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Konjunktur

Ifo-Geschäftsklimaindex Februar 2016

Unter Erwartungen

Ifo: Stimmung trübt sich weiter ein

Stand: 23.02.2016, 10:35 Uhr

Das Geschäftsklima in den deutschen Unternehmen hat sich im Februar weiter verschlechtert. Die Sorgen um China, der fallende Ölpreis sowie die Turbulenzen an den Börsen drückten auf die Stimmung.

Das Barometer für das Geschäftsklima fiel im Februar um 1,6 Punkte auf 105,7 Zähler und damit den dritten Monat in Folge, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner Umfrage unter 7.000 Managern mitteilte. Das ist der tiefste Stand seit Dezember 2014. Bankvolkswirte hatten zwar mit einer Eintrübung gerechnet, allerdings nur auf 106,8 Punkte.

Während die Industrie eine Fortsetzung des Abschwungs fürchtet, hat sich auch im Einzel- und Großhandel sowie im Dienstleistungssektor das Klima verschlechtert. Nur im Bauhauptgewerbe stieg der Geschäftsklimaindex.

Trendwende eingeleitet?

Bei drei Rückgängen in Folge sprechen Experten in der Regel von einer Trendwende beim wichtigsten deutschen Konjunkturbarometer, die einen Wendepunkt in der konjunkturellen Entwicklung markieren könnte. Ausschlaggebend für die Eintrübung war ein deutlicher Rückschlag bei den Erwartungen an die künftigen Geschäfte.

Nur die Geschäftslage konnte sich leicht auf 112,9 Punkte verbessern. Die Sorgen der deutschen Wirtschaft werden größer, insbesondere in der Industrie", kommentierte der scheidende Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn das Ergebnis.

Die heftigen Börsenturbulenzen sowie Sorgen vor einer Konjunkturabkühlung in China und einer Destabilisierung der vom Ölpreis-Verfall geschwächten Förderstaaten wie Russland drücken nach Ansicht der Ökonomen auf die Stimmung. Während die meisten Ökonomen Deutschlands Wirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von 1,7 Prozent zutrauen, hat die OECD ihre Prognose in der vergangenen Woche gesenkt. Für die Bundesrepublik erwartet der Industrieländerclub dieses Jahr nur noch eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,3 Prozent, 2017 von 1,7 Prozent. Im November lag die Prognose noch bei 1,8 beziehungsweise 2,0 Prozent.

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Weitgehend erwartet worden

Ulrich Wortberg, Ökonom bei der Helaba, zeigte sich wenig überrascht über die Abkühlung. Sie habe sich abgezeichnet, nachdem bereits andere Umfragen enttäuschten (Sentix, ZEW, Industrie-PMI). Das Ausmaß des Rückgangs sei negativ zu werten, ebenso die Tatsache, dass die Geschäftserwartungen einen deutlichen Dämpfer erhalten haben. Zudem handele es sich um den dritten Rückgang in Folge, was laut Ifo-Institut als Trendwendesignal zu werten sei. Konjunktursorgen dürften zunehmen und Marktteilnehmer würden in ihren Erwartungen tendenziell bestärkt, dass die EZB im März die Geldpolitik weiter lockern dürfte.

Am Aktienmarkt ist der schlechter als erwartet ausgefallene Ifo-Geschäftsklimaindex praktisch verpufft, die Erholung konnte er jedenfalls nicht stoppen. Lediglich der Euro hat weiter nachgegeben und ist unter die Schwelle von 1,10 Dollar gerutscht. "Die Stimmung ist derzeit schlechter als die Lage", kommentierte Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Lichtet sich die Situation in den kommenden Wochen, wird sich auch die Unternehmensstimmung aus Gitzels Sicht wieder verbessern..

lg

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Was Experten zum Ifo sagen

"Nicht wirklich überraschend"

Holger Sandte, Europa-Analyse bei Nordea

Holger Sandte, Europa-Analyst von Nordea

"Dieser dritte Rückgang in Folge deutet darauf hin, dass der deutschen Wirtschaft eine schwächere Phase bevorsteht. Mit der anhaltenden Flaute in den Schwellenländern und den verschiedenen europäischen Baustellen gibt es derzeit einfach zu vieles, was die Erwartungen der Unternehmen drückt. Stagnation oder Rezession sind aber nicht gleich zu befürchten, eher Mini-Wachstum."

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