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Konjunktur

Ifo-Geschäftsklimaindex Januar 2016

Tiefster Stand seit Februar 2015

Ifo: Stimmung im Januar weiter eingetrübt

Stand: 25.01.2016, 10:35 Uhr

Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich zum Jahresauftakt weiter verschlechtert. Die Sorgen um China, der fallende Ölpreis sowie der Einbruch der Börsen drückten auf die Stimmung.

Das Barometer für das Geschäftsklima fiel von revidiert 108,6 Zählern im Vormonat auf 107,3 Punkte und damit den zweiten Monat in Folge, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner Umfrage unter 7.000 Managern mitteilte. Das ist der tiefste Stand seit Februar 2015.

Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang auf 108,4 Zähler gerechnet. Die Geschäftslage verschlechterte sich nur leicht (112,5 nach 112,8 Punkte), die Aussichten für das kommende halbe Jahr trübten sich dagegen deutlich ein auf 102,4 Punkte nach revidiert 104,6 Punkten. "Die deutsche Wirtschaft blickt erschrocken ins neue Jahr", kommentierte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn das Ergebnis.

Nur der Handel hält sich wacker

Im verarbeitenden Gewerbe, im Dienstleistungssektor und im Baugewerbe verschlechterte sich das Geschäftsklima. Im Großhandel verbesserte es sich dagegen, im Einzelhandel blieb die Stimmung nahezu unverändert.

Die heftigen Börsenturbulenzen sowie Sorgen vor einer starken Konjunkturabkühlung in China und einer Destabilisierung der vom Ölpreis-Verfall geschwächten Förderstaaten wie Russland drücken nach Ansicht der Ökonomen derzeit auf die Stimmung. Volkswirte trauen der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr trotzdem ein Wachstum auf dem Vorjahresniveau von 1,7 Prozent zu.

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Grund ist die gute Kauflaune der Verbraucher, die sich aus der Rekordbeschäftigung, steigenden Löhnen und der Entlastung durch niedrige Energiepreise speist.

Weitgehend erwartet worden

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ARD-Börse: Ifo-Geschäftsklima - Lichtblick oder Dämpfer für Börse?

Analysten wie Viola Julien von der Helaba sehen deshalb keinen Grund zur Sorge. Der erneute Rückgang des Ifo-Index' sei weitgehend erwartet worden. Das Wachstumsszenario sollte angesichts des vergleichsweise hohen Niveaus aber nicht in Frage gestellt werden, auch wenn es keinerlei Anzeichen für eine Zunahme der konjunkturellen Dynamik gebe.

Die Anleger reagierten verschnupft auf die Eintrübung des Geschäftsklimas. Der Dax weitete seine Verluste kurz auf ein gutes halbes Prozent aus, kann sich danach aber rasch wieder erholen.

lg

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Was Experten zum Ifo sagen

"Ein wenig mehr Realismus"

Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW

Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW

"Die Finanzmärkte verunsichern die Unternehmer. Dabei zeigen die meisten Frühindikatoren in eine andere Richtung. Im Inland deutet alles auf anhaltendes Wachstum hin: Beschäftigung, Haushaltseinkommen und Nachfrage steigen. Dass unser Produktivitätswachstum zu bescheiden ist, steht auf einem anderen Blatt. Die Außenwirtschaft zeigt sich auch stabil. Die aktuelle Schwäche des Welthandels ist kein Vorbote eines globalen Konjunktureinbruchs, und in China werden weiter neue Arbeitsplätze geschaffen. Wichtig ist jetzt, die wenigen angeschlagenen aber großen Schwellenländer zu stabilisieren, und die Kreditkanäle für die Unternehmen offenzuhalten. Wir sollten nicht vergessen, dass der niedrige Ölpreis eine Erleichterung für die Nettoölimporteure und die Konsumenten ist."

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