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Geldpolitik

Janet Yellen

Fed-Sitzung im Fokus der Anleger

Muss die Fed jetzt zurückrudern?

Stand: 26.01.2016, 13:33 Uhr

Der erstarkende Dollar und die einbrechenden Aktienmärkte haben Fed-Chefin Janet Yellen und ihre Kollegen auf dem falschen Fuß erwischt. Müssen sie jetzt von ihrem ursprünglichen Plan abrücken?

Eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte bei jedem zweiten Treffen, etwa vier pro Jahr. Darauf hatte die Fed die Märkte bei ihrem letzten Treffen am 16. Dezember eingestimmt. Doch die Finanzwelt ist heute eine andere.

Die Sorgenkinder heißen China und Dollar

Als die Fed erstmals seit fast zehn Jahren den Leitzins erhöhte, hofften Anleger noch auf eine Weihnachtsrally. Doch diese fiel spektakulär aus. Es folgte, im Sog neuer China-Sorgen, der schlechteste Jahresbeginn der US-Börsen aller Zeiten.

Zugleich wertete der Dollar deutlich auf. Der Anstieg erfolgte dabei weniger gegenüber dem Euro, sondern vielmehr gegenüber Rohstoffwährungen und Devisen asiatischer Schwellenländer. Ein starker Dollar lastet auf der US-Konjunktur und den Inflationserwartungen.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum 1 Monat
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18.094,83
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Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum 1 Monat
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1,1252
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Zinserhöhung am Mittwoch? Ausgeschlossen!

Jede Menge Gesprächsstoff also für die FOMC-Mitglieder, die am Dienstag zusammengetreten sind, um zwei Tage lang über die künftige amerikanische Geldpolitik zu beraten. Eines scheint dabei so gut wie sicher: Am Mittwochabend müssen wir mit keiner weiteren Zinserhöhung rechnen.

»Die Finanzmarktstabilität, neben Vollbeschäftigung und Preisniveaustabilität eine der drei Säulen der Fed-Politik, schließt die Ankündigung eines neuen Zinserhöhung am 27. Januar aus.«

Franck Dixmier, Globaler Anleihenchef von Allianz Global Investors

Zinserhöhung nicht vor Juni?

Nouriel Roubini

Nouriel Roubini. | Quelle: picture-alliance/dpa

Einen Schritt weiter geht Starökonom Nouriel Roubini: Die derzeit fallenden Inflationserwartungen führten dazu, dass die Fed maximal zwei Zinserhöhungen in 2016 durchführen werde, zeigte sich Roubini vor wenigen Tagen auf der Kapitalanlegertagung in Zürich überzeugt.

Mit dieser Aussage bewegt sich Roubini absolut marktkonform. Ein Blick auf die Federal Funds Futures verrät: Marktteilnehmer schätzen die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im März aktuell nur mit 27 Prozent ein.

Es geht um viel

Allerdings steht für die Fed viel auf dem Spiel: ihre Glaubwürdigkeit. Wird die Notenbank also tatsächlich ihre Einschätzung der amerikanischen und globalen Wirtschaft allein auf Basis von 14 Handelstagen in den Wind schreiben?

Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich die Fed weit weniger "dovish" ("taubenhaft") äußern wird, als dies bislang von den Marktteilnehmern antizipiert wird. Bekräftigt die Fed am Mittwochabend ihren im Dezember eingeschlagenen Kurs, so könnte das für die Märkte ein böses Erwachen geben.

Mit Blick auf die Erwartungshaltung der Anleger liegt das Überraschungspotenzial am Mittwochabend klar auf Seiten der Dollar-Bullen und Aktienmarkt-Bären.

ag

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