,20 Dollar und hielt sich bis zum Abend über diesem Niveau.

lg/ nb

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